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Assenagon-Chefvolkswirt Martin Hüfner „Unfälle in Wirtschaft, Banken und Politik werden wahrscheinlicher“

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist in den letzten Monaten kräftig gefallen. Das erinnert manche an die Zeit der großen Finanzkrise und den Beginn der Rezession. Ein Kollege aus dem Handelsraum von Assenagon fragte mich dieser Tage: „Was spricht eigentlich dagegen, dass der Index wie damals ins Trudeln gerät und weiter abstürzt? Könnte es nicht sein, dass sich schlechte Nachrichten gegenseitig anstecken und wir am Ende in ein tiefes Loch fallen?“

Argumente gegen Rezession

Volkswirte sind bei solchen Fragen nicht auf den Mund gefallen. Ich habe ihm zunächst einmal natürlich die üblichen Argumente gegen eine Rezession entgegengehalten. Die jüngste Abschwächung der Konjunktur in Deutschland ist im Wesentlichen auf Sonderfaktoren wie etwa den Dieselskandal in der Autoindustrie zurückzuführen.

Das wird sich wieder bessern. Die Fiskalpolitik hat von Austerität auf Expansion umgeschaltet. Es wird in diesem Jahr Steuer- und Abgabenerleichterungen geben. Das hilft der Nachfrage. Die Geldpolitik ist nach wie vor locker. Die Zinsen sind – auch in Amerika – niedrig.

Absturz wie im Jahr 2008?

ifo-Geschäftserwartungen; Quelle: ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität MünchenGrafik: Assenagon Asset Management

Beschäftigung und Einkommen nehmen zu und stützen den privaten Konsum. Die Weltwirtschaft expandiert, wenn auch mit einer etwas verlangsamten Rate. In den USA lassen die expansiven Impulse von der Steuersenkung des letzten Jahres zwar nach. Die Wachstumsperspektiven sind aber immer noch gut.

Das Bankensystem ist heute stabiler als 2008, vor allem im größten Markt der Welt, den USA. Eine Überhitzung am Immobilienmarkt gibt es zwar auch heute. Aber sie ist bei weitem nicht so ausgeprägt und hat nicht zu solchen Fehlentwicklungen wie damals geführt.

Aussicht auf ein „Soft Landing“ 

Das sind doch schon eine Menge Argumente. Sie sollten verhindern, dass das Geschäftsklima aus Makro-Erwägungen so stark und so abrupt zurückgeht wie 2008. Es sieht eher nach „Soft Landing“ aus. Die Finanzmärkte haben sich in den ersten Wochen dieses Jahres auch schon vorsichtig stabilisiert.

Aber der Blick meines Kollegen verriet mir, dass er so richtig überzeugt nicht war. Das ist auch verständlich. Ruhig bleibt es nämlich nur, wenn es in der Volkswirtschaft auch sonst ordentlich zugeht.

Das aber war in der Finanzkrise nicht der Fall. Der konjunkturelle Absturz 2008 bestand nämlich aus zwei Teilen: Neben den Makro-Bedingungen, die damals auch gar nicht so schlecht waren, gab es eine Reihe von schweren Unfällen.

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