Assekurata-Prognose „Zinszusatzreserve verdoppelt sich bis 2030“

Das Zinsniveau am Kapitalmarkt hat im Verlauf des vorigen Jahres neue Tiefpunkte erreicht, berichtet die Kölner Ratingagentur Assekurata in ihrer aktuellen Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien von Lebensversicherern. In der Folge sank demnach auch der Referenzzins, der den brancheneinheitlichen Maßstab für die Dotierung der Zinszusatzreserve (ZZR) darstellt: Im vergangenen Jahr ging er um 0,17 Prozentpunkte auf 1,92 Prozent zurück.

„Damit befinden sich alle Tarifgenerationen mit einem Garantiezins von 2,25 Prozent und höher in der Nachreservierung“, erläutert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. „Über alle Studienteilnehmer betrifft dies fast 80 Prozent der Bestände.“ Zwischen den untersuchten Lebensversicherern gebe es allerdings große strukturelle Unterschiede. Die Bestandsverteilung der Branche will Heermann mithilfe folgender Abbildung deutlich machen:

Entwicklung der Höchstrechnungszinsen
und Anteile an der Deckungsrückstellung

Anmerkung: Rechnerische Differenz zu 100 Prozent ergibt sich aus den RZ-Positionen 0,00 Prozent und „Sonstige“ >>Vergrößern! Grafik: ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH

Die Grafik zeigt die langjährige Entwicklung des Höchstrechnungszinses, der traditionell mit dem Garantiezins in kapitalbildenden Lebensversicherungsverträgen übereinstimmt. Darüber hinaus ist der Anteil der entsprechenden Zinsgenerationen an den bilanziellen Leistungsverpflichtungen (Anteile an der Deckungsrückstellung) abgetragen. Der orangefarbene Anteil soll die von der ZZR betroffenen Bestände (Rechnungszinsgenerationen) optisch hervorheben.

Referenzzins sinkt schneller als erhofft

Im Vorjahr sank der Referenzzins lediglich um 0,12 Prozentpunkte. Grund dafür war die neue Methode beim Ermitteln des ZZR-Bedarfs. „Eine wesentliche Motivation für die Korridormethode war es, sprunghafte ZZR-Anstiege in einzelnen Jahren zu verhindern und den Reserveaufbau langfristig zu glätten“, erklärt Heermann. „Methodisch funktioniert dies auch, allerdings hat der neuerliche Zinsverfall an den Kapitalmärkten den Zuführungsbedarf wieder deutlich erhöht.“

So ermittelte Assekurata aus den Studiendaten, dass die Lebensversicherer 2019 der ZZR insgesamt 9,5 Milliarden Euro zugeführt haben. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 6 Milliarden Euro. „Um diese Zuführung zu stemmen, mussten die Versicherer zusätzlich etwa 1 Prozent Nettorendite erwirtschaften, was im aktuellen Zinsumfeld keine Selbstverständlichkeit ist“, kommentiert Heermann. Auch für die nächsten zwei Jahre erwarte er ZZR-Zuführungen in ähnlicher Höhe.

Insgesamt hat die Branche seit Einführung der ZZR 2011 einen Reservebestand von 75 Milliarden Euro angehäuft. Dieser führt dazu, dass die Zinsanforderungen in den Beständen bereits deutlich gesunken sind.

Während sich der nominelle Garantiezins der Unternehmen Ende 2019 auf durchschnittlich 2,73 Prozent beläuft, ist die wirtschaftliche Anforderung deutlich geringer. Unter Berücksichtigung der ZZR liegt sie bei durchschnittlich 1,77 Prozent. „Hier zeigt sich der positive Effekt der Zinszusatzreserve auf die Bestände“, kommentiert Assekurata-Chefanalyst Heermann die Ergebnisse der aktuell veröffentlichten Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2020.

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