Im Jahr 2025 ist die ETF-Branche weiterhin gewachsen. ETFs sind insbesondere in Europa und Asien zu einem festen Bestandteil der Portfoliozusammensetzung geworden. Jason Xavier, Leiter EMEA & Asien bei Franklin Templeton ETF Capital Markets, gibt drei Prognosen dazu ab, wie sich die Branche im Jahr 2026 entwickeln könnte.

Jason Xavier, Head of EMEA & Asia,
ETF Capital Markets
Franklin Templeton

Die Rückschau auf 2025 zeigt: ETFs haben sich über die Jahre zu einem festen Bestandteil der Portfolios von Privatanlegern, Beratern und institutionellen Investoren entwickelt. Trotz Marktvolatilität und regulatorischer Herausforderungen ist der europäische ETF-Markt gewachsen und hat die „Stresstest“-Phase hinter sich gelassen. Heute sehen wir ETFs als zentrale Grundlage für modernes und zukunftsorientiertes Investieren.

Bemerkenswert ist, dass diese Entwicklung längst nicht mehr auf die entwickelten Märkte beschränkt bleibt. In Asien hat die Nutzung von ETFs ein Rekordniveau erreicht: Das in der Region verwaltete ETF-Vermögen lag 2025 bei über 2,4 Billionen US-Dollar, unterstützt durch Nettozuflüsse von 600 Milliarden US-Dollar in den vergangenen zwei Jahren (Quelle: Bloomberg, Dezember 2025). Dieser Anstieg ist auf eine wachsende Anlegerbasis, besseren Marktzugang und die zunehmende Akzeptanz von Aktien- wie auch Renten-ETFs zurückzuführen.

Auch in Lateinamerika erlebt die ETF-Nutzung einen starken Aufschwung. Zum Jahresende 2025 belief sich das in der Region verwaltete ETF-Vermögen auf knapp 23 Milliarden US-Dollar. Im Jahresverlauf 2025 flossen Nettomittel in Höhe von 4 Milliarden US-Dollar zu – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den eher stagnierenden zwei Vorjahren (Quelle: Bloomberg, Dezember 2025) und ein klarer Durchbruch für den Markt: Da ETFs immer häufiger nicht nur zum spekulativen Handel, sondern auch für langfristige Portfolioallokationen genutzt werden, gewinnt diese Anlageklasse weltweit immer stärker an Bedeutung.

Wurden ETFs früher vor allem für passives Beta- und Liquiditätsmanagement eingesetzt, dienen sie heute zunehmend dazu, aktive Investmentideen umzusetzen, Risiken flexibel zu steuern und effektivere Ergebnisse zu erzielen.

Für 2026 hängt der Erfolg des globalen ETF-Marktes vor allem davon ab, wie ETFs eingesetzt werden, woher das Wachstum kommt und wie sich die Produkte weiterentwickeln. Darauf aufbauend habe ich meine drei Prognosen für das kommende Jahr formuliert.

Prognose 1: ETFs werden zum Standardinstrument für Vermögensverwalter

Wir gehen davon aus, dass der ETF-Wrapper in 2026 nicht mehr nur als alternatives Vehikel angesehen wird, sondern als primäres Instrument dienen könnte – besonders für Strategien, die auf breite Diversifikation und den Einsatz in Portfolios ausgelegt sind.

Immer mehr Vermögensverwalter entwickeln Strategien, die von Anfang an speziell auf die ETF-Struktur zugeschnitten sind. Ende 2025 machten ETFs bereits 37 Prozent des gesamten Fondsvermögens aus, nach 26 Prozent vor vier Jahren (Quelle: Bloomberg, Dezember 2025). In vielen Fällen treten klassische Investmentfonds damit zunehmend in den Hintergrund und dienen eher als ergänzendes Instrument.

„Klassische Investmentfonds treten zunehmend in den Hintergrund und dienen eher als ergänzendes Instrument.“
Jason Xavier
Head of EMEA & Asia, ETF Capital Markets Franklin Templeton

Zwei Faktoren treiben diesen Wandel voran: Der Vertrieb erfolgt zunehmend über Plattformen, und die Portfolioimplementierung orientiert sich stärker an Markt-Modellen und -ergebnissen – beides begünstigt den Einsatz von ETFs. Das spiegelt sich auch in den Fondsdaten wider: 2025 stieg die Auflegung von ETF-Fonds um 53 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Quelle: Bloomberg, Dezember 2025), während gleichzeitig die Auflegung klassischer Investmentfonds zurückging.

Dieser Wandel ist nicht nur auf niedrigere Gebühren zurückzuführen. Vielmehr zeigt er, dass ETFs heute besser auf die Art und Weise abgestimmt sind, wie Anleger Portfolios aufbauen und verwalten. Sie bieten Transparenz, Liquidität, Flexibilität und vermeiden unnötige Ineffizienzen. Für Anleger bedeutet das eine präzisere Kapitalanlage und ein stabileres langfristiges Engagement.

