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Brücke in Asien | © Janus Henderson

Asiatische Kreditmärkte Wo die Renditen tatsächlich zum Risiko passen könnten

Über weite Strecken des letzten Jahres hatten Anleihen aus Asien (ohne Japan) als Quelle für diversifizierte Renditen merklich an Reiz verloren. Währenddessen stiegen die Renditen in den USA aufgrund von Zinserhöhungen der US-Notenbank (Fed) und der Erwartung, dass Europa und Japan ihre quantitativen Lockerungsprogramme (QE) einstellen würden. Die anschließenden Entwicklungen untermauern nun jedoch die Argumente, die für ein Engagement in asiatische Unternehmensanleihen sprechen. Langsameres Wachstum hat Japan und Europa gezwungen, die Straffung ihrer Geldpolitik auf Eis zu legen. Zudem hat die Fed nach ihrer Zinsanhebung im Dezember eine Kehrtwende zu einer expansiveren Geldpolitik vollzogen, woraufhin die Renditen von US-Staatsanleihen in sämtlichen Laufzeitbereichen gesunken sind.

Bei Renditen zehnjähriger Treasuries auf dem tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren können global anlegende Anleiheinvestoren, die in einem Niedrigrenditeumfeld nach einem Zinsaufschlag suchen, heute Unternehmensanleihen aus Asien (ohne Japan) wieder als attraktives Ziel ins Auge fassen. Dieses Argument erhält durch die soliden Staatshaushalte in der Region und die Weiterentwicklung ihrer Kapitalmärkte zusätzliche Schlagkraft.

Alles relativ

Keine Frage: Die Anleiherenditen sind, von einigen Ausnahmen abgesehen, rund um den Globus niedrig. Darin spiegeln sich Wachstumssorgen angesichts eines verlängerten Konjunkturzyklus ebenso wider wie der Umstand, dass die Anleger aufgrund der anhaltend lockeren Geldpolitik in Industrieländern erneut in risikoreichere Anlageklassen drängen. Mitte Juni betrug die Rendite des Bloomberg Barclays US Aggregate Bond Index (Agg), bestehend aus Staatsanleihen, Investment-Grade-Unternehmensanleihen und verbrieften Schuldtiteln, 2,63 Prozent. Eine vergleichbare Benchmark für die Eurozone generierte im gleichen Zeitraum eine Rendite von 0,25 Prozent während eine globale Benchmark 1,58 Prozent abwarf. Ein breit aufgestellter Anleiheindex für Asien (ohne Japan) lieferte dagegen eine Rendite von 3,36 Prozent.

Zwar sind die absoluten Renditen höher, wichtiger ist aber die von einem Anleger je akzeptierte Risikoeinheit erzielte Rendite. Beim US Aggregate Bond Index mit einer Duration¹ von 5,78 Jahren beträgt die Rendite je Risikoeinheit, gemessen an einem Jahr Duration, 0,46 Prozent. In Europa liegt sie pro Durationsjahr bei 0,04 Prozent, während es in Asien (ohne Japan) mit 0,63 Prozent deutlich mehr ist.

Gute Gründe für Unternehmensanleihen

Isoliert man Investment-Grade-Unternehmensanleihen aus dem breiteren Anleiheuniversum, so ist dieser Vorteil bei ihnen angesichts der Risikoprämie noch ausgeprägter. Die Spreads von Investment-Grade-Unternehmensanleihen aus Asien (ohne Japan) lagen Mitte Juni 156 Basispunkte² (Bp) über ihrer Benchmark, verglichen mit 126 Bp bei ihren Pendants aus den USA und Europa (siehe Grafik 1). Die Rendite je Risikoeinheit, gemessen an einem Jahr Duration, liegt bei diesen Wertpapieren in Asien ohne Japan bei 0,77Prozent, während sie in den USA und Europa 0,44Prozent bzw. 0,16Prozent beträgt.

Grafik 1: Spreads von Investment-Grade-Unternehmensanleihen aus der Region gegenüber risikofreien Benchmarks


Quelle: Bloomberg, Stand: 14.  Juni 2019, Europa, USA, Asien ohne Japan, Spread ggü. Benchmark.

Darüber hinaus haben viele Unternehmen in der Region einen engen Bezug zu Langfristtrends, die das Wirtschaftswachstum und die Umgestaltung ihrer Gesellschaften vorantreiben. So stammten zum Beispiel in den letzten fünf Jahren fast 50Prozent der Anleiheemissionen im Investment-Grade-Bereich in der Region aus dem Finanzsektor. Zentrale Antriebskräfte sind das Wachstum des Privatkundengeschäfts und die verstärkte Nutzung von Altersvorsorge- und Versicherungsprodukten, da die Bevölkerung in der Region ihren neuen Wohlstand bewahren will. Ein nach der Asienkrise Ende der 1990er Jahre aufgebauter robusterer Aufsichtsrahmen hat den Schutz von Anleihegläubigern verbessert. Auch bei der Infrastruktur der Kreditmärkte hat sich viel getan. Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds aus der Region sind heute ganz selbstverständlich Käufer inländischer Schuldverschreibungen, was der Liquidität der Kapitalmärkte zugutekommt.

Während Finanz- und Staatsanleihen bei den Neuemissionen dominieren, haben auch andere Sektoren ihre Präsenz an den Anleihemärkten erhöht, darunter Industrie, Versorger und Energie. Viele von ihnen profitieren direkt vom Infrastrukturboom der Region und können in vielen Fällen auf hochwertige Sachwerte als Sicherheiten sowie eine implizite staatliche Unterstützung zurückgreifen. Der Banken- und Infrastruktursektor sowie die zunehmende Kaufkraft der Verbraucher, die Hersteller zyklischer Konsumgüter zu einer weiteren Quelle von Anleiheemissionen werden lässt, sind Bereiche, denen die anhaltenden Bemühungen der Länder für eine Weiterentwicklung ihrer Volkswirtschaften zugutekommen. Angesichts dieser Positivfaktoren und der verbesserten Unternehmensführung glauben wir, dass die von Anlegern bei asiatischen Unternehmensanleihen geforderte Renditeprämie gegenüber Staatsanleihen zu hoch ist und die mit Ersteren verbundenen Risiken möglicherweise überschätzt. Folglich könnten die beharrlich höheren Risikoaufschläge dieser Wertpapiere im Vergleich zu ihren Pendants aus Industrieländern dem Argument zusätzliche Schlagkraft verleihen, dass die Anlageklasse eine attraktive Quelle für risikobereinigte Renditen ist.

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