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Auch Schwellenländer werden umsteuern müssen Klimawandel als Chancenwechsel

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Die Kosten des Wachstums

Auch wenn zweifellos zahlreiche Menschen weltweit vom Wachstum und der Entwicklung profitieren, bringt die Lösung eines Problems häufig auch neue Probleme mit sich. Millionen von Menschen haben die Armutsgrenze zwar hinter sich gelassen, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen dürfte jedoch zum Klimawandel beigetragen haben, der inzwischen allgemein als eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft und die Welt insgesamt angesehen wird. Es besteht allgemein Einigkeit darüber, dass der Schadstoffausstoß aus dem Einsatz fossiler Brennstoffe erheblich zum Klimawandel beigetragen hat.

Der Klimawandel hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Investmentwelt. Wir sehen vier Arten von Risiken, die mit dem Klimawandel und seinem Einfluss auf Anlagen verbunden sind.

1. Langfristige Risiken, die Auswirkungen auf die Wettbewerbsposition ganzer Länder oder sogar Regionen innerhalb der Weltwirtschaft haben können. Der Weltbank zufolge könnten die Folgen des Klimawandels 143 Million Menschen in drei Entwicklungsregionen zu „Klimamigranten“ machen, die gezwungen sind, ihre Heimat auf der Suche nach einem zukunftsfähigeren Lebensraum zu verlassen. Zudem könnte die Lebensmittelversorgung stark unter Druck kommen. Niedrig gelegene Küstenregionen sind einem Anstieg des Meeresspiegels und dem zunehmenden Auftreten heftiger Stürme gegenüber anfällig. Dies könnte beispielsweise Auswirkungen auf ein Land wie Bangladesch haben.

Ein weiteres Beispiel wäre Westafrika, das von der Kakaoproduktion abhängig ist. Aufgrund des Klimawandels könnte es in einigen Jahren unmöglich werden, in dieser Region Kakao anzubauen, so dass hier gegebenenfalls ein Umstieg auf andere Anbaukulturen erforderlich sein wird. Eine „klimaintelligente“ Landwirtschaft könnte sich als Überlebensbedingung für bestimmte Kulturen erweisen – und dabei auch interessante Investitionsmöglichkeiten eröffnen.

2. Kurzfristige Auswirkungen auf Rohstoffpreise aufgrund widriger Witterungsverhältnisse. Die Häufigkeit widriger Wetterereignisse nimmt zu. Die Wissenschaft geht allgemein davon aus, dass veränderte Meeresströmungsmuster in Verbindung mit dem sich ändernden Klima zu diesen Wetteränderungen beitragen. So stiegen 2011 beispielsweise die Preise für Kokskohle stark an, nachdem es in Australien, einem der weltweit größten Exportländer für Kokskohle, zu heftigen Überschwemmungen gekommen war. Der 2019 veröffentlichte „Global Risks Report“ des Weltwirtschaftsforums sieht extreme Wetterbedingungen und ein Versagen der politischen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels über einen Horizont von zehn Jahren als die größte Bedrohung an.

El Niño und La Niña sind regelmäßig auftretende Veränderungen der Meeresoberflächentemperaturen im Pazifischen Ozean, die das Wetter auf der ganzen Welt beeinflussen und sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben. Sie sind zwar nicht neu, können im Zuge des Klimawandels jedoch stärker und unberechenbarer werden. El Niño ist normalerweise für ein Land wie Indien schlecht, da dieses Phänomen meist unterdurchschnittliche Regenfälle während der für die indische Landwirtschaft so wichtigen Monsunsaison nach sich zieht. Auch Peru leidet unter negativen Auswirkungen auf seine Fischwirtschaft. Nordamerika hingegen verzeichnet bei El Niño einen milderen Winter, und in einem südamerikanischen Land wie Argentinien kann hierdurch die Sojabohnenproduktion zunehmen.

3. Kurzfristige Auswirkungen auf bestimmte Unternehmen. Veränderte Wettermuster beeinflussen zahlreiche Unternehmen. So veröffentlichte das deutsche Chemieunternehmen BASF im Dezember 2018 beispielsweise eine Warnung, dass seine Gewinne deutlich niedriger ausfallen würden, da sein Geschäft in diesem Jahr unter dem extrem niedrigen Pegel des Rheins gelitten hatte.

Große Bekleidungsunternehmen konzentrieren sich darauf, ihre Herbstmodekollektionen schon mehrere Monate vor Einsetzen der kalten Jahreszeit zu bewerben. Mildere und/oder kürzere Winter haben jedoch eine Verhaltensänderung bei Kunden hervorgerufen. Die Menschen kaufen Winterkleidung erst später oder überhaupt nicht, da sie nicht so viele schwere Mäntel, Wollsachen und dergleichen benötigen. Bisweilen müssen Bekleidungsunternehmen schmerzhafte Anpassungen in Form von Vorratsabschreibungen vornehmen, so dass bei Buy-on-Demand-Modellen und Übergangskollektionen ein deutlicher Anstieg zu beobachten ist. Schwankende Temperaturen und Regenfälle wirken sich natürlich auch auf den Preis der Rohstoffe aus, die für die Herstellung von Textilien verwendet werden. Dies kann sich in Schwellenländern bemerkbar machen, die – wie bereits oben erwähnt – führende Exporteure dieser Waren sind.

4. Der Ausstoß von Treibhausgasen könnte besteuert werden, was die Rentabilität von Unternehmen beeinträchtigen würde. Hierbei geht es um die Idee, die Nachfrage nach Produkten zu dämpfen, deren Produktionsprozess einen erheblichen Treibhausgasausstoß erfordert. Beispiele hierfür wären die Zementherstellung oder auch Luftreisen, die schädliche Stoffe an die Umwelt abgeben. Durch die Besteuerung dieser Produkte und/oder Dienstleistungen würde sich die Nachfrage theoretisch verringern. Gleichzeitig würden Unternehmen stärker in „grüne“ Technologien investieren, um dasselbe Produkt beziehungsweise dieselbe Dienstleistung anzubieten, allerdings bei einer geringeren Belastung des Klimas.

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