Auch für Haftungsdach-Vermittler möglich Wie sich ein eigener Fonds oder eine Vermögensverwaltung auflegen lässt
Beispiel 2: NFS Netfonds
Das Hamburger Haftungsdach NFS Netfonds Financial Services beherbergt 21 Fonds und 154 von Vermittlern aufgelegte Vermögensverwaltungsstrategien. Einen Trend zu Standardstrategien beobachtet Geschäftsführer Christian Hammer nach eigener Aussage seit mehreren Jahren. Allerdings gibt der NFS-Chef zu bedenken: „Nicht jeder Fonds entwickelt sich zum Kassenschlager. Idealerweise sollte ein Fonds ein Alleinstellungsmerkmal haben, wie eine ausgefeilte Anlage- oder Risikostrategie. Sonst hat er jenseits des vorhandenen Kundenkreises des Vermittlers erfahrungsgemäß schlechte Chancen auf Zuflüsse von außen.“ Allerdings: „Wenn die Strategie einen größeren Kundenkreis überzeugt, können aus 10 Millionen auch mal 100 Millionen Euro werden.“ Der Fondsmantel bietet dabei einen großen Vorteil: Mit Erhalt einer Wertpapierkennnummer öffnet sich ein neuer Absatzkanal. Der Fonds ist dann auch über Banken und Börsen erhältlich.
Das auf den ersten Blick gewaltige Volumen von 3,1 Milliarden Euro in den NFS-Fonds wird vor allem durch ein einzelnes Produkt in die Höhe getrieben: den 2,6 Milliarden Euro schweren Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen (FAfS). Fondsanbieter Shareholder Value Management nutzt für ihn wie für drei weitere Fonds die Lizenz des Haftungsdachs.
Eigene Vermögensverwaltung immer populärer
Einen noch größeren Zulauf als beim Fonds-Advisory beobachtet Hammer bei Vermögensverwaltungsstrategien, die Vermittler des Haftungsdachs ebenfalls nach eigenen Ideen zusammenstellen können. Üblicherweise handelt es sich um reine Fonds-Vermögensverwaltungen. Der Vermittler dient auch hier als Berater: Er berät einen externen Vermögensverwalter, der die Anlagevorschläge prüft und das Kaufsignal gibt, wenn er alles für in Ordnung befindet. NFS Netfonds bietet Haftungsdachpartnern aber auch fertige Vermögensverwaltungen an. Die Strategien namens „Vermögensplan“ betreut der hauseigene Vermögensverwalter NFS Hamburger Vermögen.
Als Grund für den Siegeszug standardisierter Strategien, sowohl in Fonds-Form als auch in Form einer Vermögensverwaltung, sieht auch Hammer die immer strengere Regulierung. Vielen Kunden sei beispielsweise der Unterschriften-Reigen der üblichen Beratungsdokumentation lästig. Statt vieler Einzelinvestments ein kompaktes Vehikel zu kaufen werde als Erleichterung empfunden. Auf Beraterseite meint Hammer eine anziehende Dynamik bei der Auflegung eigener Fondsvehikel und Vermögensverwaltungsstrategien unter dem Haftungsdach zu spüren. An Anfragen mangele es nicht.
