Mark Mobius, Chef der Templeton Emerging Markets Group, zollt den politischen Veränderungen in Asien Respekt.

Mark Mobius, Chef der Templeton Emerging Markets Group, zollt den politischen Veränderungen in Asien Respekt.

Asien

Anlegerfantasie dank preisgünstiger Unternehmen und politischer Reformen

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Die asiatischen Wachstumsnationen befinden sich in gesunder Verfassung. Das gilt auch für die Bewertungen ihrer Aktienmärkte. Zu Jahresbeginn billigten Investoren den fernöstlichen Schwellenländern ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,0 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 1,5 zu. Damit verfügte die Region über attraktive Bewertungs-Kennziffern – kam doch der amerikanische Standard and Poor´s 500 Index auf ein KGV von 18,6 und ein KBV von 2,7. Für die weltweiten Aktienmärkte insgesamt (MSCI World) errechneten sich zum Jahreswechsel entsprechende Werte von 17,5 beziehungsweise 2,2.

Günstige KGV´s plus Modernisierungskurs

Asiatische Aktien sind auch gemessen an ihren historischen Durchschnittsbewertungen preiswert. Dieses Argument hat aktuell ein noch größeres Gewicht als in der Vergangenheit. Denn zahlreiche Fernost-Nationen modernisieren derzeit ihre Wirtschaftssysteme. Viele der angegangenen Reformen können als historisch beispiellos bezeichnet werden. Wer in Asien anlegt, hat daher Grund zum Optimismus.

In Japan stützt bereits der gefallene Yen die Exporte, und die geldpolitischen Anreize zeigen Wirkung. Nun leitet der wiedergewählte Premierminister Shinzo Abe die dritte Stufe seiner „Abenomics“ genannten Reformen ein. Diese bezwecken die Modernisierung der Realwirtschaft, beispielsweise im Gesundheitswesen und in der Bauwirtschaft. Befreit der Regierungschef Japan aus seiner jahrzehntelangen Stagnation, dürfte ganz Asien davon profitieren.

Reformen erfassen auch Indien und China

Weitere Beispiele für wirtschaftspolitische Fortschritte: Im bevölkerungsreichen Indien beseitigt der neue Regierungschef Narendra Modi Investitionshürden für ausländische Unternehmen und bürokratische Hemmnisse. Die ausländischen Direktinvestitionen zogen bereits an. In Indonesien wurde im vergangenen Oktober ein Unternehmer zum Regierungschef gewählt, der nun den Abbau der für den Staat sündhaft teuren Benzinsubventionen betreibt.

Auch China setzt seine Reformbestrebungen fort. Die nach den USA zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Erde hat unter anderem angekündigt, seine Ein-Kind-Politik zu lockern, die Produktivität staatlicher Unternehmen zu verbessern, mehr private Investitionen zuzulassen und den Finanzsektor weiter zu öffnen. All dies dürfte nach unserer Meinung das langfristige Wachstumspotenzial Chinas erhöhen und vor allem den Binnenkonsum fördern.

Ausländer bestimmen den Trend

Schwellenländertypische Risiken bestehen natürlich auch. So werden Reformen nicht immer erfolgreich zu Ende gebracht. In diesem Fall könnte der aufkeimende Optimismus der Marktakteure wieder schwinden. Mittelzu- und Abflüsse durch ausländische Investoren stellen für die Emerging Markets stets auch ein grundsätzliches Problem dar. So könnten Anleger aus den Industriestaaten ihre Heimatmärkte stärker berücksichtigen und ihre Engagements in den Emerging Markets entsprechend zurückfahren.

Darüber hinaus sollte auch die innenpolitische Situation in Thailand beobachtet werden. Nach dem dortigen Militärputsch im Mai 2014 ging das Land allerdings schnell wieder zur Tagesordnung über. Insbesondere der thailändische Privatsektor konnte seine geschäftlichen Aktivitäten ungehindert fortsetzen.

Investoren sollten Thailand und die anderen Staaten der südostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft ASEAN grundsätzlich mit Wohlwollen betrachten. Die ASEAN-Staaten umfassen einen 600 Millionen Menschen zählenden Binnenmarkt mit einer geschätzten Wirtschaftsleistung von 2,3 Billionen US-Dollar (2013). Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) wuchs die ASEAN-Region 2014 um 5,5 Prozent.