Oktober 2011, Cupertino. Steve Jobs ist seit nicht mal zwei Wochen tot. Auf der Bühne steht ein Mann ohne Rollkragenpulli. Tim Cook aus Alabama, Sohn eines Werftarbeiters, sagt: „It is a pleasure to host you today.“ Der Saal fragt sich still: Wie soll das gehen?
Am 20. April 2026 hat Apple die Antwort ein für alle Mal archiviert. Cook tritt zum 1. September als CEO zurück. Sein Nachfolger: John Ternus, 50, Ingenieur, seit 25 Jahren im Haus. Ein Mann, der an Cook erinnert.
Was Cook in diesen 14,5 Jahren bei Apple gebaut hat, lässt sich in Zahlen fassen, die kaum zu glauben sind. Umsatz von 108 auf 416 Milliarden Dollar. Die Services-Sparte – App Store, Abos, iTunes – von 8 Prozent auf 109 Milliarden Dollar Umsatz mit einer Bruttomarge von über 70 Prozent. Die Aktie: plus 1.900 Prozent. Der S&P 500 im selben Zeitraum: plus 480 Prozent. Warren Buffett sagte einmal auf einer Berkshire-Hauptversammlung, Tim Cook habe für Berkshire mehr Geld verdient als er selbst. Das ist kein Kompliment, das ist ein Urteil.
Das eigentliche Wunder der Cook-Ära war keine Produktrevolution. Es war die stille Verwandlung eines Hardwarekonzerns in eine Plattformmaschine. Während Jobs auf der Bühne die Welt verzauberte, baute Cook im Hintergrund die Lieferkette, drückte den Lagerbestand von 400 auf 78 Millionen Dollar, und schuf die Struktur, die das iPhone erst zu einem Geschäftsmodell machte. 900 Milliarden Dollar flossen in Aktienrückkäufe und Dividenden – mehr als je ein Unternehmen zuvor ausgegeben hat.
Den Podcast gibt es bei
Apple und die KI-Herausforderungen
Und doch verlässt Cook Apple in einer Lage, die er selbst so nie kannte. Das Stichwort heißt KI. Im Juni 2024 kündigte Apple auf seiner Entwicklerkonferenz Apple Intelligence an: das Versprechen, dass das iPhone endlich wirklich schlau wird. Was folgte, war kein Triumph. Im März 2025 räumte Apple ein, zentrale Features verzögern sich. Intern soll der Siri-Chef das Chaos als „ugly and embarrassing" bezeichnet haben. Der KI-Chef wurde degradiert und ist inzwischen im Ruhestand. Im Januar 2026 dann das symbolisch kaum zu übersehende Manöver: Apple und Google verkündeten eine mehrjährige Partnerschaft. Googles Gemini-Modelle sollen das Herzstück von Apples KI werden.
Fondsmanager Stefan Riße von Acatis sieht das gelassen: „CEOs kommen und gehen, Apple bleibt." Das Bild, das in dieser Runde am meisten sitzt, stammt aus einer anderen Ecke. Apple als Zollschranke. Mehr als zwei Milliarden aktive Geräte weltweit. Wer KI auf dem Endgerät ausliefern will – ob Google, Anthropic oder OpenAI – kommt an Apple kaum vorbei. Nicht das beste Modell gewinnt, sondern der, der die Hand am Gerät hält.





Ternus tritt diesen Posten an mit drei Bewährungsproben im ersten Jahr: das iPhone Fold, Gerüchten zufolge zwischen 2.000 und 2.500 Dollar, die erste vollständig überarbeitete Gemini-gestützte Siri – und möglicherweise Apples erste Smart Glasses. Ein Kontinuitätsversprechen ist das. Ob es auch ein Zukunftsversprechen ist, steht auf einem anderen Blatt.
Oktober 2011 lässt grüßen. Die Frage im Saal ist dieselbe wie damals. Wie soll das gehen?
Wie genau das funktioniert, welche Fehler die Cook-Ära hinterlässt und worauf Ternus jetzt setzt, darüber spricht Christoph Fröhlich im Deep-Dive-Podcast, mit Hagen Ernst von DJE, Tech-Analyst Pip Klöckner, Stefan Riße von Acatis, Christian Köpp von Oberbanscheidt & Cie und Sebastian Blaeschke von SHareholder Value.

