Bei Qcoon stößt man auf neue Kollegen gern mit Weißwein an – Grauburgunder, meistens. An diesem Abend steht trotzdem ein tiefroter Rioja vor Oliver Zastrow. Er ist einer von drei Geschäftsführern des Multi-Family-Office Qcoon-Invest, das zuletzt kräftig gewachsen ist: Hamburg, München, Karlsruhe. In einem Markt, in dem gute Berater umkämpft sind wie selten, hat er eine sehr klare Vorstellung davon, wer zu Qcoon passt: „Selbstbewusst, aber nicht arrogant. Souverän und stilsicher, mit Witz und einer gewissen Leichtigkeit.“
Im Glas an diesem Abend: ein Yjar 2018, ein Roter, wo bei Qcoon sonst der Weißwein die Anstoß-Rituale bestimmt. Ein Rioja, den es nur 5.700 Mal gibt, gewachsen auf einer Parzelle, die schon Mönche im 15. Jahrhundert schätzten und die danach über Jahrzehnte in Vergessenheit geriet. Ein Wein, der genau das verkörpert, was Zastrow an seinen Wunschkandidaten sucht: rar, elegant, souverän und mit überragender Präzision. Warum der Yjar als erster spanischer Wein überhaupt über La Place de Bordeaux verkauft wurde, erklärt Henrik Maaß von Liquid Grape im Anschluss.
Zuerst das Gespräch. Der Rioja darf noch atmen.
DAS INVESTMENT: Herr Zastrow, womit stoßen Sie gemeinsam mit Ihren Mitgeschäftsführern an, wenn ein Wunschkandidat den Arbeitsvertrag unterschrieben hat?
Oliver Zastrow: Mit Weißwein oder manchmal zu besonderen Anlässen auch mal mit Champagner.
Bleiben wir kurz beim Genuss: Gibt es bei Qcoon so etwas wie einen „Hauswein“ oder ein Ritual, mit dem neue Kolleginnen und Kollegen im Team willkommen geheißen werden?
Zastrow: Wir trinken entweder Weißwein, mal Cloudy Bay oder heute mehr noch aus Deutschland, etwa aus der Pfalz, das jeden Geschmack trifft. Häufig landen wir bei Grauburgunder.
Kommen wir vom Glas zum Geschäft: Qcoon hat zuletzt stark rekrutiert – in Hamburg, München und Karlsruhe. Was hat diesen deutlichen Personalaufbau notwendig gemacht?
Zastrow: Vor drei Jahren haben wir begonnen, das Geschäftsmodell zu erweitern und somit auch Bedarf an neuen Kollegen durch neues Geschäft erzeugt. Wir verspüren sehr positiven Rückenwind, was die Geschäftsentwicklung angeht. Wir haben in unserer Nische starke Nachfrage von Seiten potenzieller Mandanten. Wir haben über Empfehlungen zuletzt auch initiative Bewerbungen von Bankern und Mitarbeitern anderer Family Offices.
Die Gretchenfrage der Personalsuche: Woran erkennen Sie heute wirklich gute Kolleginnen und Kollegen für die Beratung anspruchsvoller Unternehmerfamilien, jenseits von CV, Titeln und Track Record?
Zastrow: Ich meine, es ist die Empathie unseres Führungsteams, also der Geschäftsführung und Torsten Dohmeyer als Gesellschafter. In der Regel haben wir mehrere Termine im Rekrutierungsprozess, so dass alle die Kandidaten sehen können und diese auch die unterschiedlichen Charaktere bei uns kennenlernen können. Das ist uns wichtig, da wir ein sehr multidisziplinäres Team sind. Aber wir tragen alle die gleiche Qcoon-DNA und den gleichen Wertekanon in uns. Wirklich gute Leute sind selbstbewusst, aber nicht arrogant. Souverän und stilsicher im Auftritt, haben Witz und eine gewisse Leichtigkeit. Dann passen sie zu uns.
Welche Rolle spielt Ihr persönliches Netzwerk bei der Suche nach neuen Beratern und wo stoßen klassische Headhunter-Ansätze im Family-Office-Umfeld an Grenzen?
Zastrow: Das Netzwerk meiner Kollegen und mir in die Industrie, aber auch von Mandantenseite waren bislang fast ausschließlich Ausgangspunkt für Einstellungen. Wir haben daher relativ wenig Erfahrung mit Headhuntern, stehen dem aber nicht negativ gegenüber.
Der Markt ist eng. Was sind aktuell die größten Herausforderungen, qualifizierte Beraterinnen und Berater für ein Family Office zu gewinnen – fachlich wie kulturell?
Zastrow: Das Gehaltsgefüge ist regional sehr unterschiedlich und wir beobachten, dass insbesondere Privatbanken, die in Deutschland Marktanteile gewinnen wollen oder neu in den Markt kommen mit relativ hohen Gehältern locken.
Wie wichtig ist strategische Weitsicht bei neuen Teammitgliedern und wie viel Hands-on-Mentalität erwarten Sie im täglichen Geschäft?
