Stephan Albrech, Vorstand der Vermögensverwaltung Albrech & Cie

Stephan Albrech, Vorstand der Vermögensverwaltung Albrech & Cie

Ausblick

Das Aktienjahr 2015 dürfte positiv überraschen

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Erinnern Sie sich an das Jahresende 2013? Nach Zugewinnen von mehr als 26 beziehungsweise 18 Prozent im Dax und Euro Stoxx 50 prophezeiten viele Häuser für 2014 spektakuläre Zugewinne. Wir waren da etwas vorsichtiger – und behielten Recht: Mit Ausnahme der USA wuchsen die Bäume am Aktienmarkt nicht gerade in den Himmel.

Nach Kursgewinnen mit Anleihen stehen Umschichtungen an

Für 2015 sind wir aus mehreren Gründen optimistischer gestimmt. Zum einen schichten sehr große Kapitalanleger wie Pensionsfonds oder Versicherungen ihre Portfolios erfahrungsgemäß zum Jahresende gemäß ihrer Vorgaben um. Dann fließen Erträge aus der Gewinner-Anlageklasse des Vorjahres in den Kauf der Nachzügler, um die gewünschte Asset Allocation im Portfolio herzustellen. 2014 nun hatten Staatsanleihen klar die Nase vorn, was insbesondere den günstigen Aktien aus Euroland einen Schub verleihen könnte.

Statistik zeigt: Aktienmärkte in Fünferjahren besonders stark


Zum anderen zeigt der Blick in die Statistik, dass Jahre mit einer Fünf am Ende – wie 2015 – die stärksten Jahre in einem Jahrzehnt sind. So stieg der amerikanische Dow Jones-Index in den entsprechenden zehn Jahren des 20. Jahrhunderts im Durchschnitt um sage und schreibe 35 Prozent an; es gab kein einziges Verlustjahr! Die Statistik der sogenannten Vorwahljahre macht ebenfalls Mut: Die Jahre vor der US-Präsidentschaftswahl, wie 2015 eines ist, sind im gesamten vierjährigen Wahlzyklus die stärksten Jahre nicht nur für den Dow Jones, sondern auch für den Dax. Beim Dow Jones reichen die Daten bis 1896 zurück, beim zurückberechneten Dax bis 1955.

Noch weniger Konkurrenz durch Anleihen als im Vorjahr

Doch nicht nur Asset Allocation und Statistik sprechen für ein gutes Aktienjahr. Die 2014 erneut stark gesunkenen Anlagezinsen dürften ebenfalls dafür sorgen, dass neues Geld vorrangig in die Aktienmärkte fließt. Schließlich ist eine Rendite von 0,6 Prozent für die zehnjährige Bundesanleihe fast unterirdisch und bei einer Dividendenrendite von 3 Prozent kaum konkurrenzfähig. Dank der (geplanten) Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank wird sich daran auch nichts ändern; eher könnten die Zinsen noch etwas sinken.

Sinkender Ölpreis wirkt als großes Konjunkturprogramm

Schließlich könnte sich der einbrechende Ölpreis als veritables Konjunkturprogramm für die Industrie- und manche Schwellenländer entpuppen. Während Russland, Norwegen und etliche OPEC-Staaten von einem Ölpreis von 60 US-Dollar hart getroffen werden, sinkt die Ölrechnung für die USA, Japan, die Euro-Zone, China und Indien laut Expertenschätzungen um fast 400 Milliarden Dollar – viel Geld, das nicht nur dem Konsum, sondern auch den Unternehmensgewinnen zugute kommen dürfte.

Risikofaktoren Russland und US-Notenbank

Welche Risiken bestehen für dieses Szenario? Störfeuer könnte zum einen von der Entwicklung in Russland bzw. in der Ukraine: Was passiert, wenn die Einnahmen und die Währung Russlands wegen des Ölpreises und des Vertrauensverlusts kollabieren und Präsident Putin deswegen in die (militärische) Offensive geht? Zum anderen könnte die US-Notenbank die Kapitalmärkte kräftig verunsichern, wenn sie die Leitzinsen zu schnell und zu kräftig anhebt.

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