Asiens Börsen: Bodenbildung, aber noch keine Trendwende

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Wieder einmal wurde nichts aus der vielbeschworenen Abkopplung Asiens von den Ereignissen im Westen:  Auch die Wachstumsregion der Welt konnte sich dem globalen Börsengewitter trotz guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nicht entziehen.

Im Gegenteil: Mit einem Minus von über 30 Prozent waren die Länder Asiens, ohne Japan und Australien, wieder einmal in der Spitzengruppe der Verlierer. Die enge Verzahnung der Weltwirtschaft ermöglicht einen breiten, nachhaltigen Börsenaufschwung in Asien offenbar erst bei besseren Vorgaben im Westen.

Allerdings bieten die einzelnen Landesbörsen durchaus unterschiedliche Perspektiven:

Australien (All Ordinaries): Der Aufschwung der Börse Australiens endete bereits Anfang April diesen Jahres. Seitdem führte ein stetiger Rückgang den Index abwärts. Der weltweite Rückschlag im August und September machte sich dabei nicht einmal besonders stark bemerkbar. Inzwischen könnte der Markt seinen Boden gefunden haben, er nähert sicher bereits seiner mittelfristigen Trendlinie – vielleicht einer der ersten Turnaround-Kandidaten?

China (H-Shares): Für viele Anleger mit minus 20 Prozent in zwei Jahren ist der chinesische Aktienmarkt die Enttäuschung schlechthin. Nach einer langen Seitwärtsbewegung ist der Markt kräftig nach unten ausgebrochen. Die Erholung der letzten Tage gibt noch wenig Anlass zu Optimismus.

Hong Kong (Hang Seng): Zweifelsohne, der Markt ist stark angeschlagen. Die Entwicklung führte bereits seit November 2010 in regelmäßigen Schritten abwärts, bevor die Ereignisse im August/September den Index mit voller Wucht trafen. Bestätigen sich die Befürchtungen über ein Abgleiten der Weltwirtschaft in eine erneute Rezession, wäre Hong Kong und dessen Börse als internationaler Handels- und Produktionsstandort wohl mit am stärksten betroffen.

Indien (BSE-Sensex): Elf Monate währt der Abwärtstrend an der Börse inzwischen. Die jüngste Erholung führte den Markt wieder an seine Trendlinie heran, doch es warten starke technische Widerstände. Daher erscheint es fraglich, ob der Markt schon jetzt die Kraft für einen neuen Aufschwung findet.

Indonesien (Jakarta Composite): Indonesien war einer der Highflyer der vergangen zwei Jahre, ehe der Crash die Anleger jäh aus ihren Träumen riss. Noch sucht der Markt eine neue Kursbalance.  Doch Indonesiens geringe Verknüpfung mit der Weltwirtschaft gibt der Börse durchaus das Potenzial, in absehbarer Zeit neue Höhen zu erklimmen.

Japan
(Nikkei): Die jüngsten Rückschläge trafen Japans Börse vergleichsweise glimpflich. Dies ändert nichts an der schlechten Verfassung des Marktes. Der Abwärtstrend dauert nun schon seit April 2010 an, und positive Signale sind kaum zu vermelden – außer vielleicht die Tatsache, dass es nicht mehr viele neue Ereignisse geben kann, die die Anleger noch schrecken könnten.

Korea
(Seoul Composite): In kaum einem Markt waren die Ausschläge in den vergangenen Monaten stärker als an Koreas Börse. Gleiches gilt für die Landeswährung Won. Beides verdeutlicht die große Unsicherheit der Anleger über die Auswirkungen der jüngsten Weltfinanzkrise für das exportabhängige Land. Fazit: Eine Anlage dürfte derzeit eher für risikobereite Spekulanten als für vorsichtige Privatanleger in Frage kommen.

Taiwan (Taiwan Weighted): Der Rückschlag war heftig und die bisherige Erholung nur zaghaft. Taiwans Börse macht nicht den Eindruck, als ob die Anleger schon wieder Mut fassen würden. Im Moment neigt sie eher dazu, unterdurchschnittlich abzuschneiden.
Zum Autor: Ekkehard Wiek ist Asien-Fonds-Manager und Geschäftsführer der W&M Wealth Managers (Asia) Pte. Ltd. in Singapur sowie Beirat der Asia4Europe Investment GmbH in Ettlingen und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de.

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