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Mandarine-Fondsmanager im Interview
Augustin Lecoq: „Diese Treiber sprechen aktuell für Nebenwerte“
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Mandarine-Fondsmanager im Interview Augustin Lecoq: „Diese Treiber sprechen aktuell für Nebenwerte“

Fondsmanager Augustin Lecoq mit DAS-INVESTMENT-Redakteurin Iris Bülow
Fondsmanager Augustin Lecoq mit DAS-INVESTMENT-Redakteurin Iris Bülow | Foto: Iris Bülow

Wenn er über kleine Unternehmen mit einer pfiffigen Geschäftsidee spricht, gerät Augustin Lecoq ins Schwärmen. Kein Wunder: Welche Unternehmen, wenn nicht die kleinen Perlen, haben schon die reale Aussicht, sich in Zukunft potenziell noch einmal zu verhundertfachen?

Lecoq ist einer von zwei Co-Portfoliomanagern der Nebenwerte-Fonds Mandarine Europe Micro Cap (ISIN: LU1303940784) und Mandarine Global Micro Cap (LU1329694266)Die französische Gesellschaft Mandarine Gestion wurde kürzlich von der LFPI-Gruppe übernommen, der Name Mandarine blieb dabei jedoch erhalten.

Im Interview mit unserem Portal erläutert der Anlagespezialist, was nach dem jüngsten Kurstief aktuell für eine starke Rückkehr der „Kleinen“ spricht und warum - auf lange Sicht - die Aussichten für Nebenwerte erfahrungsgemäß besonders gut sind. Ebenso verrät er, was er an seinem Job besonders schätzt.

DAS INVESTMENT: Herr Lecoq, Nebenwerte haben eine Durststrecke hinter sich. Dieses Jahr setzen Investoren aber wieder große Hoffnungen in sie. Als Fondsmanager, der in diesem Bereich fischt, sind Sie zwar parteiisch. Dennoch: Wie beurteilen Sie die Lage?

Augustin Lecoq: Auf lange Sicht haben wir grundsätzlich immer die Erwartung, dass sich mit Nebenwerten ein besseres Anlageergebnis erzielen lässt als mit großen Unternehmen. In sechs oder sieben von zehn Jahren trifft das auch zu. Der Grund ist: Small Caps liefern mehr profitables Wachstum.

Gerade hatten wir allerdings zwei Jahre, in denen Nebenwerte überhaupt nicht gut liefen.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

Lecoq: Ja, seit die Inflation und die Zinssätze hochgingen, haben Micro Caps darunter gelitten, dass Investoren Risiko aus ihren Portfolios genommen haben. Etwa seit November hat sich das aber geändert. Der Markt erwartet wieder sinkende Zinsen. Das sehe ich als Beginn eines neuen Marktzyklus an. Small und Micro Caps könnten wieder vorne liegen – so wie in der Vergangenheit.

Wie erklären Sie sich das schlechte Abschneiden zuvor?

Lecoq: In den vergangenen zwei Jahren sind viele Mittel aus den Aktien abgeflossen. In der Folge sanken ihre Bewertungen. Jetzt hat man dort wieder ein attraktives Universum zu attraktiven Preisen.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass es bergauf geht?

Lecoq: Es gibt mehrere Treiber, die aktuell für Nebenwerte sprechen: Die Inflation dürfte zurückgehen, die Zinssätze sinken voraussichtlich, Investoren schalten wieder in den Risk-on-Kurs. Wir erwarten, dass jetzt einige Gewinne bei Large Caps mitgenommen werden. Diese werden auch in Small und Micro Caps investiert.

Sehen Sie spezielle Regionen oder bestimmte Industrien, die im Nebenwerte-Kosmos aktuell besonders aussichtsreich erscheinen?

Lecoq: In meinem Investmentprozess bin ich neutral, was Länder anbelangt. Selbst wenn mir ein Land einmal gefällt, werde ich es als Stockpicker nicht übergewichten. Ich möchte kein spezielles Risiko aufbauen. Es gibt aber durchaus Märkte, die aktuell attraktiver als andere erscheinen. In Europa ist das zum Beispiel Schweden. Dort findet man viele qualitativ gute und schnell wachsende Unternehmen. Schweden war im Micro-Cap-Universum verglichen mit allen europäischen Ländern von 2019 bis 2021 schon einmal der beste Markt. 2022 und 2023 schnitt es allerdings besonders schlecht ab. Jetzt könnte das Land stark zurückkommen. Außerdem ist Großbritannien aus meiner Sicht interessant. Nach dem Brexit gibt es dort sehr attraktiv bewertete Unternehmen, auch viele Micro Caps. Vielleicht auch noch Italien. Dort gibt es viele interessante Industrie-Unternehmen, die aktuell sehr niedrig bewertet sind.

„Eine gute Anlageregion für Nebenwerte ist Japan.“

Wie sieht es bei Nebenwerten außerhalb Europas aus?

Lecoq: Eine gute Anlageregion ist Japan. Im Mandarine Global Micro Cap machen japanische Unternehmen 25 Prozent aus. Japanische Unternehmen haben schon seit vielen Jahren niedrige Bewertungen. Seit 2023 ermuntern die lokalen Behörden außerdem kleine Unternehmen, sich mehr um ihre Anleger zu kümmern. Sie sollten über Aktienrückkäufe nachdenken und mögliche Beteiligungen oder Übernahmen in Erwägung ziehen. Viele japanische Unternehmen horten noch viel Cash – und die Zinsen liegen weiter bei null. Der japanische Yen ist ebenfalls schwach – gut für Exporteure. Japan ist auch stark in der Halbleiterindustrie. Unter den dortigen Micro Caps gibt es viele attraktiv bewertete Zulieferfirmen mit guten Wachstumsaussichten.

Gibt es allgemein Branchen, die Sie bevorzugen?

Lecoq: In unseren beiden Fonds, Mandarine Europe Micro Cap und Mandarine Global Micro Cap, sehen wir weder auf bestimmte Länder noch auf Industrien. Interessante Unternehmen finden wir in allen möglichen Sektoren. Aktuell kann man als Micro-Cap-Investor allerdings einiges Beta im Immobiliensektor finden. Dort leiden viele Unternehmen unter der Immobilienkrise. Es wird ausgesiebt: Die schwächeren gehen unter, die stärkeren bleiben übrig. Die Unternehmen dürfen nicht zu hoch verschuldet sein. Wir investieren aktuell zum Beispiel in den französischen Immobilienentwickler Kaufman & Broad. Wenn man nach Wachstumsunternehmen sucht, ist außerdem der europäische Healthcare-Sektor spannend. Man findet lokale Champions, die zu globalen Akteuren werden können. Und auch der Bereich Halbleiter. Das Thema ist gefragt, man findet dort viele interessante Micro-Cap-Unternehmen.  

Stellen Sie uns mal bitte Ihre perfekte Aktie vor.

Lecoq: Philosophisch betrachtet mag ich eine Aktie, bei der das Management selbst in das Unternehmen investiert ist. So herrscht wahre Interessengleichheit. Das ist im Micro-Cap-Universum oft so. Die Bilanz muss stark sein, so dass sie Krisen standhält. Und das Unternehmen muss sich klar von seinen Wettbewerbern abheben – durch ein gutes Management-Team, ein super Produkt oder weil es das erste im Markt ist. Die meisten Beautiful Stories im Micro-Cap-Bereich schreiben lokale Champions, die zu globalen Champions werden. Neben dem Unternehmen muss uns natürlich auch die Bewertung gefallen. Wir halten nach GARP-Unternehmen Ausschau: Growth at Reasonable Price.