Cathie Wood und ihre Ark-ETFs kommen nach Europa. Diese Nachricht ließ kürzlich viele Anleger aufhorchen. Denn die von Ark Investment Management angebotenen ETFs haben sich weit über den US-amerikanischen Markt hinaus einen Namen gemacht. Für die Fondsgesellschaft Ark ist Wood Gründerin, Geschäftsführerin und Investmentchefin in einem.
US-Investorin Wood hat sich im zurückliegenden Tech-Bullenmarkt einen Namen gemacht – als Profi-Anlegerin mit quasi visionären Einsichten in den Tech-Markt und einem besonders glücklichen Händchen bei der Titelauswahl. Bis zum Frühjahr 2021 konnten die Ark-Fonds in der Tat glänzen. In der darauffolgenden Tech-Krise war die Fallhöhe dann umso größer: Allein 2022 büßte der Flaggschiff-ETF des Hauses, Ark Innovation Fund, rund 67 Prozent seines Wertes ein – bevor sich der Kurs im laufenden Jahr wieder stabilisierte.
In diesem September wurde bekannt, dass Cathie Wood den europäischen ETF-Anbieter Rize ETF übernehmen will. Mit dessen Hilfe sollen auch die bekannten Ark-ETFs für hiesige Anleger investierbar werden. Das heißt: Die in den USA erhältlichen Fonds sollen noch einmal neu aufgelegt werden, in einem europagerechten Ucits-Mantel. Der Name Rize soll verschwinden und nach und nach durch Ark ersetzt werden.
Cathie Wood bietet aktive ETFs an
Die Namen Wood und Ark stehen für aktive ETFs. Vehikel in einer ETF-Hülle standen lange in dem Ruf, dass sie nur passiv einem mehr oder weniger ausgeklügelten Index folgen. Bei aktiven ETFs wird jedoch die transparente und börsentaugliche ETF-Hülle auch mit aktiven Anlageentscheidungen bestückt. Investiert werden kann dabei zu ETF-üblichen, niedrigen Kosten.
In einem Video-Interview mit dem ETF-Portal Just ETF erläuterte Wood nun ihre Ziele in Europa und gab Einblick in ihre Anlagestrategie.
„Wir starten mit drei der Ark-Fonds“, verrät Wood dort. Einer von ihnen soll das Flaggschiff Ark Innovation ETF sein. Die regulatorische Abstimmung ist demnach weit gediehen. Im ersten Quartal 2024, möglicherweise schon ab Januar, sollen die Fonds in Europa erhältlich sein.
Auch wenn die aus den USA stammenden Fonds hier den spezifisch europäischen Regeln folgen müssen - im Kern sollen sie mit den US-Originalen identisch sein, verspricht Wood. Ein Unterschied sei der Umgang mit Höchstgrenzen, bis zu denen Titel in den Fondsportfolios enthalten sein dürfen. Auch in den USA gebe es solche Höchstgrenzen. Anders als in Europa müssten US-Fonds jedoch nicht gleich auch Anteile verkaufen, wenn durch Marktbewegungen bestimmte Limits überschritten werden, so Wood. In dieser Beziehung werden die europäischen Ark-Fonds sich somit von den Ursprungsfonds unterscheiden.
Die Versprechen, die Wood ihren Investoren macht, klingen verlockend: Jeder Titel ihrer Fonds soll mindestens 15 Prozent Rendite über die nächsten fünf Jahre erwirtschaften. Angesichts der Kurseinbrüche, die viele Tech-Firmen in den vergangenen zwei Jahren erlitten haben, könne es in naher Zukunft auch erheblich mehr sein, stellt sie im Gespräch in Aussicht.
Mit Blick auf passive ETFs, die in ähnlichen Gewässern fischen wie die Ark-Produkte, sagt Wood: Die passiven Portfolios seien quasi „mit der Schrotflinte“ zusammengestellt. Bei Ark hingegen soll jeder Schuss sitzen. Dafür betreibe man spezialisiertes Research „Wir fokussieren uns auf die Disruptoren, die Gewinner.“ An einer Benchmark orientiere man sich nicht.
