So offensiv äußert man sich wahrscheinlich nur, wenn man sich seiner Sache sicher ist: Die Rede ist von Jörg Asmussen und seinen Aussagen zu einer Weiterbeschäftigung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) als Hauptgeschäftsführer. Er wolle über das Ende seines Vertrags am 31. März 2025 hinaus für den Verband weiterarbeiten. Die Modernisierung des GDV sei noch nicht abgeschlossen, es gebe viel zu tun. Es war Asmussens Antwort auf eine Journalistenfrage bei der Jahresmedienkonferenz des GDV vergangene Woche.
Vertragsverlängerung nur noch Formsache
Da half auch der formale Hinweis von GDV-Präsident Norbert Rollinger nicht mehr, sich zu Personalien bis zur nächsten Präsidiumssitzung am 1. Februar nicht äußern zu wollen. Dass die Entscheidung über die Zukunft des 57-jährigen Strippenziehers Asmussen an diesem Donnerstag auf der Agenda steht, war schon vorher bekannt, dass die Entscheidung über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit nur noch Formsache ist, nicht. Dass eine Vertragsverlängerung tatsächlich auf der Tagesordnung steht, bestätigte Rollinger gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ). Der GDV-Präsident, der auch Chef der Wiesbadener R+V-Versicherung ist, sagte: „Es gibt keinerlei Zweifel daran, dass Herr Asmussen und ich sehr gut zusammenarbeiten.“
Große Versicherer schätzen Asmussen, kleinere eher nicht
Damit reagierte Rollinger auch auf Branchengerüchte, nach denen das Verhältnis zwischen den beiden Top-Managern angespannt sein soll. Asmussen selbst hatte Spekulationen über einen Abgang laut des SZ-Berichts befeuert. Er habe im kleinen Kreis Zweifel an dem Job angemeldet, wie Versicherungsmanager glaubwürdig berichtet hätten. Er habe keine Lust mehr und werde nicht länger bleiben, wird er zitiert. Das Verhältnis zu Rollinger sei schwierig, zudem gebe es wachsende Spannungen zwischen großen und kleinen Versicherern im Verband. Während die Chefs von Allianz, Munich Re und Generali Asmussen laut SZ mögen, fremdelten andere Versicherungsmanager mit ihm.
Das jedoch scheint Schnee von gestern zu sein. „Wenn mir das Präsidium einen Anschlussvertrag anbietet, werde ich ihn mit Freude annehmen“, sagte Asmussen der SZ. Bei der Modernisierung des Verbandes sei man erst auf halber Strecke. Diese Sicht bestätigte laut des Beitrags auch Rollinger.
Personal- und Kulturwandel im Verband durchgesetzt
Diskutiert wird über Asmussen und seine Rolle bereits mit seinem Jobantritt im Jahr 2020. Seitdem hat er den Verband fraglos gehörig durcheinandergewirbelt. Der ehemalige Staatssekretär im Bundesfinanz- wie Arbeitsministerium hat die erste Etage des Verbandes fast vollständig ausgetauscht und sich eine neue Mannschaft geholt, darunter auch branchenfremde Funktionäre. Insgesamt beschäftigt der GDV rund 200 Mitarbeiter.
Neuer Geschäftsführer soll von der Allianz kommen
Als auf seine Veranlassung hin der Vertrag mit dem Geschäftsführer und Lebensversicherungsexperten Peter Schwark 2023 nicht verlängert wurde, gab es großen Unmut. Der medienaffine Asmussen tritt seitdem noch mehr in der Öffentlichkeit auf, was offenbar nicht jedem GDV-Mitglied schmeckt. Laut SZ habe ein Versicherer den Finanzexperten als „Universalgenie Asmussen“ verspottet. Nun soll der erst 31-jährige Moritz Schumann, bisher Versicherungsmathematiker bei der Allianz, neuer Geschäftsführer werden. Er soll im politischen Berlin die Nachfolge Schwarks als Branchenexperte für die private Altersvorsorge antreten. Auch darüber will das GDV-Präsidium am Donnerstag beraten, so die SZ.
Social-Media-Aktivitäten geben Anlass zur Kritik
Asmussen hat all die Diskussionen über seine Person bisher schadlos überstanden. So auch einen missglückten Tweet auf der Nachrichtenplattform „X“ (früher Twitter) im Februar 2022 aus Anlass des Kriegsbeginns in der Ukraine. Statt diesen zu verurteilen, ging er in einem Statement allein auf die vermeintlich geringen direkten wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges auf deutsche Versicherer ein, die kaum in der Ukraine und in Russland engagiert seien. Der GDV verbreitete diese Aussagen als Stellungnahme von Asmussen. Nach Reaktionen wie „Beschämend unempathischer Tweet“ entschuldigte sich Asmussen öffentlich.
An seiner Attitüde, bei Social Media so ziemlich jedes für den Verband vermeintlich relevante Thema zu kommentieren, hat sich nichts geändert. Asmussen kommt bei „X“ auf mittlerweile über 4.700 Posts. Gerne teilt er dabei auch Inhalte von Finanzminister Christian Lindner. Zugleich präsentiert sich der GDV-Hauptgeschäftsführer als „Wahlberliner, Radfahrer, Europäer oder Urban Gardener“, was wohl so viel wie Hobbygärtner in der Großstadt bedeuten soll. Schon in seiner politischen Karriere galt der „Star-Ökonom“ vielen als zu selbstbewusst.
Verband modernisiert und Zukunftsthemen platziert
Auf der Habenseite stehen Erfolge, die Asmussen für sich verbuchen kann: Der einstige Ministerialbeamte, der unter SPD- wie CDU-Chefs Karriere machte, als Merkels Krisenmanager in der Bankenkrise 2008 galt und später Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank war, ist im Politikbetrieb bestens vernetzt. Er hat dem Verband einen moderneren Anstrich verpasst, Nachhaltigkeit zu einem zentralen Thema auserkoren und die Interessenpolitik der Lobbymacht GDV statt in Hinterzimmern stärker im öffentlichen Raum platziert.
Auch wenn das öffentliche Ansehen der Branche weiterhin schlecht ist und die Versicherer laut SZ-Bericht mit den Berliner Parteien bei Themen wie Riester-Rente oder Provisionszahlungen in der Lebensversicherung im Dauerstreit liegen, scheint Asmussens Standing außerhalb der Mitgliedsunternehmen durchaus positiv zu sein. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von DAS INVESTMENT.

