Diversifikation gilt als das A und O für Ertrag - im Wald wie bei der Geldanlage. <br>Doch auch sie kennt Grenzen. Quelle: Fotolia

Diversifikation gilt als das A und O für Ertrag - im Wald wie bei der Geldanlage.
Doch auch sie kennt Grenzen. Quelle: Fotolia

Asset Allocation in der Finanzkrise: Misch- oder Monokultur?

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Wenn im Wald die Eichen sterben, ist es immer gut, noch ein paar Buchen daneben stehen zu haben. Sind alle Laubbäume betroffen, sollte der Forstwirt noch ein paar Fichten, Tannen oder Kiefern gesetzt haben. Sterben aber alle Baumarten, muss er qua Beruf ziemlich hilflos zuschauen. Dann ist es egal, ob er auf Misch- oder Monokultur gesetzt hat.

So geht es manchem mit der Diversifikation. Die Streuung über verschiedene Anlageklassen wird gemeinhin als der beste Schutz vor allzu schlimmen Börseneinbrüchen gesehen. Läuft die eine Anlageklasse schlecht, laufen andere dafür eben besser und gleichen den Verlust im Idealfall aus. Im Idealfall ja, aber diesen haben wir schon lange nicht mehr gesehen.

Liquidität verfälscht die Eigenschaften

Denn in einer nur der volkswirtschaftlichen Theorie entsprungenen Diversifikation verhalten sich die Anlageklassen recht überschaubar zueinander. Fallen die Aktien, steigen die Anleihen. So einfach war das einmal. Mittlerweile aber verfälscht die überbordende Liquidität, das billige Geld der Notenbanken, die Rechnung.

Wer einen Batzen Geld fast ohne Kosten bekommt, verteilt ihn gleichmäßig auf die Anlageklassen – er diversifiziert. Wenn er aber kalte Füße bekommt, zahlt er das Geld zurück und zieht es ebenso gleichmäßig aus allen Anlageklassen ab. Dazu kommt es zu einer liquiditätsgetriebenen Parallelbewegung der Anlageklassen – die den Investor aussehen lässt wie einen Förster: Obwohl er alles richtig gemacht hat, muss er mit ansehen, wie sein Wald kaputtgeht.

Streuung ist mehr

Jetzt lassen sich natürlich immer noch weitere Anlageklassen finden, die noch nicht in das große Spiel eingebunden sind. Wichtiger aber ist, den Begriff der Diversifikation oder Streuung anders zu fassen. Wenn etwa Bankaktien nach unten gerissen werden, weil man dem Geschäftsmodell nicht traut, dann sind auch alle möglichen Zertifikate betroffen. Wer Rohstoffen nicht traut, muss nicht nur Gold verkaufen, sondern auch Rohstoffaktien oder sogar Anleihen von stark rohstofflastigen Ländern.

Die Streuung ist also wesentlich mehr als nur ein Abwägen zwischen Anlageklassen. Diese bleibt immer die Grundlage. Wer seine Asset Allocation aber nach zusätzlichen Kriterien durchleuchtet und ausrichtet, wird zumindest weniger überrascht sein, wenn sich die Gewichte wieder verschieben. Und vielleicht hat der Förster ja auch noch einen Gingko-Bestand – das ist die Mischung aus Laub- und Nadelbaum.

Zum Autor: Uwe Zimmer ist Vorstandsvorsitzender des Vermögensverwalters Meridio AG und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de.

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