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Asset-Management-Headhunter Klaus Biermann „Auch im Asset Management sind Gehaltsanpassungen wohl notwendig“

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Und der Fondsvertrieb?

Biermann: Natürlich hat dies auch einen enormen Einfluss auf die Anzahl an Vertriebspersonal in einer Institution. Diese wird sich verändern und der Vertrieb wird einen enormen digitalen „Push“ erhalten. Es werden neue Talente und andere Fähigkeiten gesucht – Personen mit Netzwerken wird es aber je nach Kundensegment immer brauchen und geben. Wir gehen davon aus, dass sich große Plattformen herauskristallisieren werden. Diese Plattformen werden viele Tätigkeiten ersetzen, die eigentlich als reines „Commodity“ zu betrachten sind und nicht von jedem Asset Manager selbst erfüllt werden müssen. Um den aktiven Vertriebler mit einem Akquisitions-Gen, den modernen Produktspezialisten oder auch Vertriebsleute mit einem Solutions-Ansatz machen wir uns keinerlei Sorgen.

Welche Veränderungen sehen die Befragten auf sich selbst zukommen? Stichwort Fixgehälter und Boni oder Soft Skills?

Biermann: Die Klarheit der Daten hat uns fast schon überrascht. Das zeigt, dass in dieser Krise auch eine große Chance liegt. Die Mitarbeiter scheinen bereit, über alle Themen und „Opfer“ zu sprechen – wenn sie denn wirklich mitgenommen werden und den Sinn dahinter erkennen. Bei Asset Managern gehen derzeit 93 Prozent der Befragten davon aus, dass ihr Bonus für 2020 geringer ausfallen wird, im Schnitt um 35 Prozent niedriger. Erstaunlich ist die Tatsache, dass knapp die Hälfte der Befragten zusätzlich Gesprächsbereitschaft bezüglich ihrer Fixgehälter zeigt. Hier ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass 65 Prozent der Befragungsteilnehmer Führungskräfte sind. Wir glauben, dass der Schritt von Fixgehaltsanpassungen im Asset Management nicht unbedingt notwendig sein wird, jedoch könnte dies für die klassischen Banken eine enorme Bedeutung haben.

Schlägt jetzt die Stunde der Personaldienstleister?

Biermann: Auch für uns kam die Krise in dieser Form überraschend. Dennoch hatten wir seit mehreren Jahren mit einer Abschwächung gerechnet. Entsprechend schlank und unternehmerisch haben wir unsere Strukturen gestaltet und uns als kleine und fokussierte Boutique positioniert. Nichtsdestotrotz hat die Corona-Krise auch uns getroffen und einzelne Kunden haben ihre Suchen auf Eis gelegt oder mögliche Themen, die diskutiert wurden, sind durch allgemeine „Hiring Freezes“ vorerst gestoppt. Wir haben aber noch genug Suchmandate und blicken positiv in die Zukunft. Die Zeit, die uns heute geschenkt wird, führt unserer Einschätzung nach zu einem noch nicht absehbaren Effizienzgewinn in einigen Quartalen – auch in unserem Geschäft. Wer entsprechend mutig, fleißig und bereit ist, bestehende Modelle und Strukturen zu hinterfragen und schnell anzupassen, wird belohnt.


Über den Interviewten:
Klaus Biermann hat sich vor zehn Jahren mit seinem Geschäftspartner Jonas Neff als Headhunter selbständig gemacht und verantwortet seitdem für verschiedene internationale Asset Manager, Banken und Family Offices Suchmandate in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zusätzlich ist er als systemisch-konstruktivistischer Coach tätig.

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