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Auf dem Weg zum Standard Was der Fonds-Kennzahl Active Share noch zum Durchbruch fehlt

Antti Petajisto wehrt sich. Im Juni veröffentlicht der Portfoliomanager von Blackrock ein Papier, in dem er zu einem Frontalangriff des Quant-Fondsmanagers AQR Capital Management Stellung nimmt. Der hat zuvor eine Studie von Petajisto zerlegt. Kleiner Schlagabtausch unter Akademikern. Doch der Reihe nach.

Im Jahr 2009 führt Petajisto mit der Studie „How Active Is Your Fund Manager?“ den Active Share ein. Die Kennzahl drückt in Prozent aus, wie stark ein Fondsportfolio vom Vergleichsindex abweicht. Petajisto weist nach, dass Fonds mit hohem Active Share grundsätzlich häufiger ihre Benchmark hinter sich lassen. 2013 folgt die zweite Studie „Active Share And Mutual Fund Performance“.

Petajistos These wiederum stellt AQR im April 2015 in dem Papier „Deactivating Active Share“ infrage. Darin heißt es, dass Fonds mit hohem Active Share hauptsächlich gegen Vergleichsindizes für Nebenwerte laufen. Und die wiederum hätten im betrachteten Zeitraum ohnehin schlecht abgeschnitten, weshalb die Fonds leichtes Spiel hatten. Der Active Share führe somit zu falschen Schlüssen bei der Geldanlage. Antti Petajisto schießt im Juni zurück.

Die genauen Details führen an dieser Stelle zu weit. An dem Scharmützel wird allerdings deutlich, dass der Active Share die Fondswelt in Bewegung bringt. Seit DAS INVESTMENT ihn in Ausgabe 07/2014 vorstellte, veröffentlichten Jupiter, Invesco, Allianz Global Investors und viele weitere Studien zum Thema.

Schon die Frage, ob man den Active Share regelmäßig ins Factsheet der Fonds schreiben sollte, spaltet die Anlagenation. So steht die Kennzahl bei M&G seit über fünf Jahren in den monatlichen Fondsberichten. Ebenfalls ein Freund davon ist Columbia Threadneedle, das den Active Share seit Jahresanfang für mehr als 30 Aktienfonds regelmäßig ausweist. „Als Fondsgesellschaft fühlen wir uns dazu verpflichtet, Anlegern diejenigen Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, um unsere Leistung einschätzen und bewerten zu können“, sagt Deutschland-Chef Florian Uleer.

Bei den Konkurrenten Deka Investments und Union Investment teilt man diese Ansicht nicht und weist darauf hin, dass der Active Share schlicht zu fehleranfällig sei. „Die bloße Zahl würde eher verwirren als informieren“, heißt es auf Anfrage von Union Investment. „Es gibt keine Standards bei der Berechnung, wodurch die Kennzahl ohne Erläuterung zur Berechnungsweise nicht zu interpretieren ist.“ Von der Deka heißt es dazu: „Außerdem werden bei der gängigen Berechnungsweise Derivate nicht berücksichtigt. Wenn also statt physischer Aktien synthetische Konstruktionen erworben werden, wird die Kennzahl verzerrt.“

Das ist ein guter Punkt. Im Extremfall kann nämlich sogar ein Indexfonds einen Active Share von 100 Prozent haben, obwohl er eigentlich nur stumpf dem Index folgt. Sogenannte synthetisch replizierende ETFs können aus einem willkürlichen Sammelsurium von Aktien bestehen und die genaue Indexentwicklung über ein Tauschgeschäft, einen Swap, hereinholen. Hier sind in der Tat einige Standards nötig.

Unterdessen kocht jede Fondsgesellschaft weiter ihr eigenes Süppchen. Bei einer Umfrage unter großen Anbietern und PR-Agenturen waren die Meinungen wie bereits angedeutet geteilt. Allianz Global Investors und Fidelity zeigen ihre Active Shares in den Factsheets an. Die Konkurrenz von der Deutschen Asset & Wealth Management tut das noch nicht. Ebenso fehlt es an einer umfassenden Datenbank. Bei FWW, von dem auch DAS INVESTMENT Fondstabellen bezieht, ist das noch kein Thema. Bei Morningstar arbeitet sich die Redaktion regelmäßig an dem neuen Phänomen ab. In loser Folge gibt es Tabellen mit Active-Share-Rangfolgen. Eine feste Datenbank gibt es aber auch dort nicht. Dafür müsste Morningstar laufend jede Fondsposition jedes Fonds mit Indizes abgleichen. Ein riesiger Aufwand. Selbsttanker werden fündig, einen Tankwart gibt es nicht.

Einig sind sich die Beteiligten immerhin darin, dass der Active Share nicht die alles lösende Kennzahl ist. Er zeigt, wie weit ein Manager vom Index entfernt ist, nicht aber, wie erfolgreich er damit ist. Florian Uleer empfiehlt, die Zahl mit anderen Faktoren zu betrachten: Etwa Anlageziel, Investmentprozess, Tracking Error, Tracking Difference und Sharpe Ratio. „In diesem Zusammenhang hilft sie sehr gut einzuschätzen, was Anleger von einem Portfoliomanager erwarten können“, sagt Uleer.

Wobei das Wörtchen „können“ das wichtigste ist. „Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen einem hohen Active Share und einer starken Performance”, sagt Morningstar-Analystin Natalia Wolfstetter. „Aber er ist eine wichtige Voraussetzung.“

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