Assenagon-Chefvolkswirt Martin Hüfner Lehren aus 70 Jahren deutscher Aktien

Martin Hüfner, Chefvolkswirt bei Assenagon. | © Assenagon

Martin Hüfner, Chefvolkswirt bei Assenagon. Foto: Assenagon

Aktien sind in Misskredit geraten. Jahrelang wurden sie als einzig sinnvolle Anlage in Zeiten niedriger Zinsen gepriesen. Nur mit ihnen könne man noch eine akzeptable Rendite erzielen. Und dann stürzten sie im letzten Jahr plötzlich ab. In Deutschland verloren Anleger im Laufe des letzten Jahres 18 Prozent. Das Debakel war weltweit. In den USA ging der S&P 500 um 8 Prozent zurück, der SMI in der Schweiz verringerte sich um 10 Prozent, der österreichische ATX um 19 Prozent. Mit Omas vielgeschmähtem Sparbuch wäre man in jedem Fall besser dran gewesen. Das kann man nicht mehr als Betriebsunfall hinnehmen.

In der letzten Woche hat es zwar leichte Stabilisierungstendenzen gegeben. Die Stimmung hat sich etwas aufgehellt. Aber es sind nur ganz wenige Mutige, die meinen, die Krise sei schon vorbei. Nach wie vor ist die Konjunktur in Deutschland und Europa schwach. Die großen Risiken im Zusammenhang mit dem amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt, dem Brexit und den Zinserhöhungen in den USA bestehen fort.

Deutscher Aktienindex in den vergangenen 70 Jahren:

Quelle: DAI, Bundesbank, Assenagon

Wir kommen daher nicht darum herum, die auf Aktien basierende Anlagestrategie grundsätzlich in Frage zu stellen. Ich habe mir dazu einmal die ganz langfristige Entwicklung der Kurse angeschaut. Die Bundesbank veröffentlicht den DAX seit 1988. Mit Zahlen des Deutschen Aktieninstitutes kann man die Zeitreihe um 40 Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zurückverfolgen. In der Grafik ist der Index in logarithmischem Maßstab dargestellt, um damit die relativen Veränderungen im Zeitablauf deutlicher hervortreten zu lassen.

Das Ergebnis hat mich überrascht. Es zeigt den DAX als eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Das hätte ich mir so nicht vorstellen können.