Uwe Zimmer, Vorstand der Vermögensverwaltung Meridio in Köln

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Arabische Chance mitten in der Krise

Der Nahe Osten als Anlageziel

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Die politische Situation im Nahen Osten beunruhigt die Aktienmärkte. Allerdings nur auf den ersten Blick. Anleger sollten nicht in Panik verfallen. Ganz im Gegenteil, gerade jetzt tun sich Gelegenheiten auf.

Kennen Sie Tadawul? Nein, das ist keine Fantasiegestalt aus einem Roman von Tolkien. Tadawul nennt sich die Börse von Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Und dieser Aktienmarkt ist kein kleiner; der Tadawul All Share Index ist mit einer Marktkapitalisierung von 531 Milliarden Dollar (393 Milliarden Euro) sogar ein echtes Schwergewicht.

Zum Vergleich: der Dax mit den 30 deutschen Standardwerten bringt derzeit 965 Milliarden Euro auf die Börsenwaage. Dass der Ausdruck Tadawul dennoch nur wenigen Privatanlegern ein Begriff ist, ist zuallererst dem Umstand geschuldet, dass die Börse Saudi-Arabiens ausländischen Anlegern bislang verwehrt blieb.

Bislang wohlgemerkt. Denn nun sieht alles danach aus, dass sich Saudi-Arabien in diesem Punkt öffnet. So meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg jüngst, dass die saudische Kapitalmarktaufsicht bereits Pläne für eine Liberalisierung entwickele, die in der ersten Jahreshälfte 2015 in Kraft treten sollen. Für Privatanleger ist das zwar nur bedingt ein Grund zur Freude.

So soll der Zugang zur Tadawul vorerst nur institutionellen Anlegern möglich sein. Das heißt im Umkehrschluss aber, dass Privatanleger über Zertifikate und Investmentfonds dort investieren können. Im Fall eines eher unbekannten Marktes ist das sicher keine schlechte Wahl. Wahrscheinlich sogar die bessere. Schließlich sucht dann ein Fondsmanager mit Expertise die Titel aus, die man im Depot haben sollte.

Doch zurück zum Tadawul-Index. Die Öffnung Saudi-Arabiens hat auf ihn einen besonderen Effekt: Wenn er in den MSCI und einige seiner Sub-Indizes einfließen wird, wird das wiederum Indexfonds dazu veranlassen, ihn beziehungsweise die in ihm enthaltenen Titel zu kaufen. Kurszuwächse auf breiter Front sind damit vorprogrammiert. Der Fokus vieler Investoren dürfte sich wieder verstärkt auf den Nahen Osten richten.

Überhaupt zeigt sich momentan an der Börse ein Bild, das so gar nicht zur politischen Entwicklung passen will: Trotz der schwelenden Krise mit gleich mehreren Brandherden im Irak, in Syrien, in Libyen und in Israel hat das Interesse internationaler Investoren am Nahen Osten in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Die Zuflüsse in einigen Fonds, die dort investieren, sind zuletzt förmlich in die Höhe geschossen. Und das ist nachvollziehbar. Zwar ist die politische (Krisen-)Situation selbstverständlich nicht zu unterschätzen. Eine Häufung von Krisenherden, wie wir sie zurzeit sehen, ist selten. Nun muss man allerdings wissen und in Betracht ziehen, dass die Region seit Jahrzehnten an Konflikte gewöhnt ist und dass diese nie einen nachhaltigen Einfluss auf die Wirtschaft hatten.

Die positive Entwicklung der arabischen Welt


Mit den Augen eines Beobachters aus dem friedensverwöhnten Westeuropa gesehen, wo es seit dem Zweiten Weltkrieg keine kriegerische Auseinandersetzung mehr gab (Großbritanniens Falklandkrieg ausgenommen), ist die arabische Welt zwar ein stetes Pulverfass. Das wird von innen allerdings ganz anders wahrgenommen.

Dort sehen viele Menschen eine positive Entwicklung: In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben viele Länder der Region sich gegenüber den westlichen Industriestaaten geöffnet – wie jetzt Saudi-Arabien mit seiner Börse –, haben international tätige Unternehmen gegründet und veranstalten Messen, die von Besuchern aus aller Welt gern besucht werden.

Zudem geht es nicht nur um subjektives Empfinden allein. Auch die Fundamentaldaten sind attraktiv und sprechen dafür, dass sich Investoren den Nahen Osten als Anlageziel einmal genauer anschauen sollten. So ist die Bewertung in der Region – abgesehen vom verhältnismäßig teuren Dubai – durchaus günstig.

Die  KGVs bewegen sich  in einer Bandbreite zwischen knapp 25 und 12,3 und entsprechen damit einem Niveau, welches uns von unseren Europäischen oder Amerikanischen Märkten bekannt ist. Allerdings sind die Bewertungen von Emerging Markets meist wesentlich höher als die von entwickelten Märkten.

Daher sind die Börsen in der Arabischen Welt relativ günstig bewertet. Die große Unsicherheit mag viele Investoren momentan noch davon abhalten im Nahen Osten aktiv tätig zu werden. Die Vergangenheit hat aber oft genug gezeigt, dass solche Situationen gute Gelegenheiten waren.

Und wer weiß, vielleicht lernen Privatanleger neben dem Tadawul demnächst noch ganz andere Namen besser kennen wie Emaar Properties aus Dubai, einem der größten Bauunternehmen der Welt (ISIN AEE000301011), Kingdom Holdings (ISIN KYG525741031), die Gesellschaft von Prinz Al Walid von Saudi Arabien, einer der Hauptgesellschafter der Citigroup, oder von Saudi Basic Industries (ISIN SA0007879121), das größte petrochemische Unternehmen der Welt.

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