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Anleihe-Spezialist Markus Peters, Alliance Bernstein: „Ich weiß nicht, ob alles ohne die Zentralbank so viel besser wäre.“ | © Barbara Schmidt Foto: Barbara Schmidt

Anleiheprofi im Gespräch

„Macht das Geschäft mit Anleihen noch Spaß, Herr Peters?“

DAS INVESTMENT: Herr Peters, macht das Geschäft mit Anleihen überhaupt noch Spaß?

Markus Peters: Zurzeit sogar sehr viel. Schließlich hatten wir im vergangenen Jahr eine gute Wertentwicklung. Das zeigt übrigens auch, dass die Botschaft „Man braucht keine Anleihen mehr“ ein bisschen zu früh ausgerufen wurde.

Das dürfte jetzt aber wirklich stimmen.

Peters: Sicherlich können Zins und Rendite nicht unendlich weit sinken. Was es natürlich schwierig macht, extrem bullish ins neue Jahr zu gehen. Allerdings stehen die Zentralbanken auch bereit, um das niedrige Niveau immerhin zu verankern.

Also ich an Ihrer Stelle wäre ziemlich sauer, wenn mir eine Zentralbank ständig im Markt herumpfuschen würde.

Peters: Ich weiß nicht, ob alles ohne die Zentralbank so viel besser wäre. Niedrige Inflations- und Wachstumsraten sind gute Gründe dafür, dass sie sich engagiert. Die Frage ist allerdings wirklich, wie viel die Aktionen jetzt noch bringen. Der Abnutzungseffekt ist da und nicht gerade gering. Neben der Zentralbank sind sicherlich auch höhere fiskalische Ausgaben nötig.

Was das Angebot an Anleihen erhöhen würde. Die Kurse würden dann sinken.

Peters: Das größere Angebot wäre wahrscheinlich noch zu verkraften. Allerdings würden bei verbesserter Wirtschaft auch die Inflationserwartungen steigen. Und das würde bei den längeren Laufzeiten die Kurse sinken lassen. Im gemäßigten Rahmen wäre das noch okay, weil wir dann mal wieder Renditen über null hätten. Aber ich sehe so etwas alles nicht wirklich kommen, der fiskalische Stimulus bleibt bislang aus.

Nicht wenige Euro-Länder sind, gemessen an der Wirtschaftsleistung, höher verschuldet als in den Nuller-Jahren. Außerdem gelten Staatsausgaben gern als Strohfeuer. Warum schreien trotzdem alle danach?

Peters: Es hängt von der Art der Ausgaben ab. Investitionen in Infrastruktur zum Beispiel können einen langfristigen Effekt auf die Wirtschaft haben. Es müssten bleibende Dinge sein, die die Weichen für die Zukunft stellen. Neben Infrastruktur etwa auch Bildung und anderes, was den Wirtschaftsstandort stärkt.

Und die Schuldenstände?

Peters: Die sind sicherlich sehr hoch. Aber angesichts der niedrigen Zinsen sind die Spielräume für Ausgaben größer als die Staaten sie nutzen. Die Ausgaben in einigen Ländern könnten steigen, ohne dass man sich Sorgen über die Schulden machen müsste.

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