Zastrow: Da wir in der Regel Generalisten suchen und weniger ausschließlich Fach- oder Stabsfunktionen, sind Praktiker mit gutem Netzwerk wichtig. Weitsicht und Strategie können aber nicht schaden. Erfahrungen mit unabhängiger und ganzheitlicher Beratung sowie die Fähigkeit generationsübergreifend akzeptiert zu werden, sind Schlüsselfaktoren.
Ist ein hohes Gehalt heute zwingende Voraussetzung, um überhaupt ins Gespräch zu kommen oder wird es zunehmend selbst zum Problem bei Erwartungshaltung und Motivation?
Zastrow: Die Beobachtung machen wir nicht. Es ist vorrangig das Setup von Qcoon, was Interesse weckt. Am Ende muss das Gesamtpaket natürlich stimmen. Da ist Gehalt eine wichtige Komponente. Ich denke aber, dass unsere Marktstellung, das Team, das Backing, das Bekenntnis der Gesellschafter für Wachstum, unsere flachen Hierarchien und die Tatsache, dass man bei uns eine starke unternehmerische und individuelle Ausprägung leben kann, ausschlaggebend.
Zum Abschluss, wieder persönlich: Wenn Sie heute auf Ihr Team blicken – was unterscheidet für Sie ein gut besetztes von einem exzellent aufgestellten Family Office? Und womit würden Sie darauf anstoßen?
Zastrow: Eine moderne Plattform und digitale Lösungen als Voraussetzung für ein zeitgemäßes Geschäftsmodell. KI bringt den nächsten Sprung nach vorne. Make or buy - eindeutig Buy. Und es sind die Menschen, die bei aller Heterogenität für die gleichen Werte einstehen, Spaß an der Sache haben und top motiviert sind. Auch wenn es pathetisch klingt. Wenn jemand bei uns unterschreibt, gehört der- oder diejenige sofort zur Familie mit allen positiven Konsequenzen. Ich kann mir persönlich keine bessere Company vorstellen. Gerne eine Big Bottle!
Vom Grauburgunder zum großen Rioja, der Sprung passt zum Gespräch. Denn was Zastrow an seinen Wunschkandidaten schätzt, steht an diesem Abend auch im Glas: etwas Rares, Elegantes, das sich Zeit nimmt und seinen Wert nicht über Lautstärke definiert.
Der Wein: Yjar 2018 – Wiedergeburt eines vergessenen Schatzes
Ein 3,8 Hektar großer Weinberg in den Kalksteinhügeln der Sierra de Toloño, den schon Hieronymus-Mönche im 15. Jahrhundert für wertvoll hielten: Rund 600 Jahre später, nach einem verheerenden Brand und Jahrzehnten der Vergessenheit, ist er im modernen Weininvestment angekommen.
In 600 bis 800 Metern Höhe, wo Nordwinde von den Gipfeln des Monte Toloño herabwehen, liegt Labastida. Hier bewirtschafteten Mönche seit den 1400er-Jahren einen Weinberg, der nach einem Brand im 19. Jahrhundert aufgegeben wurde und bis in die 1960er-Jahre brach lag. Telmo Rodríguez, der unter anderem bei Pétrus und Cos d'Estournel ausgebildete Winzer, gilt als einer der talentiertesten Rioja-Macher. Vor rund zehn Jahren übernahm er diese Parzelle.
Der Yjar 2018, erst die zweite Vinifikation des Projekts, entstand aus Tempranillo, Garnacha, Graciano und weiteren autochthonen Rebsorten. Im Mai 2021 wurden gerade einmal 5.700 Flaschen abgefüllt. James Suckling gab dem Wein 100 Punkte und nannte ihn „Telmo Rodríguez' Rioja-Antwort auf erstklassigen Bordeaux“. Jane Anson bewertete ihn mit 98 Punkten.
Die Ökonomie der Seltenheit
Der Yjar war der erste spanische Wein überhaupt, der über das prestigeträchtige La-Place-de-Bordeaux-System veröffentlicht wurde – für einen Rioja ein bis dahin beispielloser Schritt. Aktuell liegt der Marktpreis bei über 100 Euro pro Flasche, und das Trinkfenster reicht von 2024 bis 2041, was der Wertentwicklung Zeit lässt.
Mit nur 3,8 Hektar Rebfläche und einer Jahresproduktion, die kaum vierstellig bleibt, ist Yjar eine echte Rarität. Ein Kultobjekt, dessen Wert sich ebenso aus der Qualität wie aus der schieren Unerreichbarkeit speist.
Der Genussmoment
Suckling beschreibt den 2018er als „zurückhaltend opulent und raffiniert, mit überragender Präzision“. Der Kalkstein der Böden prägt den langen, würzigen Abgang; das Ergebnis ist kein schwerer, sondern ein eleganter, terroir-betonter Wein.
Im Glas verbinden sich die Geschichte des Weinbergs und sein Kalkstein-Terroir zu einem außergewöhnlichen Wein. Eingelagert ist die Flasche zugleich ein Stück wiedergeborener Weinbau-Kultur und ein Asset, dessen Kurspotenzial über die nächsten 20 Jahre steigen dürfte – und das in einem Preisbereich, in dem man den Wein auch einfach trinken kann.
Von Henrik Maaß, Liquid Grape
