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“Auf Unternehmen konzentrieren, die nicht am Subventionstropf hängen“

Peter Dreide, Fondsmanager 4Q-Smart Power
Peter Dreide, Fondsmanager 4Q-Smart Power
DAS INVESTMENT: Die Energiewende wird in Deutschland immer kritischer gesehen. Vor allem die hohen Kosten werden bemängelt. Spüren Sie diese Vorbehalte konkret im Fondsvolumen? Gibt es größere Abflüsse?

Peter Dreide, Fondsmanager 4Q-Smart Power:
Nein, das Gegenteil ist der Fall. Der Fonds konnte auf Jahresbasis deutliche Mittelzuflüsse verzeichnen und liegt jetzt bei 126 Millionen Euro. Vor einem Jahr waren das noch 63 Millionen Euro. Also eine Verdoppelung des Fondsvolumens. Insbesondere bei institutionellen Anlegern stößt das Konzept des Fonds mit der Konzentration auf das Thema „Smart Grid“ und „Smart Power Generation“ auf große Resonanz.

Man kann durchaus sagen, dass wir hier ein gewisses „Alleinstellungsmerkmal“ haben, da viele andere Fonds sich eher auf den Themenblock der regenerativen Energiegewinnung ausgerichtet haben. Sicherlich sind Zuflüsse auch der guten Wertentwicklung zu verdanken. Der 4Q-Smart Power ist einer der wenigen Fonds in diesem Segment, mit denen in den letzten Jahren Performance generiert werden konnte.


DAS INVESTMENT: Warum ist das Thema Energiewende nach wie vor aus Anlegersicht interessant?

Trotz aller negativen Schlagzeilen rund um das Thema „Energiewende“ wird die Politik das Thema weiter forcieren. Nicht nur in Deutschland. Japan hat nach der Fukushima-Katastrophe einen neuen Energiemix beschlossen, der mehr „Co-Generation“ mit Gaskraftwerken beinhaltet.

Die USA wollen ein verlässliches und stabiles Stromnetz flächendeckend aufbauen und durch den Einsatz von Technologie als eines der ersten Länder der Welt ein sogenanntes Smart Grid (steuerbares intelligentes Stromnetz) erstellen. Darüber hinaus gibt der niedrige Gaspreis in den USA zusätzliche energiepolitische Impulse im Transport- und Energieerzeugungsbereich.

DAS INVESTMENT: Aber viele so genannte Neue-Energien-Fonds haben sich bislang nicht so entwickelt wie vorgesehen. Was machen Sie anders als die meisten Ihrer Fondsmanagerkollegen?

Ich hatte das große Glück, Anfang 2011 nach China reisen zu können und mir dort ein Bild von den Produktionsstätten für Photovoltaik-Anlagen zu machen. Wenn Sie bis zum Horizont nur Fabrikdächer sehen, unter denen Panels hergestellt werden, wird schnell klar, dass über kurz oder lang das Thema insbesondere in Deutschland erledigt sein dürfte.

In der Euphorie nach Fukushima haben viele den Fokus auf erneuerbare Energien wie Wind und Solar gelegt und sind damit nicht besonders gut gefahren. Wir haben uns – auch bedingt durch unseren stringenten Aktien-Selektionsprozess – auf Unternehmen konzentriert, die im Umfeld dieses Themas richtiges Geld verdienen und nicht am Subventionstropf abhängig sind.


DAS INVESTMENT: Wo liegt das besondere Potenzial von Smart Grids?

Das Grundproblem liegt nicht in der Produktion von sauberem Strom aus Wind, Sonne oder Wasser, sondern a) im Transport der Energie vom Produktionsstandort zum Verbraucher und b) in der Schwankung der produzierten Strommenge. Wir brauchen aber im Stromnetz eine Grundspannung, die es aufrecht zu erhalten gilt. Hier ist der zentrale Ansatzpunkt des Smart Grid. Durch Einsatz von Informationstechnologie zur Steuerung beziehungsweise durch ein Zwei-Wege-Netz wird es möglich, den Strom dahin zu leiten, wo er gebraucht wird, und ihn gegebenenfalls auch im Netz für Verbrauchsspitzen zwischen zu speichern.

