Ausblick auf das Versicherungsjahr 2019 „Ein Provisionsdeckel hätte negative Folgen für Vermittler“

Oliver Brüß ist Vertriebsvorstand der Gothaer: Er wünscht sich für 2019 eine Regulierungspause von der Politik. | © Gothaer

Oliver Brüß ist Vertriebsvorstand der Gothaer: Er wünscht sich für 2019 eine Regulierungspause von der Politik. Foto: Gothaer

DAS INVESTMENT: Was sehen Sie als größte Herausforderung des kommenden Jahres an? Und was als größte Chance?

Oliver Brüß: Eine der großen Herausforderungen für die gesamte Branche wird das Thema Lebensversicherungsreformgesetz, kurz LVRG, II sein. Gerade bei komplexen Themen wie der Altersvorsorge ist Beratung wichtig und hat auch ihren Preis. Dass Honorarberatung in diesem Kontext keine Lösung ist, zeigt das Beispiel Großbritannien, wo sich immer weniger Menschen eine gute Beratung leisten können.

Eine große Chance ist auf jeden Fall das Betriebsrentenstärkungsgesetz, wir haben schon 2018 eine steigende Nachfrage nach Lösungen für die betriebliche Altersversorgung verzeichnen können und sind mit dem Rentenwerk sehr gut aufgestellt, um 2019 nach Abschluss entsprechender Tarifverträge in diesem Geschäftsfeld weiter zu wachsen.

Große Vertriebschancen sehe ich auch in unserem neuen Konzept zur Arbeitskraftabsicherung sowie im Bereich der Krankenzusatzversicherungen und bei umfassenden Versicherungslösungen für mittelständische Unternehmen.

Was wird die Branche 2019 politisch umtreiben?

Aus meiner Sicht stehen da drei Themen im Vordergrund: An erster Stelle das  Maßnahmenpaket des Bundesministeriums der Finanzen, BMF, aus der LVRG-Überprüfung, dann die Einführung des neuen Verhaltenskodex des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft und die Einführung einer DIN-Normierung „Finanzanalyse im Privat-Haushalt“, also DIN-Norm 77230. Alle drei Themen haben direkte Auswirkungen auf den Vertrieb.

Das Maßnahmenpaket des BMF sieht einen sogenannten gesetzlichen Provisionsdeckel in der Lebensversicherung vor, gegen den wir uns ganz klar aussprechen. Das in Deutschland übliche Provisionssystem sorgt dafür, dass alle Bürger – unabhängig von ihrer Vermögenslage – flächendeckend Zugang zur Altersvorsorge-Beratung haben. Dies sollte nicht aufs Spiel gesetzt werden. Die Umsetzung der EU-Vertriebsrichtlinie IDD setzt einen völlig ausreichenden Rechtsrahmen. Eine qualitative, hochwertige Beratung muss auch in Zukunft ausreichend honoriert werden. Und dass die Beratungsqualität stimmt, dafür spricht auch die geringe Zahl von Beschwerden über Vermittler beim Versicherungs-Ombudsmann. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass durch die Versicherer Fehlanreize bei der Vermittlung von Lebensversicherungen gesetzt werden, die zu einer Falschberatung der Kunden führen. Zudem hätte ein Provisionsdeckel unverhältnismäßig negative wirtschaftliche Folgen für unsere Vermittler.

Mit der Umsetzung des neuen GDV-Verhaltenskodex und der Finanz-Analyse nach DIN-Norm setzten wir zusätzliche, hohe Standards in der Beratung unserer Kunden. Daher lehnen wir einen Provisionsdeckel in der Lebensversicherung ab.