Asoka Wöhrmann, Chef-Anlagestratege der DWS

Asoka Wöhrmann, Chef-Anlagestratege der DWS

Asoka Wöhrmann: „Wenn erst alles geklärt ist, steht der Dax bei 10.000 Punkten“

Sind Aktien bereits zu teuer? Dieses Gefühl könne nur bekommen, wer sich die Aktien-Rally der vergangenen eineinhalb Jahre anschaut, so Asoka Wöhrmann, Chef-Stratege der DWS, im Interview mit dem „Handelsblatt“. In jener Rally schwang sich der Dax im Herbst 2011 von einem Stand von 5.000 Punkten auf und kletterte bis heute auf über 7.600 Zähler.

Ein Blick auf die Bewertungen führe jedoch zu einem anderen Schluss. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 bei einem historischen Durchschnitt von gut 14 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund eins bei einem fast doppelt so hohem Mittel: Das spreche für günstige Preise für deutsche Aktien, so Wöhrmann.

"Jetzt gilt es, Perlen herauszusuchen"

Seinen Optimismus zieht er nicht zuletzt aus der Erwartung, dass sich Europa seiner „systemischen Risiken“ entledigt habe und Aktien von Investoren langsam wieder rational bewertet werden. Und auch wenn oder gerade weil die Schuldenkrise noch nicht gelöst sei, sollten sich Anleger mit einem Einstieg nicht zu viel Zeit lassen: „Wenn Sie den Wert der Firmen sehen, müssen Sie jetzt zugreifen. Wenn erst alles geklärt ist, steht der Dax bei 10.000 Punkten – dann ist es zu spät.“

Auch für die Aktienbörsen der restlichen Euroländer ist Wöhrmann positiv gestimmt. „Der europäische Markt als Ganzes hat sich aber schon deutlich erholt. Jetzt gilt es, Perlen herauszusuchen.“ Solche Perlen finde man unter den deutschen Autowerten, zum Beispiel VW. Global gesehen hält Wöhrmann Wachstumsaktien für attraktiv. Nach dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 seien die KGVs kontinuierlich gesunken. Aktuell befänden sich Titel aus dem Technologiesektor am unteren Ende der Bewertungsspanne.

Und wo gibt es spannende Anleihen? Wöhrmann wird konkret: „Wenn Spanien unter den Rettungsschirm gehen muss, wird es Kursschwankungen geben. Dann würde ich kaufen.“ Des Weiteren mag er so genannte Covered Bonds. Die Hypotheken, mit denen die Anleihen besichert sind, decken aktuell deutlich mehr ab als den Nominalbetrag der Anleihen. Solche Papiere werfen bis zu 3,5 Prozent mehr Rendite ab als deutsche Staatsanleihen.   

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