Um dies zu realisieren, sind allerdings noch erhebliche Investitionen insbesondere in den Ausbau des Netzes an sich notwendig, um die wir aber nicht herum kommen werden. Durch eine vollständige Vernetzung und Digitalisierung hin zu Smart Grids könnten alleine im deutschen Energiesektor rund neun Milliarden Euro jährlich eingespart werden. Das hat eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des Bitkom zu Intelligenten Netzen ergeben. Das heißt Investitionen in das Smart Grid werden sich mittelfristig auszahlen


DAS INVESTMENT: Welche Themen-Schwerpunkte setzen Sie in Ihrem Fonds?

Aktuell gewichten wir die Themen „Smart Grid“ und „Smart Power Generation“ je hälftig. Das heißt einerseits die Produktion und andererseits die Distribution des Stromes über das Netz.


DAS INVESTMENT: Wie ist Ihr Fonds aktuell positioniert? Welche Geschäftsfelder im Smart-Grid-Bereich sind besonders aussichtsreich?

Aktuell gefallen uns die Vereinigten Staaten und das Thema Flüssigerdgas sehr gut. Aber die Energiewende ist ein globales Thema. Die Internationale Energieagentur schätzt das Investitionsvolumen für den weltweiten Aufbau von Infrastruktur und Stromerzeugung auf 10 Billionen US-Dollar.

Das Anlageuniversum reicht von Turbinenherstellern über Kabellieferanten bis hin zu Softwareunternehmen, die für die Steuerung verantwortlich sind. Ein sehr heterogenes Thema, man kann aber eigentlich keinen Sektor auslassen – außer aktuell den Bereich regenerative Energien.


DAS INVESTMENT: Und regional? Welche Länder bevorzugen Sie derzeit?

USA, Europa, Japan und Australien. Insbesondere die USA sind aktuell durch die Umwälzungen bei der Förderung fossiler Brennstoffe und der Verlagerung auf Erdgas sehr interessant.


DAS INVESTMENT: Können Sie uns ein, zwei Depotbeispiele geben, bei denen das Potenzial deutlich wird?

Die französische Schneider Electric ist in unseren Augen eines von zwei Unternehmen weltweit, die heute schon die Technologie zur Steuerung von Smart Grids besitzen und somit eine unserer Kernanlagen im Fonds.

Eine weitere Kernposition ist Quanta Services aus den USA. Quanta plant und baut Stromnetze in den USA sowie Pipelinesysteme für den Transport von Gas (wie zu Stromkraftwerken).


DAS INVESTMENT: In der Diskussion um die Energiewende wird das Thema Energieeffizienz oft vernachlässigt. Auch Sie haben nur einen sehr geringen Anteil in Ihrem Fonds. Woran liegt das?

Der geringe Anteil ergibt sich aus der engen Definition von Energieeffizienz. In diese Definition fällt zum Beispiel die Leuchtdioden (LED) Technik. Technisch gesehen ein großer Sprung nach vorne, um signifikante Einsparungen im Stromverbrauch zu generieren. Allerdings findet nur eine Substitution statt, das heißt die klassische Glühlampe wird gegen eine LED-Version ausgetauscht und der Durchschnittspreis für LED-Lampen sinkt immer weiter, weil in großen Stückzahlen produziert wird. Ein Unternehmen, das LED-Lampen herstellt, verdiente bisher dadurch eher weniger als mehr und war somit als Investitionsobjekt unattraktiv, denn am Ende wollen wir für unsere Investoren Performance generieren.

Unseres Erachtens sollte man deshalb differenzieren, was unter Energieeffizienz zu subsumieren ist. Denn auch Smart Grid bedeutet ja eine effizientere Verteilung und intelligente Nutzung des produzierten Stromes. Wenn das Smart Grid flächendeckend eingeführt wird, ist das an sich eine gigantische Energieeffizienz-Maßnahme. Daher ist das Thema aktuell auch mit 46 Prozent¬ im Fonds gewichtet.

