Ausblick von Wisdom Tree Goldpreis wird durchstarten

Arbeiter schmilzt Gold: Die Experten von Wisdom Tree prognostizieren einen steigenden Preis des Edelmetalls | © Getty Images

Arbeiter schmilzt Gold: Die Experten von Wisdom Tree prognostizieren einen steigenden Preis des Edelmetalls Foto: Getty Images

Gegen Ende des Jahres 2018 kam es bei Gold zu einer Erholung. Das gelbe Metall konnte den Großteil seiner seit Juni 2018 erlittenen Verluste wettmachen. Ein Zusammenbruch bei der spekulativen Positionierung in Goldfutures belastete in der zweiten Jahreshälfte die Preise, doch die Stimmung bei Gold befindet sich in den letzten Wochen ganz offensichtlich auf dem Weg nach oben. Unseren Erwartungen zufolge wird sich diese Erholung fortsetzen, da zahlreiche Risiken, die bisher vom Markt ignoriert worden sind, nun in Gold eingepreist werden. Unser Basisszenario ist ein Goldpreis von 1370 US-Dollar pro Unze bis zum Ende des Jahres.

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Anhand unseres Modellrahmens, den wir in unserem Papier Goldausblick: Der Goldpreis dürfte beim Ausbleiben von Markterschütterungen bis Juni 2019 stagnieren umrissen haben, lassen wir unsere Ansichten zu Inflation, Wechselkursen, Zinsen und Anlegerstimmung einfließen und versuchen vorherzusagen, wohin sich Gold bis zum Ende des Jahres entwickeln wird.

Spekulative Positionierung Grund für die Erholung

2018 fiel die spekulative Positionierung kurze Zeit auf den niedrigsten Stand seit 2001, erholte sich zu einem sehr späten Zeitpunkt im Jahr jedoch wieder. Nach den Kapitalflüssen in Gold-Exchange Traded Products zu urteilen, zeichnet sich bei der Stimmung bezüglich des Metalls klar eine Erholung ab. Die Volatilität auf dem Anlagenmarkt in den letzten Wochen des Jahres war der Hauptgrund für die Erholung bei der Gold-Positionierung. Im letzten Quartal 2018 gab der S&P 500 um 14 Prozent nach und Brent-Rohöl fiel um 35 Prozent. Außerdem hat die Volatilität beider dieser Benchmarks deutlich zugenommen.

Der „Shutdown“ der Regierung in den USA hat die Investoren wachgerüttelt und daran erinnert, dass der weltweite Wachstumsmotor (zumindest in letzter Zeit) nicht unverwundbar ist. In der Zwischenzeit sind die Investoren aufgrund des sich verlangsamenden Wachstums in China bei zyklischen Anlagen weniger optimistisch eingestellt.

Wir erwarten, dass die US-Notenbank die Zinsen 2019 zweimal erhöhen wird (um 50 Basispunkte), was den Punktdiagrammen aus der aktuellen Wirtschaftsprognose der Zentralbank entspricht. Dies steht ebenfalls im Einklang mit den Konsensprognosen von Ökonomen, bei Fed Fund Futures werden jedoch keine Zinserhöhungen für 2019 eingepreist. Wir schließen uns der Vorgabe der Fed an, da die Wirtschaftsdaten des Landes unseres Erachtens stark und die Arbeitsmärkte angespannt genug sind, sodass die Zentralbank die Zinsen weiter anheben kann. Wir räumen jedoch ein, dass ein Risiko sinkender Zinsen besteht – dies dürfte die Goldpreise im Allgemeinen positiv beeinflussen.

Inverse Zinsstrukturkurve für US-Schatzanweisungen zu erwarten

Obwohl wir bis zum vierten Quartal 2019 eine Erhöhungen der Leitzinsen von insgesamt 50 Basispunkten erwarten, werden die Renditen für 10-jährige Anleihen unseres Erachtens in diesem Zeithorizont um nur 25 Basispunkte auf 3,0 Prozent zulegen. Es ist wahrscheinlich, dass die Renditen für zweijährige Anleihen stärker von den Leitzinserhöhungen betroffen sein werden, weiter rechts auf der Kurve werden wir wahrscheinlich jedoch weniger Ertragszuwächse verzeichnen können. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der hohe Anleihenbestand der Fed voraussichtlich verhindern wird, dass die Renditen allzu aggressiv steigen. Ebenso ist es wahrscheinlich, dass die aktuellen Steuersenkungen innerhalb eines sehr kurzfristigen Zeitrahmens ihre stärkste