Die Frage „Sollte diese Strategie ein ETF sein?“ verliert damit an Relevanz. Wichtiger ist heute: „Welche Struktur ist für den Anleger am besten?“ Und zunehmend fällt die Antwort auf den „ETF-Wrapper“.

Prognose 2: Aktive ETFs nehmen Fahrt auf

Aktive ETFs treten in eine entscheidende Phase ihrer Entwicklung ein – die Umsetzung. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass aktive Strategien innerhalb einer ETF-Struktur existieren können. Der Fokus verlagert sich nun auf Skalierbarkeit, Konsistenz und das Verhalten dieser Produkte in verschiedenen Marktumfeldern, da die nächste Welle der Akzeptanz weniger von der Produktneuheit als vielmehr von der wiederholbaren Performance abhängen dürfte.

Wichtige Aspekte dabei sind:

  • Aufbau und Verwaltung des Portfolios bei täglicher Transparenz
  • Umgang mit Liquidität, wenn das verwaltete Vermögen wächst
  • Handelsverhalten in ruhigen wie auch in angespannten Marktphasen
  • Schutz geistigen Eigentums und Maßnahmen der Manager, um sicherzustellen, dass die Strategie trotz täglicher Transparenz effektiv bleibt.

Der ETF-Wrapper ist nicht für jede aktive Strategie geeignet. Für jene Strategien, die gut funktionieren, ist sein Vorteil jedoch deutlich erkennbar: Das in aktiven ETFs verwaltete Vermögen ist seit 2020 von 255 Milliarden auf 1,3 Billionen US-Dollar gestiegen. Zwar übersteigen die Vermögenswerte in aktiven Investmentfonds weiterhin deutlich die ihrer ETF-Pendants, sie wuchsen jedoch nur langsam von 13,1 Billionen US-Dollar im Jahr 2020 auf 14,7 Billionen US-Dollar (Quelle: Bloomberg, Dezember 2025).

Aktive ETFs bieten ein überzeugendes Gleichgewicht zwischen Flexibilität und Struktur: Manager können ihre Überzeugungen umsetzen, während Anleger an den Vorteilen des ETF-Instruments partizipieren. Unserer Ansicht nach werden jene ETF-Manager erfolgreich sein, die klare, konsistente Alpha-Strategien mit robuster Umsetzung und einem durchdachten Handelsdesign kombinieren.

Prognose 3: Asien und Lateinamerika treiben die nächste Phase des ETF-Wachstums voran

Die nächste große Wachstumsphase für ETFs weltweit wird voraussichtlich von Asien und Lateinamerika angestoßen. In diesen Regionen treffen derzeit mehrere günstige Faktoren aufeinander: eine wachsende Zahl inländischer Anleger, eine verbesserte Marktinfrastruktur und eine steigende Nachfrage nach einfachen, transparenten Anlageinstrumenten.

Mit der Vertiefung der lokalen Märkte und dem leichteren Marktzugang werden ETFs zunehmend zum bevorzugten Instrument für diversifizierte Portfolios. Dabei verändert sich auch die Art der Nutzung: ETFs dienen immer öfter langfristigen Anlagen und der Vermögensallokation – nicht mehr nur kurzfristigem Handel. Diese Entwicklung spielt die Stärken der ETF-Struktur voll aus. Es geht also nicht nur um steigende Vermögen, sondern auch darum, dass ETFs eine zunehmend zentrale Rolle in Portfolios übernehmen und ihren Nutzen voll entfalten.

Kurz gesagt: Von 2026 an werden Asien und Lateinamerika aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr als periphere Märkte zu betrachten sein, sondern sie werden zu zentralen Treibern des globalen ETF-Wachstums und der Produktinnovation.

ETFs 2026: Wachstum, Vielseitigkeit und zunehmende strategische Bedeutung

Die Bedeutung der ETF-Branche ist seit langem unbestritten. Heute geht es darum, wie tief ETFs im Markt verankert sind, wie vielseitig sie eingesetzt werden können und welche langfristige Rolle sie in Portfolios spielen. Für 2026 erwarten wir, dass die ETF-Märkte nicht nur weiterhin wachsen, sondern auch an strategischer Bedeutung gewinnen. Wer versteht, wie sich die ETF-Struktur weiterentwickelt, wo die Akzeptanz steigt und wie aktive Strategien optimal eingebunden werden, ist unserer Ansicht nach am besten aufgestellt, um von der nächsten Etappe der globalen ETF-Dynamik zu profitieren.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Diese Unterlage soll ausschließlich allgemeinem Interesse dienen und ist nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Sie stellt auch keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen, Aussagen und Analysen geben die aktuelle Einschätzung zum Erscheinungsdatum (oder in einigen Fällen zu einem bestimmten Datum) wieder und können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Die vorliegenden Informationen stellen keine vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region oder einen Markt dar.