Aktualisiert am 22.07.2008 - 16:36 UhrLesedauer: 2 Minuten

Asien: Abgekühlt statt abgekoppelt

Asien: Abgekühlt statt abgekoppelt
Die Abkopplung Asiens von den USA hat die Aktienmärkte noch nicht erreicht. Wirtschaftlich steht Asien jedoch bestens da

Als die US-Wirtschaft angesichts der heimischen Hypothekenkrise in die Knie ging, schlug die Stunde der Wahrheit für die Anhänger der Abkopplungstheorie. Ihre These: Eine US Rezession würde vor allem in Ostasien weitgehend folgenlos bleiben, da steigende Exporte in andere Länder und eine hohe Binnennachfrage für genügend Widerstandskraft sorgten.
Umso größer war der Schock, als die Aktienmärkte ausgerechnet in dieser Region im Januar weltweit am stärksten einbrachen. „Rein wirtschaftlich haben sich die Volkswirtschaften Asiens zwar durchaus von den USA emanzipiert, die Finanzströme hingegen überhaupt nicht“, sagt Henry Chan, Aktienchef für Asien bei Baring Asset Management. So seien die Aktienmärkte nicht wegen schlechter Fundamentaldaten abgestraft worden, sondern weil den Anlegern die Lust auf risikoreichere Investments vergangen sei, ergänzt er.
So dramatisch, wie die Kurse im Winter in die Tiefe rauschten, stellt sich die Wirtschaftslage Asiens denn auch nicht dar. Bereits im April gab es wieder hohe Zuwächse an einigen Märkten. So legte beispielsweise der MSCI India-Index um 11,1 Prozent zu. Zwar korrigierte die Asian Development Bank die Prognosen für das Wirtschaftswachstum in der Region Asien exklusive Japan für dieses Jahr von 8,2 auf 7,6 Prozent. „Im weltweiten Vergleich ist die Wachstumsdynamik jedoch nach wie vor herausragend“, erläutert John Greenwood, Chefvolkswirt von Invesco.

Anleger müssen weiter mit Kursausschlägen rechnen

Greenwood sieht Asiens Unternehmen generell gut gerüstet für die negativen Impulse aus den USA: „Die Firmen haben aus der Asienkrise gelernt und meiden eine übermäßige Fremdkapitalfinanzierung seitdem wie die Pest.“
Auch sonst bietet die Region diverse Trümpfe: So verfügen die Länder dank beständiger Leistungsbilanzüberschüsse über steigende Devisenreserven. Ein enormer Wachstumsfaktor ist auch die vorwiegend junge Bevölkerung, die mit zunehmendem Wohlstand immer mehr konsumiert. Dementsprechend hält Chan etwa den Konsumsektor für besonders attraktiv.
Als Negativ-Faktor gilt allerdings die hohe Inflation. Sie erreichte etwa in China im Februar angesichts der hohen Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise 8,7 Prozent und kletterte damit auf den höchsten Stand seit elf Jahren.
Dennoch traut Invesco-Mann Greenwood der Region zu, weltweit die Erholung der Aktienmärkte anzuführen, wenn die Subprime- Krise überstanden ist. Bis dahin dürften die starken Kursausschläge Anleger noch eine Weile in Atem halten, meint etwa der Schwellenländer-Spezialist Mark Mobius. Diese starken Schwankungen sollten Investoren zum günstigen Einstieg in die Region nutzen – sofern sie genug Geduld haben, Schwächephasen auszusitzen.

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