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Aufbruch zum Wachstum

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Aufbruch zum Wachstum

US-Außenminister Mike Pompeo und sein chinesischer Kollege Wang Yi: Spannungen zwischen China und den USA erschweren die Renditesuche von Anlegern.  | © Getty Images

Aussichten für Anleger Kehren die Finanzmärkte zur Normalität zurück?

Die Finanzmärkte wurden in den vergangenen Wochen durch die Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China erschüttert, als beide Seiten Zölle und Gegenzölle auf Importe eingeführt haben. In Ländern wie Argentinien machten sich landesspezifische Risiken wieder bemerkbar. Das britische Parlament wurde mitten im Brexit-Chaos suspendiert. Und Italien erlebte seine eigene politische Krise, wenngleich dort mittlerweile wieder eine Regierung im Amt ist.

Die Suche der Anleger nach Sicherheit hat dazu geführt, dass die Renditen von Kernanleihen auf ein beispiellos niedriges Niveau gefallen sind; für 30-jährige Bundesanleihen sind die Renditen erstmals negativ. Die US-Zinskurve kehrte sich zum ersten Mal seit 2007 um, die Renditen auf Anleihen mit zweijähriger Laufzeit liegen entsprechend über denen der zehnjährigen.

Drei Hauptgründe für die Missstimmung im Sommer

Unserer Meinung nach gibt es vor allem drei Hauptgründe für die schwierige Situation in diesem Sommer. Erstens mögen die Märkte keine politischen Unsicherheiten und Unklarheiten, beides hat jedoch zugenommen. Die Auswirkungen geopolitischer Risiken auf wirtschaftliche Aussichten sind offensichtlich. Die Rezessionssorgen in den USA sind aber übertrieben – wir erwarten in den nächsten zwölf Monaten keine Rezession. Und die Rolle, die die Umkehrung der Zinskurve als Rezessionsvorbote spielt, sollte in der aktuellen Ära unkonventioneller Geldpolitik nicht überschätzt werden.

Zweitens droht der Handelskonflikt zu einem Währungskonflikt zu eskalieren, da sowohl die USA als auch China um globale Hegemonie kämpfen. Die Yuan-Abwertung führte dazu, dass der US-Dollar erstmals seit der Krise 2008 mehr als sieben Yuan kostete. Dies betrachtete die US-Regierung als Versuch der Währungsmanipulation durch die Chinesen. Wir sind jedoch nicht der Ansicht, dass China die Währung proaktiv manipuliert. Die Behörden versuchen lediglich, den Wechselkurs zu stabilisieren, um die negativen Auswirkungen der Zölle auf die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Exporte auszugleichen.

Drittens steigt der politische Druck auf die Zentralbanken. Die US-Notenbank Fed hat zwar eine Zinssenkung durchgeführt und ihre quantitative Geldverknappung beendet. Aber die Art und Weise, wie US-Präsident Donald Trump den Fed-Chef Jerome Powell unter Druck gesetzt hat, um Zinssenkungen zu erreichen, stellt die Unabhängigkeit der Fed vor eine Herausforderung, gerade im Hinblick auf die US-Präsidentschaftswahlen 2020.

Diese Entwicklungen wirken sich auf das Investitionsklima aus

Der Renditerückgang bei Kernanleihen ist Ausdruck einer komplexen Situation. Das Narrativ scheint sich zu wandeln: Von „schlechte Nachrichten für die Wirtschaft sind gute Nachrichten für Risiko-Assets“, das durch die lockere Haltung der Zentralbanken unterstützt wurde, hin zu „schlechte Nachrichten könnten tatsächlich schlechte Nachrichten sein“, bei dem die Märkte einen wirtschaftlichen Abschwung einpreisen. Infolgedessen erwarten die Märkte – und hoffen die Politiker –, dass die Zentralbanken aggressiver eingreifen. Beim Einpreisen der politischen Maßnahmen sind die Märkte aber möglicherweise zu weit gegangen, da das globale Wachstum doch stärker sein könnte als erwartet.

Kurzfristig könnten die Erwartungen an eine aggressive monetäre Lockerung die Abwärtsbewegung der Aktienmärkte in diesem sehr unsicheren Umfeld begrenzen. Die Zentralbanken können dazu beitragen, den Zyklus zu verlängern. Die Kraft dieser neuen Maßnahmen wird aber geringer sein als in der Vergangenheit, wenn sie nicht von einheitlichen, fiskalpolitischen Schritten unterstützt werden. Es ist zwar eine gute Nachricht, dass Deutschland die Wirtschaft stützen könnte, um eine Rezession zu verhindern. Aber wir befinden uns noch in einem sehr frühen Stadium, der Umfang der Unterstützung ist begrenzt und wird nicht auf EU-Ebene koordiniert.

Die Aktienbewertungen werden durch niedrige Anleiherenditen begünstigt. Da die Ergebnisrevisionen bereits massiv waren, könnte es in den kommenden Wochen zu einer Stabilisierung kommen. Sollten sich die Aktienmärkte weiter abschwächen, könnte das die taktische Möglichkeit bieten, das Exposure zu erhöhen. Aber in einer Phase, in der die Maßnahmen der Zentralbanken nicht mehr so stark wirken, werden Gewinnaussichten zu den wichtigsten Treibern der Märkte – und die Risiken zeigen nach unten.

Hochwertige Anleihen dürften von der Renditesuche profitieren

Die Suche nach Renditen geht weiter, wovon vor allem hochwertige Investment-Grade- und Emerging-Markets-Anleihen profitieren dürften. Angesichts der extrem niedrigen Anleiherenditen, der hohen Laufzeit der wichtigsten Anleihenindizes und der knappen Liquidität sollten die Anleger sich jedoch auf höhere Volatilitäten einstellen. Ein aktiver und diversifizierter Ansatz, der alle Ebenen festverzinslicher Anlagen berücksichtigt (Laufzeit, Währungen, Kurve, Darlehen), kann dazu beitragen, in der gegenwärtigen Renditewüste dennoch Wertsteigerungen zu erzielen. Zugleich werden Liquiditätsbewertungen immer wichtiger: Weniger liquide Bereiche könnten stärker gefährdet sein, sollten die Maßnahmen der Zentralbanken hinter den Erwartungen der Marktteilnehmer zurückbleiben.

Im Großen und Ganzen wird die erhöhte Volatilität den Anlegern wieder einmal die hohe Bedeutung der Grundlagen des Investierens vor Augen führen und sie ihre Portfoliozusammenstellungen überdenken lassen. Um ihr Portfolio zu schützen, können Investoren das Risiko durch geeignete Sicherungsstrategien (Gold, Optionen und Währungen) mindern und in Betracht ziehen, eine positive Einstellung zu US-Anleihen als Absicherung von Markt- und Liquiditätsrisiken beizubehalten.

Soweit nicht anders angegeben, beruhen die hier enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Amundi Asset Management und haben den Stand 03.09.2019. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Diese Veröffentlichung ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt diese Veröffentlichung kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Amundi Deutschland GmbH ist ein Unternehmen der Amundi Gruppe.

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