„Auch bei Defensivtaktik lässt man einen Gomez auf dem Platz“

Simone Müller-Esche, Fondsmanagerin

Simone Müller-Esche, Fondsmanagerin

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DAS INVESTMENT.com: Seit Herbst 2011 sind Sie mit Ihrem defensiv ausgerichteten MET Fonds-Vermögensmandat am Markt. Wie lautet Ihr Zwischenfazit?

Simone Müller-Esche:
Der Start ist gelungen – was natürlich auch mit der Marktsituation zu tun hat. Seit Investitionsstart im Dezember verbucht der Fonds einen Gewinn von ca. 4 Prozent. Trotz den ausgeprägten Rückgängen an den Aktienmärkten von durchschnittlich 10 Prozent hat sich unser Fonds mit einem Rückgang von nur ca. 1,5 Prozent ganz gut geschlagen. Das ist verglichen mit der Entwicklung an den Aktienmärkten erfreulich. Ein solches Ergebnis hatten die Backtests aber ohnehin schon versprochen.

Heinz-Dieter Müller: Wir arbeiten nach dem Multi-Manager-Konzept. Wir sind kein Vermögensverwalter im klassischen Sinn, sondern konzentrieren uns auf die Fondsvermögensverwaltung. Über unseren Dachfonds investieren wir in vermögensverwaltende Zielfonds, kurz VV-Fonds, und nutzen so die Expertise exzellenter Vermögensverwalter.

DAS INVESTMENT.com: Mit welcher Strategie gehen Sie vor?

Müller: Wir nutzen eine Ampel-Index-Matrix: Wir analysieren die weltweit 50 wichtigsten Aktienmärkte im Trendfolgebereich und als Ergebnis bekommen wir grüne, gelbe oder rote Ampeln. Die Ampeln sind für die Aufstellung des Vermögensmandats von taktischem Interesse. Ich vergleiche das immer mit einem Fußballfeld: Man hat eine Defensive, ein Mittelfeld und eine Offensive. Wenn alle Ampeln auf Grün stehen, wechseln wir mehr offensive Fondsmanager ein.

DAS INVESTMENT.com:
Wie viele „Spieler“ sind auf dem Platz?

Müller:
Von den ca. 100 besten vermögensverwaltenden Fonds kommen 50 in den Kader. 30 sind auf dem Platz, 20 auf der Reservebank. Dann tauschen wir die Fonds entsprechend der Ampelsignale aus. Da unsere Marktsicht momentan positiv ist, sind mehr offensive Fonds vertreten, die theoretisch sogar eine Aktienquote von 100 Prozent haben können. Trotzdem behalten wir einige defensive Stammspieler auf dem Platz – solange sie ihre charttechnischen Bedingungen erfüllen.

DAS INVESTMENT.com:
Sie verfolgen also nicht die Otto-Rehagel-Strategie: Hinten dichtmachen und hoffen, dass es reicht.

Müller: Nein. Normalerweise ist es so, dass man ein Drittel Verteidigung, ein Drittel Mittelfeld und ein Drittel Offensive hat. Aber selbst wenn man weiß, dass es schwierig wird, lässt man einen Gomez auf dem Platz. Sonst könnte man keine Tore schießen. Aber die offensiven Fondsverwalter suchen wir ebenfalls nur mit der Charttechnik aus. Sie müssen auch Märkte bewältigen, die im Sinkflug sind.