Ausblick Was die US-Wirtschaft 2019 bewegen wird

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Gedämpfte Erwartungen könnten zu mehr Volatilität führen

Als Reaktion auf die brummende US-Wirtschaft, den angespannten Arbeitsmarkt und die moderat steigende Inflation dürfte die Fed die kurzfristigen Zinsen auch im Jahr 2019 weiter anheben. „Wenn die Fed eine Inflationserhöhung sieht, wird sie aggressivere Maßnahmen ergreifen“, glaubt Spence. „Daraus resultiert, dass Anleger ihre Erwartungen zurücknehmen, was zu weiterer Volatilität führen könnte.“

Zölle und Fremdkapital-Kosten belasten Wachstum

All das geschieht zu einer Zeit, in der die Staats-, Unternehmens- und Verbraucherschulden dramatisch steigen. Vor allem steigende Fremdkapital-Kosten in den Unternehmen könnten einen erheblichen Einfluss auf deren Ergebnis haben. Gleichzeitig steht der Welthandel im Mittelpunkt, da die USA, China und Europa derzeit versuchen, die Regeln zu ihren Gunsten neu zu formulieren. Weil sich diese Handelskämpfe noch in der Entwicklung befinden, ist es schwierig, die genauen Auswirkungen auf die Wirtschaft zu berechnen. Eine Konsequenz ist jedoch schon erkennbar: Die Zölle werden das Wachstum belasten.

„Wir erwarten einen Rückgang des BIP um etwa 50 Basispunkte“

„Unser Basisfall geht von 10 Prozent Zöllen auf 200 Milliarden US-Dollar chinesischer Importe aus, plus einige Vergeltungszölle aus China“, erklärt Franz. „Das würde das Wachstum des Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA wahrscheinlich um etwa 50 Basispunkte oder einen halben Prozentpunkt verringern.“ Laut Franz werden die wirtschaftlichen Auswirkungen umso spürbarer, je weiter die Zölle steigen. „Das ist eine fließende Situation, die wir das ganze Jahr über genau beobachten werden“, so der Ökonom.

Mit Blick auf das kommende Jahr wird die steigende Inflation voraussichtlich den Druck auf die Unternehmensgewinne erhöhen, die im dritten Quartal 2018 um 26 Prozent stiegen. Auch die Auswirkungen der Ende 2017 beschlossenen US-Steuersenkungen, die das Gewinnwachstum im Jahr 2018 förderten, werden im Laufe des Jahres nachlassen. Dennoch geht Spence davon aus, dass das Gewinnwachstum 2019 positiv bleiben wird, sich aber verlangsamen sollte: „Ich erwarte ein einstelliges Gewinnwachstum, das mit einer Wirtschaft übereinstimmt, die zwar noch wächst, aber spürbar langsamer geworden ist.“

Möglichkeiten für überdurchschnittliche Renditen

Außerdem sind US-Aktien nach einer zehnjährigen Hausse teuer. Der S&P 500 Index ist in diesem Zeitraum um fast 400 Prozent gestiegen, und die Marktbewertungen sind gestiegen. Zum 31. Oktober lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den S&P bei 15,3 Zählern. Das ist im Vergleich zu historischen Standards ein Niveau, das eine bescheidenere Marktrendite in den nächsten fünf Jahren erwarten lässt.

„Ich verstehe nicht, wie der Gesamtmarkt in den nächsten Jahren mehr als einstellige Renditen erzielen will“, meint deshalb auch Portfoliomanager Greg Johnson. „Es wird immer noch Möglichkeiten geben, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist die Auswahl der Titel entscheidend.“