Ausblick 20 oder 70 Dollar? So sieht BlackRock den Ölpreis 2019

Arbeiter auf dem Wolfcamp-Ölfeld in Texas, USA: 20 Milliarden Barrel Rohöl, 450 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 1,6 Milliarden Barrel Kondensate sollen hier lagern. | © Getty Images

Arbeiter auf dem Wolfcamp-Ölfeld in Texas, USA: 20 Milliarden Barrel Rohöl, 450 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 1,6 Milliarden Barrel Kondensate sollen hier lagern. Foto: Getty Images

Sowohl der Ölpreis als auch die Energieaktien verzeichneten in den ersten drei Quartalen 2018 eine Rally. Bis Anfang Oktober 2018 verteuerte sich Öl der Sorte Brent um 29 Prozent auf 86 US-Dollar je Barrel, während der MSCI World Energy Index 9,5 Prozent zulegte. Grund für den Anstieg war das knappe Angebot am Markt, denn die globale Nachfrage war ungebrochen.

Lagerbestände in OECD-Ländern unterdurchschnittlich

Zugleich wurde die Ausweitung der US-Schieferölproduktion durch Infrastrukturengpässe gebremst, und die geopolitischen Spannungen nahmen zu, als die USA neue Sanktionen gegen den Iran ankündigten. In den OECD-Ländern fielen die Lagerbestände unter den Fünfjahresdurchschnitt. Marktbeobachter begannen sich zu fragen, wie lange es wohl dauern würde, bis der Ölpreis die Marke von 100 US-Dollar je Barrel erreichen würde.

Entwicklung von Rohölpreis und Energiewerten im Jahr 2018:

In Erwartung sanktionsbedingter Produktionsausfälle im Iran weiteten die OPEC-Länder und Russland ihre Produktion jedoch aus, um einen weiteren Anstieg des Ölpreises zu verhindern. US-Präsident Donald Trump erließ daraufhin unerwartet Ausnahmeregelungen für Kunden des Iran, sodass die iranischen Exporte weniger stark einbrachen als befürchtet. Ein gewisses Überangebot am Markt war die Folge.

Schwarzer Oktober für Ölpreise und Energieaktien

Unterdessen senkten die Internationale Energieagentur (IEA) und die US-Energieinformationsbehörde (EIA) die Prognosen für die globale Ölnachfrage. Die Wende kam dann im Oktober, als die Ölpreise und mit ihnen die Energieaktien abstürzten. Beschleunigt wurde ihre Talfahrt durch wirtschaftliche Unsicherheiten und die Auflösung von Netto-Long-Positionen an den Finanzmärkten.

Gegen Jahresende vereinbarten die OPEC und andere große Ölproduzenten daher Förderkürzungen, um das Angebot am Markt um 1,2 Millionen Barrel pro Tag zu verringern. Dies reichte jedoch nicht, um den Preisverfall zu stoppen: Ein Fass Brent-Öl kostete am Jahresende nur noch 51 US-Dollar.

Ölpreise 2019: 60 bis 70 US-Dollar je Barrel möglich

Nach unserer Einschätzung liegen die Grenzkosten derzeit bei etwa 60 bis 70 US-Dollar je Barrel. Zu dieser Spanne dürften die Ölpreise 2019 zurückkehren, wenn sich die Konjunktur nicht merklich abkühlt. Was das Angebot betrifft, wird die OPEC die Preise unseres Erachtens weiterhin stützen. Viele Mitgliedsstaaten werden die vereinbarten Produktionskürzungen wohl einhalten.

Von zentraler Bedeutung für das globale Ölangebot ist auch die US-Schieferölproduktion. Sie trägt zwar nur rund 8,1 Millionen Barrel zum Gesamtmarktvolumen von etwa 99 Millionen Barrel pro Tag bei, ihr Zyklus ist jedoch kürzer, und sie ist die wichtigste Angebotsquelle außerhalb der OPEC. In unserem Basisszenario gehen wir in diesem Jahr von einem starken, aber nicht übermäßigen Anstieg der US-Schieferölförderung von weniger als 1,2 Millionen Barrel pro Tag aus.

Angebot an Schieferöl dürfte deutlich steigen

Das Problem der fehlenden Pipelines, dass die Produktionsausweitung bei US-Schieferöl 2018 gebremst hat, scheint nahezu gelöst. Dies dürfte das Angebot kräftig ankurbeln. Zugleich aber konzentrieren sich amerikanische Explorations- und Produktionsfirmen inzwischen stärker auf die Kapitaldisziplin, was die gegenteilige Wirkung haben dürfte. Die Unternehmen in diesem Marktsegment haben ihr Verhalten spürbar verändert: Ihnen geht es nicht mehr allein um Wachstum, sondern vermehrt auch um eine gute Rendite für Aktionäre.

Unseres Erachtens wird sich dieser Trend fortsetzen und die Ausweitung der Produktion in Grenzen halten. Zudem erwarten wir, dass Unterinvestitionen außerhalb der OPEC und der USA das Angebot in diesem Teil des Marktes schrumpfen lassen. Zum Kontext: Gegenwärtig liegen die Investitionen in die Energieversorgung auf Basis fossiler Brennstoffe weltweit ein Drittel unter dem Niveau des Jahres 2014.

Kurse von Energieaktien koppeln sich vom Ölpreis ab:

Die dargestellten Zahlen beziehen sich auf die Wertentwicklung in der Vergangenheit. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein zuverlässiger Indikator für aktuelle oder zukünftiger Ergebnisse.

Bei Energieaktien preisen Anleger nach unserer Einschätzung einen zu pessimistischen Ausblick für den Ölpreis ein. Die Kurse haben sich schon seit Anfang 2017 von der Entwicklung an den breiteren Aktienmärkten und vom Ölpreis abgekoppelt. Wir sehen darin ein Vertrauensproblem und erwarten, dass es bei Energieaktien mit wachsender Zuversicht in einen dauerhaft über 60 US-Dollar je Barrel liegenden Ölpreis wieder bergauf gehen wird.