Assenagon-Chefökonom Martin Hüfner Warum in absehbarer Zeit keine Rezession droht

Martin Hüfner

Amerikanische Volkswirte stellen die Welt häufig etwas bunter und phantasievoller dar als Deutsche. Ein guter Kollege von mir aus Washington D.C., Phil Suttle, beschrieb die Konjunktur kürzlich in Form eines Krimis. Die frühere Chefin der Federal Reserve Janet Yellen, so sein Aufhänger, hatte in den letzten Jahren häufiger gesagt: „Expansions don't die of old age“ (Aufschwünge sterben nicht an Altersschwäche). Dieser Satz ist ein Zitat des berühmten Wirtschaftswissenschaftlers Rüdiger Dornbusch. Es hatte in der Originalversion aber noch einen zweiten Teil (den Janet Yellen tunlichst nicht erwähnte): „… they are always murdered by the Fed“ (sie werden immer von der Fed ermordet). Das passte natürlich nicht in Frau Yellens Konzept.

Der Mörder ist also bekannt. Aber wann schlägt er zu? Phil Suttle kommt nach einer Untersuchung der bisherigen Rezessionen zu dem Ergebnis, dass der nächste Konjunktureinbruch in den Vereinigten Staaten frühestens im März 2021 eintreten sollte. Das ist noch weit weg.

Zeit für einen Abschwung?

Index der Leading Indicators, USA

Hüfner/Fred 

Umso erstaunlicher ist es, dass man in letzter Zeit immer wieder Äußerungen hört wie: „Wenn die jetzt gute Konjunktur einmal zu Ende geht ...“. Offenbar macht man sich am Markt zunehmend Gedanken darüber, dass eine Abschwächung kommen könnte. Ist das wirklich etwas, mit dem man sich beschäftigen muss?

Auf den ersten Blick nein. Die Konjunktur läuft. Die Prognosen wurden bis zuletzt nach oben revidiert. Die Fiskalpolitik ist so expansiv wie schon lange nicht mehr. Es gibt allerdings auch jede Menge Risiken, wenn man nicht nur monokausal auf die Geldpolitik schaut. Ich will hier einmal einige aufzählen.

Eines ist zum Beispiel ein Einbruch im Welthandel. Bisher wurde viel über protektionistische Maßnahmen geredet. Es geschah aber glücklicherweise wenig. Jetzt drohen die Amerikaner, die Einfuhr von Stahl und Aluminium zu beschränken. China und Europa bereiten Gegenmaßnahmen vor. Auch in der Nafta und im China-Handel der USA gibt es Probleme. So etwas kann leicht eskalieren.