Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur

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Armes Deutschland

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Es ist das vielleicht größte Armutszeugnis in der Geschichte der deutschen Investment-Industrie: Seit fast 50 Jahren gibt es hierzulande Fonds-Sparpläne, und bis heute hat die Branche kein Mittel gefunden, Anleger von den Vorzügen dieser Form der Vermögensbildung zu überzeugen. Beispiel Union Investment: Ende 2012 hatten – Riester-Verträge ausgenommen – 97 Prozent aller Kunden von Deutschlands viertgrößter Investmentgesellschaft keinen Fonds-Sparplan im Bestand.

Eine erschreckende Bilanz, die natürlich viel über die Vorliebe der angeschlossenen Volks- und Raiffeisenbanken für Bausparverträge und Kapitallebensversicherungen aussagt. Wer dieser Konkurrenz jedoch jahrzehntelang lediglich einen Bauchladen häufig wechselnder und meist zur Unzeit beworbener Einzelprodukte entgegengesetzt hat, darf sich über mangelnde Akzeptanz nicht wundern.

Es ehrt die aktuelle Geschäftsführung, dass sie diese Defizite erkannt hat und gegensteuert. Immerhin, für das erste Halbjahr 2013 kann Vorstandschef Hans Joachim Reinke 134.000 neu abgeschlossene Sparpläne vorweisen – 99 Prozent davon über Aktienfonds. Eine Bilanz, die natürlich auch dem anhaltenden Niedrigzins-Umfeld geschuldet ist. Höchste Zeit deshalb, das Beteiligungssparen endlich auch gesellschaftspolitisch auf die Agenda zu setzen. Dass es dafür in Deutschland angesichts der drohenden Enteignung einer ganzen Sparer-Generation bislang nur so wenige Anreize gibt, ist nicht nur ein Armutszeugnis, sondern fast schon ein Skandal.

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