Wirkung zeigen werden. Da die Auswirkungen auf das Wachstum langfristig gesehen im Sande verlaufen, wird der Renditeanstieg am längeren Ende der Kurve geringer ausfallen als am kurzen Ende. Obwohl die Inversion der Zinsstrukturkurve von vielen als finanzielles Signal für einen bevorstehenden Wirtschaftsabschwung betrachtet wird, kann sie unseres Erachtens auf die oben beschriebenen ungünstigen Gründe zurückgeführt werden. Deshalb ist sie nicht notwendigerweise Vorbotin einer wirtschaftlichen Rezession. Wenn überhaupt, glauben wir, dass sich die US-Notenbank eher friedfertig zeigen wird, da sie sich mit ihrer Geldpolitik nicht zu weit von anderen Zentralbanken entfernen möchte. Tatsächlich lassen Fed Fund Futures darauf schließen, dass die Fed nach Ansicht des Marktes dieses Jahr vollkommen auf eine Erhöhung der Zinsen verzichten wird. Dies könnte sich im Laufe des Jahres 2019 positiv auf die Goldpreise auswirken.

Aufwertung des US-Dollars von kurzer Dauer

Obwohl die US-Notenbank weiterhin die einzige große Zentralbank ist, die die Zinsen in der ersten Hälfte des Jahres erhöhen möchten, erwarten wir, dass der US-Dollar weiter zulegen wird – vor allem deshalb, weil der Markt, den Fed Fund Futures nach zu urteilen, zurzeit keine weitere Zinserhöhung zu erwarten scheint. Da andere große Zentralbanken – beispielsweise die Europäische Zentralbank, die Bank of Japan und die Bank of England – jedoch beginnen, über eine Normalisierung der Geldpolitik nachzudenken, könnten die Zinsdifferentiale enger werden und der US-Dollar an Wert verlieren. Außerdem erwarten wir aufgrund der steigenden Verschuldung in den USA – die durch die aktuellen Steuersenkungen noch erhöht wird – eine Abwertung des US-Dollars.

Die Inflation nach dem US-Verbraucherpreisindex (VPI) erreichte auf einem Stand von 2,9 Prozent im Juli 2018 ihren Höhepunkt und ging im November 2018 auf 2,2 Prozent zurück. Die volatilen Energiepreise waren für einen Großteil dieses Anstiegs bzw. Rückgangs verantwortlich. Unseren Erwartungen nach wird die Verschärfung der Geldpolitik durch die US-Notenbank die nachfrageorientierte Inflation weiterhin im Zaum halten, doch eine Erholung der Ölpreise wird voraussichtlich einen Aufwärtsdruck auf die Inflation insgesamt ausüben. Bis Jahresende erwarten wir einen leichten Inflationsanstieg auf 2,3 Prozent.

Was könnte die Gold-Stimmung heben?

Die für Gold maßgeblichen geldpolitischen/konjunkturellen Faktoren – leichte Zinsanstiege, eine geringfügige Aufwertung und darauf folgende Abwertung des US-Dollars sowie eine leicht steigende Inflation – werden keinen bedeutenden Einfluss auf Gold ausüben. Unseres Erachtens werden die Goldpreise den Prognosezeitraum im Plus beenden, was hauptsächlich darauf zurückzuführen sein wird, dass sich die Stimmung in Bezug auf Gold weiter zum Positiven wenden wird. Diese Entwicklung zeichnete sich bereits in der letzten Woche des Jahres 2018 ab, als die meisten Märkte von extremer Volatilität gekennzeichnet waren.

Es ist 2018 bereits zu mehreren Volatilitätsschüben auf dem Aktienmarkt gekommen, Aktien aus finanzstarken Ländern konnten jedoch zu ihren vorherigen Ständen zurückkehren. Dies ist aber keine Garantie dafür, dass sie auch bei der nächsten Markterschütterung standhaft bleiben werden. Man beachte, dass solch niedrige Stände bei der spekulativen Positionierung wie 2018 zuletzt 2001 zu beobachten gewesen sind – dem Jahr, in dem sich die argentinische Schuldenkrise abzeichnete und ein überbewerteter Technologiesektor zusammenbrach. Gold reagierte auf das Stressszenario, allerdings verspätet. Die Goldkurse stiegen 2002 um 25 Prozent (verglichen mit den 2 Prozent im Jahr 2001)

Es bestehen weitere Risiken, die Gold als historisch sichere Anlage Aufwind geben und die Positionierung in Goldfutures noch oben treiben könnten:

