Asoka Wöhrmann, Co-Investmentchef Deutsche Asset & Wealth Management

Asoka Wöhrmann, Co-Investmentchef Deutsche Asset & Wealth Management

Asoka Wöhrmann

„Es besteht Ansteckungsgefahr bei den Schwellenländern“

Die unruhige Lage an den internationalen Finanzmärkten wurde vor allem durch drei Ereignisse ausgelöst. Den Einstieg in den Ausstieg aus der überexpansiven Geldpolitik der amerikanischen Notenbank (Tapering), schwächer als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus China und einzelne Nachrichten aus Argentinien, Venezuela, der Ukraine und der Türkei.

Auch die Reaktionen der Zentralbanken der Türkei und Südafrikas haben nicht die erwünschte Entspannung gebracht. Die nun ausgeführte Reduzierung der Anleihekäufe der USA um weitere 10 Milliarden US-Dollar monatlich sowie schwächere Daten aus den USA haben zusätzlich für Unsicherheit gesorgt.

Die Entwicklung ist derzeit weniger von Fundamentaldaten getrieben, als von der Sorge vor einer starken Korrektur und einer Ansteckung anderer Staaten. In den meisten Emerging Markets zeichnen die Konjunkturdaten, wie zum Beispiel die Einkaufsmanagerindizes, derzeit weiterhin ein eher positives Bild.

Dies gilt auch für die entwickelten Volkswirtschaften. Zwar wird sich das Wachstum in einigen Schwellenländern verlangsamen und die Entwicklung muss genau verfolgt werden, wir bleiben aber grundsätzlich optimistisch.

Nur ein kleiner Teil des Emerging-Markets-Universums ist problematisch

Die Länder, die mit ihren Problemen derzeit für Schlagzeilen sorgen wie Venezuela, Argentinien, die Türkei oder die Ukraine, machen nur einen kleinen Teil des Emerging-Markets-Universums aus.

In China sollte die Regierung verhindern können, dass das Wirtschaftswachstum unter 7 Prozent fällt. Die Erwartungen für Brasilien waren zuletzt nicht sehr hoch. Das Land hat genug Fremdwährungsreserven, um den Real zu verteidigen. In Indonesien sorgt sogar die Inlandsnachfrage für einen Anstieg der Einkaufsmanagerindizes.

Grundsätzlich gilt: Solange die USA und das Vereinigte Königreich sich weiter gut entwickeln und Europa sich wie bislang gesehen stabilisiert, sollten die Folgen der Schwellenländerschwäche limitiert sein.

Allerdings kann es bei Unternehmen, die stark in diesen Ländern engagiert sind, zu einem Rückgang der Gewinne kommen. Deshalb haben wir auch unsere Einschätzung für deutsche Aktien und den Industrie-Sektor auf neutral zurückgenommen.

Es besteht eine gewisse Ansteckungsgefahr

Für einzelne Bereiche besteht zudem eine gewisse Ansteckungsgefahr über die Asset-Preise. So könnte etwa eine Verschlechterung der Situation in Brasilien die spanischen Banken belasten, weitere Unruhen in der Türkei könnten auf die griechischen Banken drücken.

Ebenfalls negativ wäre ein starker Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen. Taktisch halten wir uns derzeit zurück.

Vor allem aufgrund der Taperingdiskussion könnte die Situation für diejenigen Länder schwieriger werden, die auf Außenfinanzierung angewiesen sind. Die richtige Anlageauswahl ist entscheidend – nicht nur unter den Ländern sondern auch über die Assetklassen hinweg.

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