Arnim Kogge, Geschäftsführender Gesellschafter Vertiva

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Arnim Kogge zum Ölpreis

Automobilindustrie statt Ölnotierungen

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DAS INVESTMENT.com: Der Ölpreis ist in den vergangenen rund sieben Monaten in der Spitze um fast 60 Prozent eingebrochen und notiert auf dem tiefsten Stand seit 2009. Als Hauptgrund gilt die massive Ausweitung der Produktion von Schiefer-Öl in den USA. Die Frage ist wohl weniger ob, sondern wann die Preise wieder anziehen. Wie sehen Sie die Entwicklung in den kommenden Monaten?

Arnim Kogge: Im Gegensatz zu Rückgängen des Ölpreises in der Vergangenheit sieht es diesmal anders aus. Auf der Nachfrageseite ist die Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums und folglich eine rückläufige Nachfrage nach Rohöl festzustellen.

Auf der Angebotsseite kam es zu einer Veränderung durch den Fracking- Boom in den USA. Dadurch konnte Amerika in den letzten fünf Jahren zum größten Ölproduzenten der Welt aufsteigen. Im Gegensatz zu früheren Jahren unternahm die OPEC keine Gegenmaßnahmen. Dies scheint politisch motiviert um so den lästigen amerikanischen Konkurrenten zurück zu drängen.

Zusätzlich kommt noch die Konkurrenz USA und Saudi-Arabien gegen Iran und Russland. Insofern ist in diesem Jahr mit keiner großen Erhöhung des Ölpreises zu rechnen.

Wann wird die Erkenntnis der Endlichkeit neuer Ölquellen wieder dominieren und der Ölpreis sich wieder der 100-Dollar-Marke annähern?

Die Endlichkeit von Ölquellen hat durch die Fracking-Methode ihre Bedrohung verloren. Inzwischen wollen auch Kanada und Russland der USA nacheifern und selbst in Europa wird dieses Verfahren heiß diskutiert - wider allem Wissen einer Umweltschädigung. Die 100-Dollar-Marke ist in weiter Ferne. Mittelfristig ist aber durchaus wieder mit einem Preis zwischen 70-80 Dollar zu rechnen.

Welche Investments sollten Anleger wählen, wenn sie in den kommenden ein bis zwei Jahren von wieder steigenden Ölpreisen profitieren wollen?

Die Auswirkungen der angesprochenen Faktoren, bedeutet für den Anleger, dass er sich eher mit Branchen und Sektoren beschäftigen sollte, die vom stark gefallenen Ölpreis profitieren – anstatt auf steigende Ölnotierungen zu setzen. Dies sind die Automobilindustrie, die Basischemie, der Bergbau und der Logistiksektor. Bei Investmentfonds sollten diejenigen gewählt werden, die sich in den Ländern die davon profitieren bewegen – zum Beispiel Nettoexporteure von Rohöl wie Sri Lanka, Bangladesch, Kenia und Nigeria.

>> Lesen Sie hier, was Philipp Vorndran zum Ölpreis sagt

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