Bleiben der Starcapital auch weiterhin erhalten: Peter E. Huber (li.), Markus Kaiser (mitte) und Norbert Keimling

Bleiben der Starcapital auch weiterhin erhalten: Peter E. Huber (li.), Markus Kaiser (mitte) und Norbert Keimling

AuM, Vertriebsstruktur und Personal

Was ist Starcapital überhaupt wert?

//
Der Verkauf der Fondsboutique Starcapital an die Schweizer Bellevue Group war eine kleine Überraschung in der Branche. Die Vermögensverwaltung aus dem Taunus (Oberursel) ist das Lebenswerk von Peter E. Huber.

Die öffentlichen Fakten sind schnell erzählt: Bellevue übernimmt den deutschen Vermögensverwalter und plant eine Kapitalerhöhung um 30 bis 40 Millionen Schweizer Franken. Die verkaufende Gesellschaft Huber Portfolio, bisherige Alleinaktionärin von Starcapital, bekommt im Gegenzug einen Anteil an der Schweizer Gruppe. Die wichtigsten Personen – Peter E. Huber (aktives Fondsmanagement), Markus Kaiser (ETF-Strategien) und Norbert Keimling (Kapitalmarktforschung) – bleiben an Bord. Die Marke Starcapital soll erhalten bleiben.

Doch was ist Starcapital überhaupt wert?

Zunächst einmal sind für die Bewertung von Starcapital die betreuten Vermögenswerte entscheidend. Die Fondsboutique kommt auf rund 2,3 Milliarden Assets under Management (AuM), davon gut 1,5 Milliarden Euro in Publikumsfonds. Da deren Gebühren deutlich höher bei institutionellen Spezialfonds liegt, kann von einer gehobenen Profitabilität bei Starcapital ausgegangen werden. Auch dürften die betreuten Kundengelder unverseucht sein, das heißt keinerlei Schwarzgelder darin vorkommen. Böse Überraschungen für den Käufer dürften damit also ausgeschlossen sein.

Eine Befragung unter Vermögensverwalter ergab, dass derzeit für Vermögensverwaltungen je nach Margenstärke 1,25 bis 1,75 Prozent der Vermögensgelder gezahlt wird. Bei Starcapital dürften die Qualität und Profitabilität der AuM eher für einen höheren Faktor sprechen. Bei 1,50 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro läge der Unternehmenswert bei 34,5 Millionen Euro, bei 1,75 Prozent bei 40,3 Millionen Euro. Beides entspricht auch ungefähr der geplanten Kapitalerhöhung der Bellevue Group.

Wert einer Vertriebsstruktur

Zwei weitere Faktoren dürften den letztendlichen Kaufpreis nach oben getrieben haben. Zum einen dürften den Schweizern eine deutsche Vertriebszulassung sowie ein bestehender Vertrieb von einer Hand voll Vertriebsmitarbeitern etwas Wert sein. Das Zulassungsverfahren der Bafin ist für Schweizer Adressen in den vergangenen Jahren zumindest nicht leichter geworden. Der Wert von Zulassung und Vertriebsstruktur dürfte im mittleren einstelligen Millionenbereich liegen, erklärte ein Branchenexperte.

Der zweite Faktor dürften die Halteprämien für die entscheidenden Mitarbeiter von Starcapital sein. Von den 16 Angestellten sind immerhin sieben Mitarbeiter im Portfoliomanagement tätig. Diese stehen für den Erfolg der Investmentstrategien. Üblich sei in der Branche, das 300.000 bis 500.000 Euro Halteprämie, gestreckt über zwei Jahre, für diese gezahlt werden. Den Kaufpreis dürfte dies also um 2,1 bis 3,5 Millionen Euro teurer machen.

Summa summarum

Rechnet man alles zusammen, kommt man auf einen geschätzten Kaufpreis beziehungsweise Kostenposten für Bellevue von rund 40 bis knapp 50 Millionen Euro. Bei bisherigen Transaktionen in der Branche war es nicht selten so, dass die Kaufsumme in einen kurzfristig zu zahlenden Bestandteil und einen weiteren Teil für die nächsten Jahre, der von Konditionen abhängig war, aufgeteilt wurde.

Die Übernahme wird übrigens von vielen Branchenmitgliedern sehr positiv gesehen. Die beiden Asset Manager würden sich sinnvoll in ihrem Produkt-/Dienstleistungsangebot ergänzen, heißt es unisono. Starcapital bietet eher massentauglichen Fonds (globale Aktien-, Renten- und vermögensverwaltende Strategie sowie seit einiger Zeit ETFs) und Bellevue Sektor- und Regionenthemen (Biotech, Familienunternehmen, Afrika).

Mehr zum Thema
Starcapital Winbonds plusPeter E. Huber: „Zu 90 Prozent fällt der Dax nicht unter 8.000 Punkte“ Peter E. Huber„Dax wird zu 90% nicht unter 8.000 Punkte fallen“