Themen
TopThemen
Fonds
Fondsvergleich Märkte Finanzberatung
Versicherungen
Boulevard
Experten
Denker der Wirtschaft
Krypto
Services
Academy Newsletter Veranstaltungskalender
Einkaufszentrum. Statt auf den Export zu setzen, solle Deutschland sich zukünftig auf seine Binnenwirtschaft konzentrieren, rät Ökonom Martin Hüfner. | © Rainer Sturm/<a target=„_blank“ href=„https://www.pixelio.de/“;>Pixelio.de</a>

Assenagon-Chefökonom Martin Hüfner

„Deutschland soll sein Wachstum auf die Binnenwirtschaft verlagern“

//
Martin Hüfner

Über 70 Jahre haben wir alles richtig gemacht. Der Welthandel ist überdurchschnittlich gewachsen. Deutsch­land hat sich vor allem auf den Export fokussiert. Es war also genau da, wo die Musik spielte. So kam es zuerst zu dem legendären Wirtschaftswunder. Später konnten wir uns immer auf den Export verlassen, wenn es irgendwo Proble­me gab. Er schuf Einkommen und Beschäftigung, die dann Konsum und Investitionen anschoben.

Mit einem Mal ist diese Bonanza vorbei. Der Welthandel wächst nicht mehr überdurchschnittlich. Er expandiert bes­tenfalls so schnell wie die Weltproduktion. Viele führen das auf die protektionistische Politik des amerikanischen Präsi­denten zurück, die vielleicht einmal wieder vorbeigeht. Das ist aber nicht richtig. Die Zunahme des Welthandels hat sich schon zu Beginn dieses Jahrzehnts nach der großen Fi­nanzkrise verlangsamt. Die Trump'schen Zölle haben diese Tendenzen nur verstärkt.

Das  Bruttoinlandsprodukt im Vergleich

Quelle: IWF/Hüfner

Wenn der Welthandel stockt, befindet sich Deutschland auf der falschen Seite der Straße. Es ist wie ein Unternehmen, dem der Markt wegbricht. Es muss sich eine neue Fokus­sierung suchen.

Symptomatisch ist die Entwicklung der Leistungsbilanz. Ihr Überschuss ist plötzlich nicht mehr Ausweis wirtschaftlichen Erfolges. Er zeigt im Gegenteil, dass Deutschland nicht mehr die richtige Wachstumsstrategie hat. Es steht damit nicht allein. Auch andere Länder wurden auf dem falschen Fuß erwischt, nicht zuletzt China. Einige Länder reagierten relativ schnell auf die veränderte Situation. China beispiels­weise begann schon in der großen Finanzkrise 2008, sei­nen Überschuss zu verringern. In der Spitze hatte dieser fast 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen (2007). Heute liegt er kaum über null (siehe Grafik). Das Wirtschaftswachstum wird dort jetzt zu großen Teilen vom Konsum und von den Investitionen getragen.

Deutschland tut sich mit der Anpassung an die neuen Realitäten immer noch schwer. Der Leistungsbilanzüberschuss steigt zwar nicht mehr an. Er bleibt aber hoch. Im vergange­nen Jahr betrug er noch 245 Milliarden Euro. In diesem Um­fang lieferte die Bundesrepublik mehr Waren und Dienste ins Ausland, als es von diesem erhielt. Das sind 7,5 Prozent des BIPs. In diesem Umfang hätten die Deutschen im Inland mehr investieren und konsumieren können.

nach oben