Martin Hüfner (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Assenagon-Chefvolkswirt Martin Hüfner Alternative zum Kurs der EZB

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Im Inland wächst der Druck der Anleger, sich beim Sparen und der Altersvorsorge nicht länger mit der Magerkost von Null- und Minuszinsen zufrieden geben zu wollen. Die Lage der Banken, Versicherungen und Versorgungs- und Pensionskassen wird immer schwieriger. Die Regierungen werden zu Hilfen gedrängt, nicht zuletzt zu teuren Rentenreformen. Auch das wirft die Frage der Zinsen auf.

Schließlich, und ganz wichtig, knebelt sich die EZB selbst. Jeder weiß, dass es irgendwann (vielleicht sogar schon nächstes Jahr) eine Rezession und wieder steigende Arbeitslosigkeit geben wird. Wenn die Zinsen so niedrig bleiben, hat die Notenbank dann keine Munition, um der Konjunktur wieder auf die Beine zu helfen. Die Hauptarbeit der makroökonomischen Stabilisierung fällt in diesem Fall erneut auf die Finanzpolitik mit der Folge entsprechend höherer Staatsverschuldung.

Merkwürdige Geisterdebatte

Wie soll die Europäische Zentralbank auf die neue Situation reagieren? An sich wäre es logisch, jetzt auch im Euroraum eine Diskussion über höhere Zinsen anzustoßen. Das hat die EZB bisher aber kategorisch ausgeschlossen. Sie wird nicht müde zu wiederholen, dass die Leitzinsen erst mit entsprechendem zeitlichen Abstand zum Auslaufen der Wertpapierkäufe (Ende des Jahres) angehoben werden können. So entstand an den Märkten in den letzten Wochen eine Geisterdebatte darüber, ob die EZB „schon“ im Sommer 2019 oder erst im Herbst tätig würde. Das mutete schon etwas merkwürdig an.

Es gibt aber eine Alternative, wenn die EZB die Zinsen jetzt partout nicht anheben will. Sie könnte ihr Commitment zu einem bestimmten Termin für eine Zinserhöhung fallen lassen. Sie sagt dann nicht mehr, dass die Zinsen Mitte nächsten Jahres angehoben werden. Sie sagt einfach nur, dass sie eine Zinserhöhung je nach Datenlage prüfen würde. In der Sprache der Geldpolitiker würde man formulieren: Sie verzichtet auf die Forward Guidance. Das öffnet die Diskussion. Es zeigt, dass sich auch die EZB den Realitäten nicht verschließt. Es kann auch hierzulande in Sachen Zinsen etwas passieren. Das verschreckt niemanden. Es zwingt die EZB auch nicht, die Zinsen zu erhöhen, wenn es vielleicht gar nicht in die Landschaft passt.

Für den Anleger: Dies ist ein Gedankenspiel. Ich würde mich freuen, wenn es so geschieht, rechne realistisch gesehen aber nicht damit. Dazu hat sich die EZB zu sehr festgelegt. Wir sollten uns daher darauf einstellen, dass die Geldpolitik, komme was wolle, so weitergeführt wird wie bisher. Das verringert die Gefahr von größeren Kursverlusten am Rentenmarkt. Aktienkurse werden mit größeren Schwankungen leben müssen, bekommen aber auch keine richtigen Impulse.

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