Midcap-Unternehmen im Fokus
Das Allcap-Portfolio des Ark Innovation Fonds setze vor allem auf Midcap-Firmen mit einer Marktkapitalisierung von im Median 6 bis 8 Milliarden US-Dollar. Der Median-Wert spiegele das Volumen der Unternehmen realistischer wider, als wenn man den Durchschnitt betrachte, so Wood. Denn der werde von einem einzelnen Wert stark nach oben verzerrt: Bei Ark setzt man weiterhin stark auf Tesla.
Im weitläufigen Tech-Feld hat Wood fünf Kernthemen herausgefiltert, auf die Ark aktuell sein Research ausrichte: Robotics, Energiespeicherung, Künstliche Intelligenz, die Blockchain-Technologie und Gen-Sequenzierung. Man setze vor allem auf kleine Firmen und erhoffe sich, dass diese ihr Geschäft stark vergrößern, ohne von großen Firmen. übernommen zu werden, so Wood.
Im Investmentprozess verfolgen die Ark-Fonds einen verbundenen Top-down- und Bottom-up-Ansatz, verrät Wood. Zunächst werden aus den für interessant befundenen Bereichen Unternehmen herausgefiltert, die führend bei Innovationen sind. Diese werden dann noch einmal von der Pieke auf analysiert: Hat das Unternehmen ein visionäres Management, handelt es schnell, ist es bei Produkten oder Services führend, und hat es einen gebührenden Marktanteil? Stimmt zudem der Mitarbeiterstamm und wird genügend investiert?
Disruptive Unternehmen auch aus Europa
Aussichtsreiche Unternehmen finde sie nicht nur in den USA, sagt Wood. In Europa sei ihr Ui Path aufgefallen. Das Unternehmen wurde in Rumänien gegründet und will Robotics-Prozesse automatisieren. Um Modelle zu trainieren, setzt das Unternehmen auch Künstliche Intelligenz ein. „Sie nutzen KI sehr effizient“, findet Wood.
Die schwierige Phase, die der Ark Innovation Fund 2021 und 2022 durchlitten hat, erklärt Wood mit den steigenden Leitzinsen. Sie meint: „Die Aufmerksamkeit, die wir erhalten, ist in einem Bullenmarkt extrem positiv. Wir können quasi nichts falsch machen.“ 2021 und 2022 dagegen sei die Stimmung umgeschlagen, „obwohl wir nichts an unserem Tun geändert haben.“
Auch wenn der Ark Innovation Fonds auch Institutionelle Investoren gewonnen hat: In den USA zieht er vor allem Privatkunden an. Viele ihrer Anleger investierten gleichzeitig auch in Kryptowerte, sagt Wood. Von Fondsselekteuren erhalte der Fonds oft den Stempel hochvolatil und damit „riskant“ aufgedrückt. Für Wood kein Problem: Immerhin könnten Privatanleger auch nur zu einem kleinen Anteil in Ark investieren.
So sieht Cathie Wood die ideale Allokation
Eine interessante Wendung nimmt das Gespräch, als Wood nach einer idealen Portfolioallokation für Privatanleger gefragt wird. Denn hier hat sie eine klare Empfehlung: Für junge Anleger mit langem Investmenthorizont halte sie einen Mix aus 50 Prozent Aktien, 20 Prozent digitalen Assets und 30 Prozent verzinsten Werten für ideal. Ältere Anleger könnten ein stärkeres Gewicht auf Anleihen legen und möglicherweise auf Digitalwerte verzichten.
Auf ihren Heimatmarkt, die US-Wirtschaft, blickt Wood insgesamt zuversichtlich: Die Inflation könnte weiter zurückgehen und die Wirtschaftslage sich kurzfristig stabilisieren – dann könnten auch die Zinsen perspektivisch wieder sinken. Auf ein solches Szenario setzt Wood auch für ihre Fonds, aus denen Investoren sich in den vergangenen zwei Jahren umfangreich zurückgezogen haben: „Es liegt viel Cash auf der Seite.“ Wenn sich die Rahmenbedingungen entsprechend entwickelten, „dann wird das Geld wieder zurückkommen und unsere Strategie belohnen“, malt sich die Investorin aus.

