Stiftungsvorstände stehen angesichts der Finanzkrise vor <br>großen Herausforderungen. Quelle: Fotolia

Stiftungsvorstände stehen angesichts der Finanzkrise vor
großen Herausforderungen. Quelle: Fotolia

Auch Stiftungen haben Geldsorgen

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Die Vorgaben der Aufsichtsbehörden für die Kapitalanlage gemeinnütziger Stiftungen sind denkbar einfach: Schütze um jeden Preis den Kapitalstamm und begünstige mit den Zinsfrüchten die gewünschten wohltätigen Stiftungszwecke – seien dies nun Wissenschaft und Forschung, Jugend- und Altenhilfe, Kunst und Kultur oder Tier- und Naturschutz.

Begriff der Sicherheit muss enger gefasst werden

Aktuell stellt diese Aufgabe für viele Stiftungsvorstände und die verantwortlichen Vermögensverwalter eine spannende Herausforderung dar. Denn Sicherheit am Kapitalmarkt hat zurzeit nicht nur einen hohen Preis, wie an der mageren Rendite von 2,3 Prozent für zehnjährige deutsche Staatsanleihen abzulesen ist – der Begriff selbst muss nach dem Fiasko einiger offener Immobilienfonds und den Planungen zum Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen auch deutlich enger definiert werden.

Eine zusätzliche Hürde stellt für viele Entscheidungsträger von Stiftungen die korrekte Trennung von Kapitalstamm und Zinsfrüchten dar. Schließlich beinhaltet der geforderte reale Kapitalerhalt, dass die Inflationsrate berücksichtigt wird. Zudem unterscheidet das Gemeinnützigkeitsrecht zwischen nicht-ausschüttungsfähigem Vermögenszuwachs und ausschüttungspflichtigem Zinsertrag.

Freie Rücklagen sichern realen Kapitalerhalt

Um diesen Zielkonflikt elegant zu umgehen, empfiehlt es sich, über die Zeit freie Rücklagen zu bilden. So kann der Kapitalstamm mit sicherheitsorientierten Anlagen dem Ziel des nominellen Kapitalerhalts dienen, während die freien Rücklagen den realen Kapitalerhalt nach Inflation sichern. Angesichts aktuell hoher Dividendenrenditen stellen ausgewählte Aktien oder Aktienanleihen eine sinnvolle Ergänzung dar, um einen realen Kapitalerhalt zu gewährleisten.

Damit auch bei der Vermögensanlage die wohltätigen und gemeinnützigen Zwecke nicht aus den Augen verloren werden, bieten sich zudem soziale und ökologische Nachhaltigkeitskriterien an. Ein interessanter Ansatz ist hier die Kombination fester Ausschlusskriterien und eines „Best-in-Class“-Ansatzes.

Ein derart ausgestaltetes, transparentes und kostengünstiges Stiftungsportfolio kann dann sogar ein wenig mehr sein als nur die Grundlage für kreative Gestaltungsideen im wohltätigen Bereich. Das Hauptaugenmerk der Stiftungsarbeit sollte aber weiterhin darauf liegen, im Namen des Stifters für die Gesellschaft kontinuierlich Gutes zu bewirken.

Zum Autor: Hubert Thaler ist Vorstand der Top Vermögen AG in Starnberg und München und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de.

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