Martin Hüfner (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Assenagon-Chefvolkswirt Martin Hüfner „Währungskriege sind viel schlimmer als Handelskriege“

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Wie beginnt man einen Währungskrieg?

Das ist schwe­rer als man denkt. Die erste Möglichkeit ist, dass man den Wechselkurs herunterredet. Das tut der amerikanische Prä­sident bereits. Eigentlich hätte der Markt darauf mit einer Abschwächung des US-Dollar reagieren müssen. Das war zunächst aber nicht der Fall. Offenbar hat Trump am Markt nicht die nötige Glaubwürdigkeit. Erst als die Notenbank Zinssenkungen andeutete, hat sich die amerikanische Währung leicht abgeschwächt.

Die zweite Möglichkeit ist, dass die USA auf den Märkten kaufen. Das haben sie meines Wissens bisher noch nie ge­tan - und wenn, dann nur in geringem Ausmaß. Das wirkt selbstverständlich sofort. Voraussetzung ist aber, dass die betroffenen Gegenparteien nicht ebenfalls aktiv werden und ihrerseits Dollar kaufen. Das ist dann wie bei Zöllen und den entsprechenden Vergeltungsmaßnahmen: Jeder gegen je­den, ohne dass am Ende einer wirklich profitiert.

Die dritte Möglichkeit ist eine multilaterale Währungskonfe­renz, wie es sie unter dem früheren Präsidenten Reagan in den 80er Jahren gab. Das hat damals funktioniert. Aller­dings waren die Bedingungen in jener Zeit ganz andere. Es herrschte weltweit Einigkeit, dass der US-Dollar überbewertet war. Er hatte zuvor um über 50 Prozent aufgewertet. Jeder wusste, dass das nicht so bleiben konnte.

Diesmal ist der US-Dollar zwar auch stark. Dafür gibt es aber gute Gründe - vor allem das hohe Wachstum und die hohen Zinsen der USA. Ich bin mir nicht sicher, dass die Euro­päer, Chinesen oder die Japaner unter diesen Umständen so einfach einer stärkeren Dollarabwertung zustimmen würden. Ganz abgesehen davon ist die Bereitschaft zu multilateralen Verhandlungen heute nach den Erfahrungen in der Handelspolitik weder bei den Amerikanern noch bei ihren Partnern sehr groß.

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