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Globale Anleihen- und Aktienmärkte

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Globale Anleihen- und Aktienmärkte

Brian Kloss, Portfoliomanager bei Brandywine Global Foto: Brandywine Global

Globale Anleihen im Jahr 2021

„Autofertigung und Bergbau stehen vor einem Boom“

Herr Kloss, wie sieht Ihr Ausblick für die Anleihemärkte im Jahr 2021 aus?

Brian Kloss: Es ist absehbar, dass mehrere Impfstoffe gegen Covid-19 mittelfristig breit verfügbar sind. Zugleich bleiben Geld- und Fiskalpolitik weiterhin locker. Es ist ebenso absehbar, dass die Geldmengenvermehrung auch 2021 weitergeht, denn Geld und Fiskalpolitik wollen und müssen die Wirtschaft stützen, um die Pandemiefolgen abzufedern. Die umsichtigen politischen Maßnahmen wirken: Vor dem Hintergrund eines sich daraus ergebenden starken globalen BIP-Wachstums sehen wir eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für eine zyklische Erholung und eine weitere Spread-Einengung bei Unternehmensanleihen.

Dennoch gibt es weiterhin viele Unsicherheiten, oder?

Kloss: Natürlich bestehen weiterhin Risiken. So könnte die neue US-Regierung die von US-Präsident Donald Trump vorgenommenen Abschläge bei den Unternehmenssteuern rückgängig machen und höhere Steuersätze festlegen. Im Raum steht eine von Biden geplante Erhöhung der Unternehmenssteuern von 21 auf 28 Prozent.

Zugleich dürfte die Biden-Administration für mehr Regulierung eintreten, was ebenfalls gewisse Unsicherheiten mit sich bringt. Für Anleger wird daher die Frage interessant, welche Folgen politische Neuorientierungen in Bereichen wie Umwelt, Gesundheit und Technologie für die betreffenden Sektoren und Branchen hätten. Unserer Ansicht nach dürften Maßnahmen in den Bereichen Steuern und Regulierung gegenüber der massiven geld- und fiskalpolitischen Unterstützung, einschließlich der hohen Wahrscheinlichkeit eines weiteren US-Konjunkturpakets, allerdings nicht oder nur kaum ins Gewicht fallen.

Sie sehen also weiterhin recht gute Aussichten?

Kloss: Obwohl Risikoanlagen sich bereits wieder von ihren Tiefs erholt haben, dürfte weiteres Aufwärtspotenzial bestehen. Wir nutzen daher engagiert die Chancen, die sich auf dem Markt für Unternehmensanleihen ergeben.

Welchen Sektoren stoßen derzeit auf Ihr Interesse?

Kloss: Wir bevorzugen eher zyklisch ausgerichtete Branchen, wie beispielsweise die Automobilindustrie und den Bergbau. Beide Sektoren stehen vor einem kräftigen Aufschwung, sobald sich die Wirtschaft von den Pandemiefolgen erholt.

Der Legg Mason Brandywine Global Income Optimiser Fonds hat im vergangenen Jahr neue Bestmarken erreicht. Wie ist der Fonds strategisch positioniert?

Kloss: Wir verfolgen eine flexible, wertorientierte Strategie, die darauf abzielt, das Kapital über einen Marktzyklus hinweg zu erhalten und zu vermehren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer starken, risikobereinigten Gesamtrendite durch eine dynamische Allokation über den globalen Rentenmarkt.

Wie werden Sie dem Fondsnamen gerecht und wählen optimale Anlagemöglichkeiten aus?

Kloss: Die Strategie setzt auf einen differenzierten und bewährten Prozess, der die Analyse der makroökonomischen Bedingungen mit Bottom-up-Fundamentalresearch kombiniert, um globale Wertanomalien und sektorübergreifende Chancen zu finden. Unserer Meinung nach können wir damit die überzeugendsten Kombinationen aus Bewertungen und nachhaltigen Fundamentaldaten nutzen.

Sie investieren über das gesamte Spektrum der Rating-Stufen von Unternehmensanleihen mit einer stärkeren Präferenz für BBB- und BB-Titel. Warum hat ein diversifiziertes Engagement in Anleihen mit Investment-Grade-Rating und darunter liegendem Rating einen besonderen Reiz?

Kloss: Unser Team ist der Ansicht, dass die beiden Qualitätssegmente BBB und BB das beste Risiko-Rendite-Profil bieten und durch die Geldpolitik und die derzeitige erhebliche Geldüberversorgung weiterhin unterstützt werden sollten.

Letzte Frage: Wie ist der Legg Mason Brandywine Global Income Optimiser Fonds derzeit positioniert?

Kloss: Wir meiden generell beide Enden des Bonitätsspektrums von Anleihen: Hohe Qualität bietet nur ein begrenztes Gesamtrenditepotenzial. Anleihen niedrigerer Qualität wiederum bleiben anfällig für Turbulenzen und Rückschritte in der globalen wirtschaftlichen Erholung. Als Ausnahme sehen wir europäische Hochzinsanleihen: Sie dürften im Jahr 2021 eine niedrigere Ausfallrate aufweisen als der US-Markt.

Generell lässt uns die Rückbildung der Spreads angesichts der Herausforderungen, die mit dem Wiederanziehen der Weltwirtschaft einhergehen, vorsichtig bleiben. Wir bevorzugen daher weiterhin zyklische Werte, und sind in dem Zusammenhang unter anderem auf Grundstoffe und Investitionsgüter fokussiert – wobei wir die Risiken der zuletzt bereits kräftig gestiegenen Bewertungen im Blick behalten.

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