1. No-Deal-Brexit – Die britische Premierministerin scheint nicht über ausreichend Unterstützung für die Bedingungen eines Austritts aus der EU zu verfügen, für deren Aushandlung sie verantwortlich war. Obwohl sie ein Misstrauensvotum aus ihrer eigenen Partei überstand, ist der Vorschlag bei allen Parlamentsmitgliedern, ob für einen EU-Austritt oder dagegen, gleichermaßen verhasst. Eine Neuverhandlung der Austrittsbedingungen scheint zu diesem Zeitpunkt unmöglich, weshalb schwer absehbar ist, wie die eine oder die andere Seite durch das derzeitige Abkommen beschwichtigt werden soll. Unseres Erachtens ist das wahrscheinlichste Ergebnis, dass es zu einer Verlängerung der am 30. März endenden Frist kommen wird. Es besteht jedoch das Risiko, dass dem nicht so ist und kein Austrittsabkommen vorliegen wird. Es bleibt zu erwarten, dass ein Austritt aus der EU auf solch ungewisse Weise sowohl für Großbritannien als auch für die EU äußerst destabilisierend sein wird. Selbst bei einer Fristverlängerung wird die Unsicherheit bleiben, was die Nachfrage nach sicheren Anlagen schüren wird.

2. Handelskonflikte – Unserer Arbeitshypothese zufolge wird der zunehmende Protektionismus in den USA der weltweiten wirtschaftlichen Nachfrage keinen Schaden zufügen. Es scheint sogar Anzeichen dafür zu geben, dass sich die Kluft zwischen den USA und China zu schließen beginnt. Solche Anzeichen waren jedoch schon früher erkennbar und was folgte, war eine Verschlechterung der Beziehungen. Sollte das Tauziehen um protektionistische Maßnahmen eskalieren, könnte dies auf dem Markt zu einer risikoaversen Haltung führen.

3. Die Regierungsgeschäfte stehen in den USA zurzeit still, da Präsident Donald Trump mit dem Kongress um die Finanzierung seiner Grenzmauer zu Mexiko ringt. Das Risiko einer Zuspitzung dieser Pattsituation könnte die Nachfrage nach sicheren Anlagen fördern. Doch auch wenn die Regierungsgeschäfte bald wieder aufgenommen werden, wird das Risiko, dass die Trump-Regierung die Androhung von Stillständen als Strategie einsetzt, um den Kongress unter Druck zu setzen, voraussichtlich zu einer Schwächung des Vertrauens der Investoren in zyklische Anlagen führen.

In unserer Prognose bringen wir die spekulative Positionierung in Goldfutures wieder auf Stände, die mit denen der letzten fünf Jahre vereinbar sind. Anhand der Verknüpfung der monetären, wirtschaftlichen und stimmungsbezogenen Faktoren, die Gold beeinflussen, wird Gold unseres Erachtens bis zum Ende dieses Jahres ein Niveau von fast 1370 US-Dollar pro Unze erreichen.

Alternative Szenarios

Wie unten zusammengefasst, haben wir auch alternative Szenarios für Gold entwickelt. Der Großteil der Sensitivität ist auf unsere Stimmungsgröße, die spekulative Positionierung, zurückzuführen. Doch selbst in unserem pessimistischen Szenario erhöhen wir die Positionierung auf einen positiven Wert. In unserem optimistischen Szenario nehmen wir an, dass die US-Notenbank die Wirtschaft heiß laufen lässt und die Zinsen nur einmal erhöht, wodurch die Anleiherenditen unter einem geringeren Druck für einen Anstieg stehen, eine Abwertung des US-Dollar begünstigt und die Inflation auf dem erhöhten Niveau von 2,9 Prozent gehalten wird. Im Gegenzug nehmen wir im pessimistischen Szenario an, dass die US-Notenbank einen härteren Kurs einschlägt und stärkeren Einfluss auf die langfristigen Anleiherenditen nimmt. Der US-Dollar wird aufgewertet, da die US-Notenbank den Markt mit ihrem härteren Kurs überrascht.

Fazit: In unserem Basisszenario erwarten wir bis zum vierten Quartal 2019 einen Anstieg der Goldpreise auf fast 1370 US-Dollar pro Unze. Dies ist hauptsächlich auf die Wiederherstellung der spekulativen Positionierung an den Futuresmärkten zurückzuführen. Außerdem wird eine gewisse Abwertung des US-Dollars sowie ein leichtes Anziehen der Inflation einen Wertzuwachs bei Gold begünstigen.