Blickt bereits auf über zehn Jahre Berufserfahrung im Headhunter-Geschäft für Asset Management und Private Banking zurück: Klaus Biermann von Biermann Neff

Asset-Management-Headhunter Klaus Biermann

„Auch im Asset Management sind Gehaltsanpassungen wohl notwendig“

DAS INVESTMENT: Auch die Asset-Management-Industrie ist stark von der Corona-Krise betroffen. Dort haben Sie jüngst eine Umfrage zur aktuellen Stimmung gemacht. Was hat Sie am meisten überrascht?

Klaus Biermann: Wir konnten bei den Mitarbeitern, insbesondere im Asset Management, eine relativ große Sicherheit und Zufriedenheit erkennen. Beispielsweise gibt es eine sehr hohe Zufriedenheit, wie der Arbeitgeber mit der Krise umgeht. Gleichzeitig jedoch bestehen viele Fragezeichen, denn ein Viertel der Befragten gibt an, sich Sorgen um das eigene Unternehmen zu machen.

Wann gehen die Befragten davon aus, dass sich in Ihrer Branche wieder einigermaßen Normalität einstellt?

Biermann: Fast 60 Prozent gehen davon aus, dass uns die Krise drei bis sechs Monate beschäftigen wird. Nur 6 Prozent glauben, dass im Mai alles wieder normal sein wird. Der Rest geht von einem längeren Erholungszeitraum aus. 14 Prozent der Befragten glauben sogar, dass die Auswirkungen auch bis weit in 2021 zu spüren sein werden.

Und was wird sich in der Arbeitswelt der Fondsindustrie bleibend verändern? Homeoffice, Rückgang der Reisetätigkeit, Vertriebsgespräch vis-a-vis oder vermehrt digital?

Biermann: Homeoffice-Lösungen werden mit großer Sicherheit ein fester Bestandteil der Arbeitswelt, was sich auch darin zeigt, dass 71 Prozent der Umfrageteilnehmer angeben, dass persönliche Meetings nicht mehr die gleiche Bedeutung haben werden wie früher. Durch die nunmehr erlangte Bereitschaft und Flexibilität bezüglich Videokonferenzen – und die Erkenntnis, dass dies funktioniert –, wird die Notwendigkeit von Reisen massiv nachlassen und die Zeit dementsprechend viel effizienter genutzt. Dadurch werden flexiblere Arbeitszeitmodelle wie beispielsweise die Teilzeitarbeit mit großer Sicherheit auch weiter an Bedeutung gewinnen.

Welcher Typus von Asset Manager geht vergleichsweise gestärkt aus der Krise heraus?

Biermann: Uns persönlich hat das Ergebnis, dass globale Asset Manager und Fondsboutiquen in der Wahrnehmung besser abschneiden als Generalisten oder Asset Manager von Privatbanken, nicht überrascht. In der Praxis wird es aber viele Ausnahmen geben. Der Markt wird sich darüber hinaus durch Übernahmen und Fusionen auch weiter konsolidieren.

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Quelle: Biermann Neff AG

Aktuell wird ja von einigen Experten die Stunde des aktiven Fondsmanagements beschworen. Sieht das auch die Breite der von Ihnen Befragten?

Biermann: Das ist richtig, und wir können dies durch die Umfrage bestätigen. Am kritischsten werden Staats- und Unternehmensanleihen betrachtet, aber auch Real Estate und sonstige illiquide Assets werden nicht sehr positiv gesehen, auch wenn diese in den vergangenen Jahren starke Mittelzuflüsse hatten. Nimmt man die Umfrageergebnisse, muss man davon ausgehen, dass aktiv gemanagte Fonds an Bedeutung gewinnen werden.

Forciert oder lähmt die Corona-Krise die Megatrends-Themen der Fondsindustrie wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Künstliche Intelligenz?

Biermann: Diese Megatrends werden durch die aktuelle Situation nicht an Bedeutung verlieren. Die Frage ist jedoch, inwieweit gewisse Anbieter in ein paar Jahren noch die gleichen sein werden, da die Geschäftsmodelle eine andere Ertragssituation einkalkuliert hat. Viele interessante Ventures werden diese Krise nicht meistern, die Geschäftsmodelle und Ideen werden aber übernommen. Die Strukturen und auch Probleme werden nach der Krise oftmals die gleichen sein – die Antworten werden wahrscheinlich zunehmend digitaler.

Welche langfristigen Entwicklungen im Fondsvertrieb und der Fondsindustrie insgesamt werden Ihrer Meinung nach durch die aktuelle Lage beschleunigt?

Biermann: Es werden sich diverse Arbeitsabläufe und -prozesse anpassen. Die Bereitschaft zu mehr Flexibilität in Vielem wird dazu führen, dass der persönliche Austausch nicht mehr die gleiche Bedeutung hat wie früher. Dies hat auch durchaus positive Effekte. Portfoliomanager müssen beispielswiese nicht mehr einen Großteil ihrer Zeit auf Flughäfen und Zügen verbringen und die Wertigkeit persönlicher Meetings wird zunehmen.

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