in SachversicherungLesedauer: 4 Minuten

Marktausblick von Assekurata Druck auf Schaden- und Unfallversicherer wächst

Zerstörtes Auto nach einem Sturmschaden
Elementarschäden waren 2023 nicht auf dem Niveau der Vorjahre. Ein Anstieg hier könnte die stark belasteten Anbieter hart treffen. | Foto: Mike B / Pexels

Die Rating-Agentur Assekurata prognostiziert den Schaden- und Unfallversicherern mittelfristig schwere Zeiten. Besonders kritisch sei die Lage in der Kfz-Versicherung. Sie belaste die gesamte Sparte in den kommenden Jahren und limitiere die Margen. Diese Entwicklungen werde sich auch auf die Bonität der Produktgeber auswirken. Dies geht aus dem aktuellen „Marktausblick Schaden-/Unfallversicherung“ hervor.

Margen in den kommenden Jahren bedroht

Vor allem die fortschreitende Inflation und das anhaltend schwache konjunkturelle Umfeld bleiben laut Assekurata auch 2024 weiterhin bedeutende Einflussfaktoren für die Geschäftsentwicklung der deutschen Schaden-/Unfallversicherer. „Die Inflation wird die Schadenkosten unabhängig von der Schadenhäufigkeit weiter in die Höhe treiben.“

Reichen die Beitragsanpassungen?

Daher müssten im laufenden Jahr branchenweit deutliche Prämienanpassungen erfolgen. Gerade die Anpassungen in der Kraftfahrtversicherung seien bisher weit unter den wirtschaftlich notwendigen Maßnahmen geblieben. Doch insbesondere Versicherer mit einem hohen Kfz-Anteil im Portfolio könnten die hohen Verluste nicht länger hinnehmen und müssten die Prämien entsprechend anpassen. „Die Branche scheint dies nun verstanden zu haben“, sagt Reiner Will, Geschäftsführender Gesellschafter von Assekurata.

Unter der Annahme deutlicher Prämienanpassungen könnte die Kfz-Versicherung bis zu den Jahren 2026 oder 2027 wieder in die Gewinnzone zurückkehren und damit auch die Ergebnissituation der gesamten Branche verbessern, so die Kölner Analysten. Doch gleichzeitig verhindere der Wettbewerbsdruck in der Kraftfahrtversicherung eine schnellere Erholung der Sparte, so Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden-/Unfallversicherung der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur.

 

Wohngebäudeversicherung profitiert von Automatismus

Stark steigende Prämien erwartet das Analysehaus in der Wohngebäudeversicherung. „Obwohl der Anpassungsfaktor mit 7,4 Prozent deutlich unter dem Vorjahreswert von 14,7 Prozent liegt, steigen die Prämien im aktuellen Jahr damit erneut deutlich überdurchschnittlich“, so Will. In diesem Produktzweig mit ihrem automatischen Anpassungsmechanismus werde die gestiegene Schadenlast deutlich schneller an den Kunden weitergegeben.

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Versicherungstechnischer Gewinn rückläufig

Im vergangenen Jahr reichte es trotz aller Belastungen erneut für einen versicherungstechnischen Gewinn von rund 1,5 Milliarden Euro, der jedoch im Vergleich zum Vorjahr merklich niedriger ausfiel. Dabei profitierten die Versicherer laut Assekurata von einer durchschnittlichen Elementarschadenbelastung, während inflationsbedingt stark steigende Schadenaufwendungen ihre Spuren in den Bilanzen hinterließen. Insgesamt setzte die Branche ihren Wachstumskurs fort und steigerte die Einnahmen mit 6,7 Prozent deutlicher als im langjährigen Durchschnitt von 3,2 Prozent.

„Zusätzlich konnten die Versicherer auf gut gefüllte Schwankungsrückstellungen zurückgreifen, insbesondere in den stark belasteten Zweigen, was ihre Ertragssituation zusätzlich unterstützte. Diese Mittel sind jedoch endlich und fehlen den Versicherern zudem als bonitätsfördernde Finanzmittel“, so der Studienautor weiter.

Vertragswachstum nur schwach

Im Vergleich zum Beitragswachstum sei das Vertragswachstum der Branche 2023 schwach ausgefallen. „Das konjunkturelle Umfeld mit seinen Unsicherheiten hat in den Privathaushalten zu einer gewissen Kaufzurückhaltung geführt. Insbesondere die Zahl der Kfz-Neuzulassungen und Besitzumschreibungen blieb auf niedrigem Niveau“, sagt Wittkamp.

In der Folge sei der Vertragsbestand nur um 0,8 Prozent gestiegen und somit deutlich geringer, als anhand des langjährigen Trends von etwa 1,3 Prozent zu erwarten gewesen wäre. Die wirtschaftliche Situation der deutschen Schaden-/Unfallversicherer verdeutliche auch der „Ertrags- und Wachstumsindikator“, eine kombinierte Betrachtung von Ertrag und Wachstum. Darin wird die Combined Ratio vor Rückversicherung als branchengängige Ertragskennzahl in Relation zur Zuwachsrate der gebuchten Bruttobeiträge gesetzt (siehe Grafik).

Die Größe der Datenpunkte spiegelt die Bestandsanteile der einzelnen Zweige auf Branchenebene wider.

Kfz-Sparte ein vitaler Verlustbringer

2023 konnten sich mit Ausnahme der Kraftfahrtversicherung alle Versicherungszweige als Ertragsträger (oberer Bereich der Grafik) positionieren. Die Kraftfahrtversicherung hingegen fällt in die Kategorie der sogenannten „vitalen Verlustbringer“, wie Assekurata angibt. Dabei handelt es sich um Zweige, die eine Combined Ratio über 100 Prozent aufweisen und gleichzeitig einen Anstieg der Beiträge verzeichnen (rechter Bereich). Insgesamt ergibt sich dadurch eine Combined Ratio für den Gesamtmarkt von 98 Prozent.

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