Assenagon-Chefökonom Martin Hüfner „Zölle verursachen keinen Big Bang, haben aber langfristige Folgen“

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Hinzu kommt, dass sich das Produktivitätswachstum verlangsamt. Die Produktionsverflechtung zwischen den Unternehmen ist in den letzten Jahren außerordentlich schnell gewachsen. Manche Produkte werden im Verlauf des Produktionsprozesses mehrfach über die Grenzen hin und her transportiert. Das erhöht die Produktivität. Es muss jetzt wegen der Zölle zurückgefahren werden. Das trifft die USA wegen der Einbindung in den NAFTA-Raum stärker als Europa, das an den hiesigen Produktionsketten nichts ändern muss.

Gravierend sind ferner die Wirkungen auf einzelne Unternehmen. Der Automobilkonzern Daimler beispielsweise hat jetzt wegen der protektionistischen Belastungen eine Gewinnwarnung herausgegeben. Hier spielen aber auch die Dieselaffäre und andere strukturelle Probleme in dem Sektor eine Rolle. Man darf nicht alle Schuld dem Protektionismus in die Schuhe schieben.

Inflation: Auch hier dürften sich die Auswirkungen gesamtwirtschaftlich gesehen in engen Grenzen halten. Nach ökonometrischen Modellen ist der Effekt geringer als ein Zehntel Prozentpunkt. Für den einzelnen Bürger kann das allerdings schon spürbar sein. Wer Whiskey trinkt, wird es nicht mögen, wenn dieser durch den Handelskrieg teurer wird.

Umlenkung von Handelsströmen: Längerfristig werden die Zölle zu einer Verschiebung der Handelsströme führen. Exporte und Importe zwischen Ländern, die nach wie vor frei sind von zusätzlichen Beschränkungen, werden zunehmen. Die anderen werden abnehmen. Allerdings geht diese Verlagerung nicht so schnell. Die Grafik zeigt, dass die deutschen Auftragseingänge aus dem Ausland zuletzt aus den Ländern des Euroraumes zurückgegangen sind, diejenigen aus Drittländern dagegen gestiegen sind. Das ist genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich erwarten müsste.

Geopolitische Veränderungen: Der auf Dauer wichtigste Effekt ist die Zunahme der weltpolitischen Spannungen. Das schafft Unruhe, Unordnung und Unübersichtlichkeit in der Welt. So etwas mögen nicht nur die Börsen nicht. Manch einer denkt an die Weltwirtschaftskrise vor 90 Jahren, als der Zusammenbruch des Welthandels die Krise verschärfte und am Ende den Weg zum Zweiten Weltkrieg ebnete.

Noch weiß niemand, wie weit der Handelskrieg diesmal gehen wird. Ich glaube nicht, dass es wie damals zu einer kumulativen Bewegung nach unten kommen wird. Der US-Präsident hat vor den Wahlen im Herbst dieses Jahres kein Interesse, dass es zu einer Rezession oder zu einem Börsen-Crash kommt. Allerdings wissen alle, wie unberechenbar Trump ist.

Für den Anleger

Handelsbeschränkungen kommen als neuer Faktor in die Risikobewertung von Aktienkursen und Credit Spreads hinzu. Investieren Sie in Werte, die von solchen Nachrichten möglichst wenig betroffen sind. Ich vermute, dass das eher der Konsumgütersektor ist. Schauen Sie sich die Regionen an, die von der Umlenkung der Handelsströme profitieren. Das wird Europa sein. Die Makrowirkungen des Protektionismus werden nicht so offensichtlich sein. Die Konjunktur ist nicht gefährdet. Protektionismus ist eher ein schleichendes Gift, das sich erst auf Dauer bemerkbar macht.

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