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in KonjunkturLesedauer: 6 Minuten

Bantleon-Chefvolkswirt gibt Ausblick für 2023 „Aktienmärkte geraten unter Druck, Staatsanleihen feiern Comeback“

Eine volle Einkaufsstraße in NRW zur Vorweihnachtszeit
Eine volle Einkaufsstraße in NRW zur Vorweihnachtszeit: „Der Konsum steht unter Druck – die Konsumenten der großen Industrieländer leiden unter hohen Inflationsraten und damit einem enormen Kaufkraftentzug“, meint Hartmann. | Foto: Imago Images /Jochen Tack

Die meisten Analysten rechnen in den nächsten Quartalen mit einer weltwirtschaftlichen Abkühlung. Die Meinungen gehen jedoch auseinander, ob es sich dabei um einen milden oder scharfen Abschwung handelt. Tatsächlich dürfte die Weltwirtschaft in eine Rezession schlittern – und die USA sollten sich dabei als treibende Kraft erweisen. Deshalb werden die Aktienmärkte im Jahr 2023 massiv unter Druck geraten, während Top-Staatsanleihen ein Comeback feiern.

Für diese Prognose gibt es gute Gründe: So haben die Notenbanken weltweit die Leitzinsen innerhalb kürzester Zeit so kräftig angehoben wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der daraus resultierende Zinsschock ist der größte seit den 1980er Jahren. Die Renditen 2‑jähriger US-Treasuries etwa sind innerhalb von nur zwölf Monaten um mehr als 4 Prozentpunkte nach oben gesprungen. An den Immobilienmärkten sind die Auswirkungen der massiven Zinsbewegung bereits spürbar: In den USA sind die Wohnbauinvestitionen seit dem Hochpunkt inzwischen um 15 Prozent eingebrochen, in Deutschland die Bauaufträge um über 20 Prozent.

 

 

Über kurz oder lang werden auch die Unternehmensinvestitionen in den Abwärtsstrudel geraten, zumal die Unternehmen einer Vielzahl weiterer Belastungen ausgesetzt sind, beispielsweise anziehenden Lohnkosten und hohen Rohstoffpreisen. In der Folge ist der Druck auf die Gewinnmargen so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Auch der Konsum steht unter Druck – die Konsumenten der großen Industrieländer leiden unter Inflationsraten zwischen 6 Prozent (Frankreich) und 12 Prozent (Italien) und damit einem enormen Kaufkraftentzug.

Der Zuwachs des verfügbaren Einkommens kann damit nicht Schritt halten. Zum Ausdruck kommen die massiven Belastungen in unseren vorlaufenden Frühindikatoren, die alle bis weit ins Jahr 2023 steil nach unten gerichtet sind. Der konjunkturelle Tiefpunkt dürfte demnach erst im 2. Halbjahr 2023 durchschritten sein. In Anbetracht dessen gehen wir davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone und das der USA ab Ende 2022 mindestens drei Quartale in Folge schrumpft und die Wirtschaftsleistung 2023 um knapp ein Prozent zurückgeht. Die Schweiz sollte sich mit 0 Prozent etwas besser halten, aber selbst dort ist eine Rezession nicht auszuschließen.

Die Inflation befindet sich zwar übergeordnet weltweit in einem Aufwärtstrend – denn zahlreiche strukturelle Faktoren wie Fachkräftemangel, Deglobalisierung und Dekarbonisierung werden auch in den nächsten Jahren für Teuerungsdruck sorgen. Aber 2023 werden die zyklischen, disinflationären Kräfte überwiegen. Das kommende Jahr wird daher – im Gegensatz zu 2022 – von fallenden Inflationsraten geprägt sein. Dies liegt an den Basiseffekten bei den Energiepreisen und an den die Nachfrage dämpfenden Effekten der Rezession. Deshalb dürfte die Teuerungsrate der Eurozone und die der USA Ende 2023 wieder in Richtung 2 Prozent zurückfallen.

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