Christian Nicolaisen (Redakteur)Lesedauer: 4 Minuten

Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes Was Bundestagsabgeordnete über Facebooks „Libra“ wissen

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Der Wechselkurs in staatliche Währungen könne daher in Abhängigkeit von der Wertentwicklung dieser sogenannten „Libra“-Reserve schwanken, die Volatilität wäre aufgrund der ausgewählten Vermögenswerte jedoch gering.

Durch den Kauf von Staatsanleihen könnte die „ Libra Association“ zu einem wichtigen Gläubiger vieler Staaten werden und auf diese Weise Druck ausüben, warnen die Experten. Gefährdet seien hier vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer. Erreiche „Libra“ erst eine systemrelevante Anlagesumme, müssten zudem die Staaten eingreifen, um die Kryptowährung im Notfall mit Steuergeldern vor dem Zusammenbruch zu retten.

Zudem sei denkbar, dass Facebook mit der neuen Währung die Tektonik der Finanzsysteme in bestimmten Ländern verschieben könnte: Sollten Bürger in Ländern mit Weichwährungen in großen Mengen Geld in „Libra“ investieren, könnte der Kurs der Landeswährung entsprechend einbrechen. Gleichzeitig würden spiegelbildlich die herkömmlichen Preise in die Höhe schießen. Eine Kontrolle dieser Inflation könnte unter Umständen für die Finanzpolitik der Staaten eine große Herausforderung darstellen, so die Autoren.

Neben einer möglichen Kapitalflucht aus Währungen wird auch das Risiko gesehen, dass das massenhafte Horten von „Libra“ in den virtuellen Geldbörsen die Banken in ihren Grundfesten erschüttern könnte. „Wenn Banken keine Einlagen mehr einsammeln, könnten sie auch keine Kredite mehr an Häuslebauer oder Unternehmer vergeben, zitiert die Ausarbeitung das ehemalige Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, Joachim Wuermeling.

Für die Auswirkungen auf die Finanzstabilität zieht der wissenschaftliche Dienst eine Einschätzung der Bundesbank heran: Besonders starke Implikationen für die Finanzstabilität wären demnach zu erwarten, „wenn Finanzinstitute oder Fonds Krypto-Token direkt oder indirekt in ihren Bilanzen halten. Im Fall einer unmittelbaren Anlage in Krypto-Token zum Beispiel könnten starke Preisschwankungen oder Liquiditätsengpässe zu Panikverkäufen und hohen Verlusten führen. Die Stabilität des Finanzsystems als Ganzes könnte dann beeinträchtigt werden.“

Weiter heißt es: „Wenn sie in großem Maße mit Krypto- Token besicherte Kredite an Haushalte vergeben, wären sie indirekt potenziellen Verwerfungen auf dem Markt für Krypto-Token ausgesetzt. Wären sehr viele Haushalte von starken Kursverlusten betroffen, können vermehrt Kredite ausfallen – mit potenziell hohen Verlusten im Finanzsektor.“

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