Was gibt es noch außer Banken?

Bender: Ein gutes Beispiel aus dem unterjährigen Bereich ist der Rohstoffhändler Glencore in Schweizer Franken. Die Branche hat zwar zu kämpfen, weswegen viele Anleger diese Anleihe im Frühjahr nicht mehr haben wollten. Aber der Franken gehört in Krisen zu den Fluchtwährungen, wertet also auf. Wir haben schon 2008 solche Anleihen als gute Portfolioergänzung zu schätzen gelernt. Natürlich muss man ermitteln, ob Glencore den Schuldendienst in diesen nicht einmal zwölf Monaten schafft. Wir meinen: Ja.

Und holten sich welche Rendite herein?

Bender: Es waren fast 2 Prozent. Das ist für Schweizer Verhältnisse und diese kurze Laufzeit durchaus gut. Ein weiteres Feld, das ich mag, sind die supranationalen Emittenten. Sie geben Anleihen in allen Währungen aus. Wenn ich mich also an ein Land nicht herantraue, weil es vielleicht vom Rating her abgestuft wird, kaufe ich mir eine Anleihe der Weltbank in dieser Währung. Die Rendite ist gar nicht so viel geringer, dafür haben Weltbank und EIB ein AAA-Rating. Sie haben also Währung und Zinsniveau, schalten aber das Länderrisiko aus.

Sven Pfeil, Vorstandsmitglied und Fondsmanager bei Aramea Asset Management
Foto: HP Studios, Hamburg

Im März ist sogar der Kurs der Bundesanleihe eingebrochen. Ein bisschen enttäuschend.

Bender: Ich kann es aber nachvollziehen. Sie haben ein Papier, das hochliquide ist, aber negative Zinsen bringt. Ich vermute stark, dass Anleger es verkauft haben, um andere Anleihen nicht verkaufen zu müssen oder sogar höherrentierliche Titel kaufen zu können.

Pfeil: Hinzu kommt die Aussicht darauf, dass sich auch Deutschland wieder höher verschulden muss und mehr Anleihen ausgibt. Auch das drückt den Kurs. Zumal renditetechnisch offenbar eine Schmerzgrenze erreicht war.

Wenn selbst Bunds nicht mehr schützen, wie sichert man noch ein Portfolio ab?

Pfeil: Wenn plötzlich Gefahr droht, dass alles zusammenbricht, können Bundesanleihen sehr wohl noch schützen. Außerdem ist offenbar Cash wieder ein probates taktisches Mittel geworden. Das war zu Jahresbeginn noch ganz anders. Da schreckten die Minuszinsen noch viele Anleger ab. Wenn man die aber mal auf den reinen Cash-Bestand und nur vielleicht einen Monat herunterrechnet, dann bleiben nur noch ein paar Basispunkte übrig. Somit galt Cash in der Krise plötzlich wieder als echte Alternative.