Der Blick von der Brücke auf Big Ben und das Parlamentsgebäude in London. Großbritannien gilt als Vorreiter in Sachen Honorarberatung. Foto: Getty Images

Der Blick von der Brücke auf Big Ben und das Parlamentsgebäude in London. Großbritannien gilt als Vorreiter in Sachen Honorarberatung. Foto: Getty Images

Asset Management

Fondsgebühren geraten immer mehr unter Druck

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Gegenüber dem Stand im Jahr 2013 sanken die Kosten europäischer Fondsanleger im Durchschnitt um 0,09 Prozentpunkte auf etwa 1,00 Prozent. Das sei eine gute Nachricht für Investoren, zitiert der britische Branchendienst International Adviser aus einer Studie der Rating-Agentur Morningstar, für die Daten aus 21 Ländern analysiert wurden.

Am höchsten waren die Kostensenkungen seit 2013 demnach in den Niederlanden (minus 0,43 Prozentpunkte) und Großbritannien (minus 0,19 Prozentpunkte), wo die Fondsgesellschaften aufgrund der dortigen Provisionsverbote Anteilsklassen anböten, die laut Morningstar durchschnittlich 0,46 Prozentpunkte günstiger sind.

Aber auch in Ländern ohne Provisionsverbote für die Vermittlung von Investmentfonds, wie zum Beispiel Schweden (minus 0,17 Prozentpunkte) und Irland (minus 0,16 Prozentpunkte), sanken die Kosten überdurchschnittlich. In Luxemburg betrug das Minus 0,09 Prozentpunkte und in Österreich blieben die Gebühren unverändert.

Höhere Fondskosten in Deutschland

In Deutschland dagegen verzeichnet Morningstar ebenso wie in Dänemark, Spanien und Italien sogar steigende Fondskosten der Anleger. Ein wichtiger Grund dafür sei die dort hohe Verbreitung von Multi-Asset-Fonds, die nach aktuellen Daten des deutschen Fondsverbands BVI allein in der ersten Jahreshälfte hierzulande insgesamt 4,6 Milliarden Euro einsammelten.

Denn auch je nach Produktkategorie fielen die Einsparungen recht unterschiedlich aus: Während Aktienfonds (minus 0,16 Prozentpunkte auf 1,27 Prozent) vor Rentenfonds (minus 0,15 Prozentpunkte auf 0,74 Prozent) liegen, bleiben Mischfonds nach sehr viel geringeren Kostenkürzungen (minus 0,09 Prozentpunkte) mit durchschnittlich 1,47 Prozent die teuerste Kategorie.

Anleger achten mehr auf Kosten

Als Grund für die relativ hohen Gebühren für Mischfonds gibt Morningstar die geringere Verbreitung von Multi-Asset-ETFs an. Denn Morningstar-Chefanalyst Nikolaj Holdt Mikkelsen führt die beobachteten Kostensenkungen der Fondsgesellschaften auf ein neues Bewusstsein der Anleger zurück: „Die Investoren tendieren jetzt dazu, viel stärker als zuvor auf die Kosten zu achten.“

Diese Entwicklung sei vor allem der Konkurrenz der vergleichsweise günstigen börsengehandelten Indexfonds geschuldet: Der Marktanteil der in europäischen ETFs verwalteten Vermögen stieg in den vergangenen drei Jahren um 2,3 Prozentpunkte auf 10,3 Prozent. Und dieser Trend dürfe sich mit Einführung der neuen Mifid-II-Regeln zur Offenlegung von Provisionen ab 2018 verstärken.

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