In welchen Sektoren sehen Sie in Asien besonders stabile Dividenden?
Hammonds: Wir finden interessante Gelegenheiten bei Konsumgütern. Bei Basiskonsumgütern (Consumer Staples), aber ebenso bei zyklischen Konsumgütern (Consumer Discretionary). Dort finden wir einige Unternehmen, die unsere Investmentkriterien treffen. Wir halten einige Finanzunternehmen, Banken und Versicherungsunternehmen. Auch in eine Anzahl von IT-Unternehmen haben wir investiert, die für unterschiedliche Subsektoren stehen: Halbleiterproduktion, Hersteller von Komponenten zum Beispiel für Smartphones oder auch IT-Services. Wir sind also auch innerhalb des Sektors diversifiziert.
Stellen Sie uns mal bitte eine konkrete Investmentidee vor, die Ihnen aktuell besonders spannend erscheint.
Hammonds: Zum Beispiel die Bank Rakyat. Das ist eine indonesische Bank, die sich auf den Mikrofinanzsektor spezialisiert. Also den Teil der indonesischen Bevölkerung, der schlechten Zugang zu Finanz- und Bankdienstleistungen hat. Wir sind auf sie gestoßen, als wir uns eine andere indonesische Bank, die Bank Mandiri, angesehen haben. Beide Banken sind zu Teilen in Staatsbesitz. Aber Mandiri ist sehr viel enger mit der Regierung und Regierungsinitiativen verbunden. Rakyat ist mehr eine private Bank. Sie waren Vorreiter bei der Digitalisierung und in anderen Bereichen und sind von ihrer Eigentümerstruktur her besser aufgestellt. Im vergangenen Jahr gab es makroökonomischen Gegenwind, was sich gewöhnlich stark auf den Mikrofinanzsektor und kleinere Businesses auswirkt. Rakyat hat sich aber auch unter diesen Bedingungen gut geschlagen. Mittlerweile wird es für sie auch wieder einfacher.
Haben Sie noch ein weiteres Beispiel?
Hammonds: Yili, der größte chinesische Produzent von Milch und Milchprodukten. Von ihnen hatten wir schon einige Jahre gehört. Sie sind ganz unabhängig von jeglichen Zollimplikationen. In China konsumieren ungefähr 50 Prozent weniger Menschen Milch oder Milchprodukte als in Japan oder Korea. Wenn die Menschen zunehmend Produkte wie Milch, auch haltbare Milch, Joghurt, Käse oder Eis für sich entdecken, könnten wir hier noch ein starkes Wachstum sehen. Das klingt vielleicht etwas unspektakulär, es ist kein Bereich, an den man als Investor sofort denken würde. Aber es ist für uns ein interessantes Geschäft. Yili ist stark auf den Heimatmarkt ausgerichtet. Es hat dort eine starke Marke und erwirtschaftet hohe Kapitalrenditen.
„Chinas Durchbrüche haben den Markt überrascht“
Welche Rolle spielen Währungsrisiken in Ihrem Portfolio?
Hammonds: Wir sichern das Portfolio nicht gegen Währungsschwankungen ab, also haben wir ein Währungsrisiko. Die Volatilität lokaler Währungen kann die ausgezahlten Dividenden beeinflussen. Aktuell, wo der Dollar so schwach geworden ist, sehen wir allerdings ein großes Vertrauen in lokale asiatische Währungen. Zuletzt wurde es zu einem Vorteil für uns. Wenn wir aber für ein Land ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Stabilität der Währung haben, dann würden wir in Unternehmen dieses Landes nicht investieren.
Das Thema Nachhaltigkeit spielte in der Investmentwelt eine Zeitlang eine große Rolle, doch mittlerweile wenden sich viele große Investoren wieder davon ab. Wie gehen Sie damit um?
Hammonds: Wir sind ein Artikel-8-Fonds nach SFDR. Nachhaltigkeitsfragen sind für uns relevant. Das ist Teil des breiteren nicht finanziellen Analyseprozesses, mit dem wir Firmen screenen. Als wir die Artikel-8-Zuschreibung gewählt haben, haben wir unseren Investmentprozess nicht tiefgreifend verändert. Denn wir hatten auch schon zuvor viele dieser Überlegungen in unseren Investmentprozess einbezogen. Ein Fokus auf Governance ist uns zum Beispiel sehr wichtig. Gerade in Asien ist das etwas, wofür man als Investor sensibilisiert sein sollte.
Warum halten Sie Governance speziell in Asien für wichtig?
Hammonds: Asiens Aufstieg ist teilweise durch die günstigen Kosten von Arbeitskraft gespeist. Wir wollen sicherstellen, dass in den Unternehmen, in die wir investieren, ein Management ist und Strukturen existieren, die mögliche Probleme angehen können. Unsere Returns sollten auf lange Sicht stabil sein. Das bedeutet auch, dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter gut behandeln und gute Beziehungen zu ihren Kunden herstellen. Das ist für uns ein Kernpfeiler von Nachhaltigkeit.
Was macht das Investieren in Asien für einen Portfoliomanager so besonders?
Hammonds: Wir sehen, dass immer mehr Geld in den Markt fließt – und zwar nicht nur als Zwischenstation für den US-Markt. Man hat eine aufsteigende Mittelklasse in Asien, Konsumprodukte bleiben zunehmend dort. Wenn die Verbraucher immer wohlhabender werden, gibt das auch Investoren mehr Möglichkeiten. Außerdem: Es gibt eine gewisse Dysbalance bei den Informationen – gerade im chinesischen Markt.
Sie meinen, es gibt weniger verfügbare Analysen?
Hammonds: Ich denke, es liegt vor allem an der Sprachbarriere. Bei Guinness sind wir in der guten Lage, Spezialisten für China, auch chinesisch sprechende Experten, bei uns zu haben. Viele chinesische Unternehmen, vor allem börsennotierte, reporten nur in Mandarin. Wir haben die Möglichkeit, entsprechende Berichte auszuwerten. Wir haben ein sehr diverses Team. Einer unserer Mitarbeiter fährt jedes Jahr drei Wochen nach China, um Unternehmen zu besuchen. So lässt sich die Stimmung vor Ort erfahren und sehen, wie der Markt die Menschen beeinflusst.
Früher hat man Investmentgelegenheiten vor allem in der westlichen Welt gesucht. Aber jetzt, wo in Asien, speziell China, Menschen zunehmend wohlhabend werden, wird auch der nicht englischsprachige Bereich interessant. Dort sehen wir noch viele Möglichkeiten.
Über den Interviewten:
Mark Hammonds kam 2012 zu der Londoner Fondsgesellschaft Guinness Global Investors und managt dort als Hauptverantwortlicher neben Edmund Harriss den Guinness Asian Equity Income Fund (ISIN: IE00BGHQF631). Zuvor war er für das Beratungs- und Wirtschaftsprüfunternehmen Ernst & Young tätig gewesen.