Anshu Jain

Deutsche Bank erwägt Kürzungen in der Investmentbanksparte

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“Wir finden Bereiche, die im Hinblick auf den Markt oder ökonomisch gesehen nicht sinnvoll sind, und schichten Ressourcen in Bereiche und zu Kunden um, die uns am dringendsten brauchen”, sagt Colin Fan, Co-Chef der Investmentbank in London. Das Unternehmen plane aber keine “Streichungen nach dem Rasenmäherprinzip” innerhalb der Wertpapiersparte.

Co-Vorstandschef Anshu Jain hatte erklärt, die Deutsche Bank sei Europas letzte globale Investmentbank. Ihre Abhängigkeit vom Anleihenhandel war dieses Jahr von den Investoren nicht honoriert worden; der Ertrag ging zurück, und die Kapitalanforderungen stiegen. Das Unternehmen werde seine Strategie im kommenden Jahr überprüfen und aktualisieren, erklärte eine Sprecherin am gestrigen Donnerstag.

Die Aktie der Deutschen Bank hat dieses Jahr 24 Prozent nachgegeben; sie zählt damit zu den acht schwächsten Werten im 49 Werte umfassenden Stoxx Europe 600 Banks Index, der nur 3,4 Prozent verlor.

“Die Latte liegt eben höher, als es die Deutsche Bank erwartet hatte, und darum müssen sie in ausgewählten Bereichen Kürzungen vornehmen”, sagt Erin Davis, Analystin bei Morningstar Inc. in Chicago. “Ich sehe keinen Grund, warum sich das Handelsumfeld kurzfristig wieder nachhaltig erholen sollte.”

In den ersten neun Monaten ging der Ertrag der neun größten Investmentbanken aus dem Handel mit Festverzinslichen, Devisen und Rohstoffen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,8 Prozent auf 57,1 Mrd. Dollar zurück, wie von Bloomberg Intelligence zusammengestellte Daten zeigen. Die Deutsche Bank gewann Marktanteile hinzu, nachdem sie in ihrer Wertpapiersparte mehr Kapital eingesetzt hatte.

Die Bank hat wegen nachlassender Nachfrage und höherer Kapitalanforderungen bereits einige Bereiche verlassen. Im November teilte sie mit, dass sie den Handel mit den meisten an bestimmte Unternehmen gebundenen Credit Default Swaps einstellen werde und Ressourcen in Kassenobligationen umleiten werde.

Laut Fan werden weitere Kürzungen von der Ausgestaltung zukünftiger Regulierungen abhängen. “Manche Vorschriften stehen noch nicht fest”, sagte er. “Wir müssen wissen, wie sie festgeschrieben werden, und dann Entscheidungen treffen. Wo die Regeln klar sind, haben wir bereits gehandelt.”

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