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Ralf Berndt ist Vorstand Vertrieb und Marketing der Stuttgarter Lebensversicherung. | © Stuttgarter

Ausblick auf das Versicherungsjahr 2019

„Eine nennenswerte Zahl von Vermittlern wird aus dem Markt ausscheiden“

DAS INVESTMENT: Was sehen Sie als größte Herausforderung des kommenden Jahres an? Und was als größte Chance?

Ralf Berndt: 2018 waren die größten Herausforderungen die Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD und für die betriebliche Altersversorgung das Betriebsrentenstärkungsgesetz. Das Thema Regulierung wird uns auch 2019 weiter begleiten. Dies sollte aber nicht den Blick verstellen für die weiterhin vorhandenen großen Chancen unserer Branche. Aufgrund der demografischen Entwicklung bin ich davon überzeugt, dass die private und betriebliche Altersvorsorge trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen nach wie vor großes vertriebliches Potenzial hat. Die voraussichtliche Einführung einer Versicherungspflicht für Selbstständige führt aus meiner Sicht ebenfalls zu einer positiven Perspektive.

Was wird die Branche 2019 politisch umtreiben?

Die politische Diskussion um die Zukunft der Altersvorsorge und die damit verbundene Etablierung einer Rentenkommission durch die Bundesregierung macht deutlich, dass eine den Lebensstandard sichernde Altersvorsorge nur auf Basis des bewährten Drei-Säulen-Prinzips möglich ist. Zur gesetzlichen Rente gehört ergänzend eine starke betriebliche und private Altersversorgung. Man darf gespannt sein, ob sich diese Erkenntnis in den öffentlichen Debatten durchsetzen wird.

Was wünschen Sie sich 2019 vom Gesetzgeber?

Ich nenne hier einmal das Beispiel der betrieblichen Altersversorgung. Mit der neuen Pflicht für Arbeitgeber, die Sozialversicherungsersparnis weiterzugeben, ist ein wichtiger Schritt getan, die bAV noch weiter nach vorne zu bringen. Ein weiterer wichtiger Schritt sind die zusätzlichen Förderungen für Geringverdiener und die generelle Erhöhung der Förderung der bAV. Außerdem können wir davon ausgehen, dass die Bedeutung und damit auch die Verbreitung der Betriebsrenten in den nächsten Jahren deutlich zunehmen werden. Vor dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel beobachten wir schon heute, dass Arbeitgeber wieder verstärkt mit dem Angebot einer bAV um neue Mitarbeiter werben und versuchen, vorhandene Mitarbeiter stärker an das Unternehmen zu binden. Ich wünsche mir, dass der Gesetzgeber erkennt, dass er diese Entwicklung durch einfachere Regelungen in der bAV fördern kann. Hier meine ich das Reduzieren des Verwaltungsaufwands für die Arbeitgeber. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen haben oftmals keine eigenen Mitarbeiter für die Verwaltung der betrieblichen Altersversorgung.

Wird die Digitalisierung 2019 nochmal einen ordentlichen Schritt voran gehen?

Die Digitalisierung wird weiter an Fahrt gewinnen. Die technischen Möglichkeiten, zum Beispiel bei der Beratung, verändern sich enorm. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Kunden wünschen sich gerade bei anspruchsvollen Themen wie der Altersvorsorge weiterhin einen persönlichen Ansprechpartner. Diese persönliche Beratung wird schon heute teilweise durch digitale Kommunikationswege, wie zum Beispiel Chat und Video, unterstützt. Ich glaube aber an eine Symbiose zwischen digitaler und persönlicher Beratung und nicht an ein Entweder-oder. Bei unseren Vertriebspartnern steigen die Ansprüche an unseren Service. Sie wünschen sich in höherem Maße Entlastung durch die Versicherer. Darauf müssen wir uns einstellen, indem wir unsere internen Geschäftsprozesse ständig verbessern. Es gilt, Abläufe und Tätigkeiten immer effizienter zu gestalten, damit wir unsere Vertriebspartner optimal unterstützen können. Der Prozessautomation kommt hier eine besondere Bedeutung zu.

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