Darüber hinaus unterscheiden wir im Portfolio noch nach Unternehmen, die sich explizit der Einsparung von Energie auf der Produktseite widmen. Daher auch bisher die geringe Gewichtung dieses Sektors. Jedoch sehen wir jetzt die kritische Größe am Umsatz bei den Unternehmen erreicht und bauen den Bereich sukzessive auf.

Die angesprochene Umstellung auf Energiegewinnung aus Erdgas in den USA ist ebenfalls ein Thema, das Investitionen in neue Turbinen notwendig macht. Diese besitzen einen deutlich höheren Effizienzgrad als alte Kohlekraftwerke – bei gleichzeitig deutlich geringerem CO2 Ausstoß ohne sauren Regen. In diese Richtung bewegen sich mehr und mehr Länder. Per Saldo ist die Bedeutung der Energieeffizienz in unserem Portfolio also deutlich höher als es zunächst den Anschein hat.


DAS INVESTMENT: Der Cash-Anteil in Ihrem Fonds war zwischenzeitlich mit 23 Prozent recht hoch. Mittlerweile haben Sie die Aktienquote wieder deutlich erhöht. Wo sind Sie fündig geworden?

Liquiditätssteuerung heißt für uns auch Risikosteuerung. Hohe Cash-Bestände halten wir aber nur kurzfristig. Unseren Investments geht eine quantitative Analyse voraus, die uns Zielbereiche für eine jeweils maximal zu erreichende Performance pro Titel liefert. Wird diese erreicht, verkaufen wir den Titel. Wenn also der Markt insgesamt ein ausgereiztes Bewertungsniveau erreicht hat, erhöhen wir gemäß unserem Investmentansatz die Liquidität. Kommen die Titel unseres Anlageuniversums in ihrer Bewertung wieder auf ein moderates Niveau zurück, setzen wir diese Liquidität wieder gezielt für Zukäufe ein.


DAS INVESTMENT: Nach welchen Kriterien suchen Sie die Unternehmen aus?

Durch unsere Research-Reisen kommen wir mit sehr vielen interessanten Firmen in Kontakt. Allerdings ist eine gute Story im richtigen Umfeld noch nicht alles. Wir als TBF Global Asset Management haben für alle unsere Fonds eine quantitative Analyse vorgeschaltet, bei der wir die aktuelle und vor allem zukünftige Bewertung eines Unternehmens prüfen. Vereinfacht gesagt: Ist das Unternehmen gesund und gibt es in der Kursentwicklung noch Spielraum nach oben? Erst wenn uns dieser Prozess ein positives Signal liefert, können wir Anteile des jeweiligen Unternehmens für den Fonds erwerben. Also eine Verknüpfung aus gesundem Menschenverstand und harten, emotionslosen Daten der Maschine.


DAS INVESTMENT: Auf welche Anleger- und Investorengruppen zielen Sie mit Ihrem Fonds?

Grundsätzlich steht der Fonds jedem Anleger, der in das Thema investieren möchten offen und wir freuen uns über jeden Anleger. Der Fonds ist ebenfalls sparplan-fähig.


DAS INVESTMENT: Anleger und Vertrieb orientieren sich nicht selten an Auszeichnungen. Welche können Sie vorweisen?

Seit der Auflegung des 4Q-Smart Power im Jahr 2009 sind mittlerweile einige zusammengekommen. Besonders hat uns gefreut, dass wir für unsere Arbeit in diesem Jahr mit fünf Morningstar Sternen in unserer Kategorie honoriert wurden. Hinzu kommt noch der Euro Fund Award und der „Alternative Investments Award“ des österreichischen Geldmagazins. Das sind nur die Auszeichnungen, die wir in diesem Jahr erhalten haben.

Vielen Dank für das Gespräch!


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