Assenagon-Chefökonom Martin Hüfner Credit Spreads als Rezessionsindikator

Blickt wenig hoffnungsvoll auf Europas Wirtschaft: Martin Hüffner, Chefvolkswirt bei Assenagon | © Assenagon

Blickt wenig hoffnungsvoll auf Europas Wirtschaft: Martin Hüffner, Chefvolkswirt bei Assenagon Foto: Assenagon

In Europa ist die Rezessionsgefahr größer als in den USA. Die Prognosen für 2019 werden herunterrevidiert werden müssen.

Nichts ist für einen Volkswirt schwerer, als eine Rezession vorherzusagen. Es gibt zwar einige notorische Pessimisten (wie etwa Nouriel Roubini in den USA), die hinter jeder Ecke einen Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Aktivität wittern. Von den letzten fünf Rezessionen haben sie mindestens zehn prognostiziert. Aber die Mehrheit der Analysten ist nur gut bei der Bestimmung von Sonnenscheinphasen. Ich er­innere mich nicht, dass beispielsweise der Internationale Währungsfonds je eine Rezession vorhergesagt hat.

Indikator springt auf rot

Umso mehr war ich gespannt, als mir ein Kollege dieser Tage einen Chart von einem neuen Rezessionsindikator schickte. Er war im Bloomberg-Nachrichtendienst unter der etwas reißerischen Überschrift "A US Recession Indicator flashes red" erschienen (Ein US-Rezessionsindikator springt auf rot). Ich war sicher nicht der einzige, der sich darauf stürzte.

Es handelt sich dabei um einen Indikator, der sich aus den Credit Spreads am Kapitalmarkt ableitet. Sein Erfinder ist James W. Paulsen von der Research Group Leuthold aus Minnesota im Mittleren Westen der USA. Paulsen hatte ei­nen Zusammenhang beobachtet zwischen der Konjunktur und dem Zins-Spread von Anleihen aus dem untersten In­vestmentgrade-Bereich (Baa von Moody's) gegenüber 10-jährigen US-Staatsanleihen. Immer dann, wenn diese Dif­ferenz auf 2 Prozent und darüber stieg, fiel die Gesamtwirtschaft in eine Rezession.

Diesen Zusammenhang weist Paulsen für die letzten 50 Jahre in den USA nach. Sechs der sieben Rezession in dieser Zeit lassen sich damit bestimmen. Nur ein Einbruch fiel aus dem Rahmen (1985). Dieser war aber sehr speziell, weil er im Wesentlichen auf währungspolitischen Verwer­fungen beruhte. Seit Februar dieses Jahres geht der Spread nun deutlich nach oben. Er hat vor ein paar Tagen die 2-Prozent-Grenze erreicht. Alles spricht dafür, dass er weiter steigt. Das ist für Paulsen zwar noch keine Rezession, wohl aber ein Cautionary Signal.

Ich kannte den Indikator bisher nicht, finde ihn aber inte­ressant. Er hat eine Reihe von Vorzügen. Einer ist, dass er praktisch täglich verfügbar ist. Man muss also nicht ewig auf monatliche Ergebnisse warten (die dann auch noch korrigiert werden). Ein anderer ist, dass man nicht auf Umfragen wie zum Beispiel bei Einkaufsmanager- oder Klimaindizes angewiesen ist. Damit vermeidet man viele Fehler, die bei Umfragen etwa durch Stimmungen entstehen können. Aller­dings sind auch die Kapitalmärkte derzeit wegen der lange Zeit ultralockerer Geldpolitik nicht sauber. Man muss also auch hier aufpassen.